Montag, 30. November 2015

Kleine Schmunzelgeschichte aus der Küche

Gelegentlich neige ich zu kleineren (ok, manchmal auch größeren) Verpeiltheiten. Ich bin zum Beispiel oft schon am Freitag felsenfest überzeugt davon, es sei Samstag, ich vergesse Geburtstage oder die Mülltonne rechtzeitig an die Straße zu stellen (habe es mit einem spontanen Sprint in Schlafanzughose und Sweatjacke aber fast immer trotzdem noch geschafft), und ich kann mir Wege erst wirklich merken, wenn ich sie ca. 99 Mal gefahren bin. Wer mich kennt, weiß, was ich meine... 

Normalerweise setze ich dann mein breitestes Lächeln auf und sage: "Das liegt bestimmt am Alter." Da bekommt man im allgemeinen am wenigsten Widerspruch. Was mir aber vor einigen Wochen mit meinen Gewürzen passiert ist, lag eindeutig nicht an meinem Alter!

Seit Jahr und Tag benutze ich die Gewürze von EDORA. Sie sind in kleine Metalldöschen abgefüllt (denn Gewürze sollen dunkel gelagert werden, schönen Gruß an alle Glasbehälter-Gewürze-Abfüller!), sie sind von guter Qualität und preislich ok. Außerdem führt sie mein Lieblings-Supermarkt um die Ecke, und ich kann mich schnell und einfach damit eindecken. Seit Jahr und Tag haben nun auch eben diese Gewürze einen kleinen, gitterförmigen Siebeinsaatz, mit dem man die Gewürze schön portioniert herausrieseln lassen kann. Super Patent, erprobt und bewährt!


Nun begab es sich schon vor einigen Wochen, dass mein geliebtes Oregano leer war und ich es sofort ersetzt habe. Wie immer habe ich das Gewürzdöschen über dem Topf plaziert, einmal beherzt auf den Dosenboden geklopft und - hatte 95 % des Oreganos in meiner Soße. ???!!! Nanu? Schnell zum Schaumlöffel gegriffen und das Oregano wieder rausgeholt, zum Glück konnte schlimmerer Geschmackschaden verhindert werden. 

In diesem Döschen befand sich nicht - wie sonst immer - der kleine Siebeinsatz. "Na toll", dachte ich, "von all den vielen Gewürzen im Regal erwische ausgerechnet ich das fehlerhafte. Kann ja mal passieren, ist mir aber bisher noch nie untergekommen." 

Ich habe den Vorfall wieder vergessen, bis ich Wochen später neues Chili-Pulver eben dieser Marke gekauft habe. 


Zum Glück ist mir gleich beim Anheben des Deckels aufgefallen, dass schon wieder kein Siebeinsatz vorhanden war. Nicht auszudenken, wenn mir der ganze Chili-Inhalt in die Soße gerutscht wäre...


Dieses Mal wollte ich das ganze nicht auf sich beruhen lassen und den Supermarkt auf die fehlerhaften Gewürzdosen aufmerksam machen. Doch dann kam mir eine noch bessere Idee: Ich hatte noch das alte, leer gewordene Chili-Pulver-Döschen mit meinem geliebten Gittereinsatz. Also habe ich es mit dem Risiko, einen meiner Finger zu opfern oder mir schlimme Schnittwunden zuzuziehen tatsächlich mit Messern und einem Schraubenzieher herausmontiert bekommen. Stolz wollte ich es auf das neue Döschen setzen, doch es paßte nicht. 

Verwirrt stand ich mit meinem Döschen in der Hand, als mir plötzlich etwas auffiel: Der Rand der Dosen weist zwei Ausstanzungen auf: einmal eine ovale, wie ein quer gelegtes Ei und daneben vier kleine Punkte. Die gleichen Ausstanzungen befinden sich am Deckel. Tadaa, da war sie die Erkenntnis. Manchmal muss man vom Schlauch runtergehen, auf dem man steht. Nicht die Siebeinsätze fehlten, nein, das Dosendesign wurde geändert und die Schüttvorrichtung. Es gibt keine Siebeinsätze mehr, man muß den Deckel gar nicht mehr öffnen. Nur drehen! 



Also bitte, woher soll ich das denn wissen! Es gab ja schließlich keinerlei Hinweis darauf, dass es Änderungen gegeben hat. Bei näherem Hinsehen mußte ich leider zugeben, doch, es gibt ihn. Direkt oben auf dem Deckel ist aufgedruckt: "Streuöffnung am Deckelrand". Allerdings ziemlich dezent.


Nun ja, lest ihr immer die komplette "Beschilderung" eines Produktes, das ihr schon jahrelang verwendet? Falls nein, solltet ihr das tun. Wer liest, ist wie immer, klar im Vorteil. Ich habe Wochen gebraucht, um hinter des Rätsels Lösung zu gelangen und hätte mich beinahe im Supermarkt blamiert. Der junge Marktleiter hätte mich vermutlich für total verpeilt gehalten, wenn ich mich über das fehlende Sieb beschwert hätte. Ich hätte dannn "muss wohl am Alter liegen" gemurmelt. Aber soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen.

Am Wochenende nun hat mein Töchterlein gekocht. Sie ist süße 19 Jahre jung. Was es gab? Tomatensoße. Mit Oregano. Mit viel Oregano. Denn auch sie hat der Oregano-Dose wie immer beherzt aufs Hinterteil geklopft, und was passiert ist, könnt ihr euch denken... "Mamaaaaaa....."

Nein, es liegt nicht am Alter :-) !!

Fazit: Ich bin für die guten Siebeinsätze!!!




Kommentare:

  1. Hahaaa! Schöne Geschichte! :D Und sie wäre mir definitiv auch passiert, denn wie bitteschön soll frau auf die Idee kommen, dass die Pappnasen die Funktionsweise eines Gewürzdöschens ändern?!?! Nee, echt nicht. Bin ganz bei Dir. Im Übrigen rede ich mich auch immer mit dem Alter raus. Wenn man sich das einmal getraut hat, wiederholt man's auch ... *flöt*
    LG
    Gunda

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  2. Reizend :) Ich musst gerade wirklich sehr schmunzeln. Das wäre mir auch passiert, garantiert. Denn wer liest schon, wenn er seit Jahr und Tag ein Produkt verwendet, ob da irgendwas geändert worden ist.

    Ich kenne diese Gewürzmarke gar nicht, wieder etwas gelernt :) LG und noch eine gute Woche für Dich!

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  3. Hallo Eva,
    die Geschichte könnte glatt von mir sein - ich neige nämlich auch zu ähnlichen Verpeiltheiten wie Tage verwechseln usw.
    Hat also mit dem Alter gar nix zu tun. Ist aber trotzdem immer für eine lustige Anekdote zu gebrauchen :)

    Liebe Grüße
    Alke

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  4. Hallo,
    vielen Dank für Ihre sehr schmunzelhaft und nett geschriebenen Kritik an der neuen EDORA Dose.
    Ich bin eine der Personen, die für die Praxistauglichkeits-Prüfung der Dose beim Gewürzexperten EDORA verantwortlich ist.
    Wir haben im Team die neue Dose mit den seitlichen Streuöffnungen intensiv getestet und für gut befunden.
    Bei der Prüfung waren auch Mitarbeiter und deren Familien, aber auch unbedarfte Kunden beteiligt.
    Vorteile der neuen Dose:
    - unterschiedlich große Streuöffungen sorgen für variablere Streuergebnisse (Kleine Löcher, großes Loch)
    - Deckel ist schnell abnehmbar, d.h. die empfohlene Dosierung per Löffel ist möglich.
    - Beim seitlichen Ausstreuen kann weniger schädlicher Wasserdampf in die Dose dringen.
    - leichter Wiederbefüllbar, da kein Siebeinsatz entfernt werden muss

    Tipp: Eigentlich ist es nicht optimal, Gewürze über dampfende Speisen zu streuen: es kann Wasserdampf in die Gewürzdose eindringen und hier die Qualität des Gewürzes verschlechtern. Aber es ist weithin so üblich. Profiköche hingegen würzen mit den Fingern oder mit einem Löffel.

    Wir müssen aber zugeben, dass wir diese Änderung auf der Verpackung sehr schlecht kommuniziert haben. Hier hätte der Hinweis auf dem Deckeletikett größer ausfallen können.
    Dafür möchten wir uns entschuldigen und geloben Besserung bei der nächsten Änderung :-)
    (die natürlich nicht so schnell erfolgen wird, denn die Resonanz auf die neue Dose ist überwiegend positiv).

    Es freut uns auch, dass Sie als langjährige Kundin trotzdem zufrieden mit den EDORA Gewürzen sind.
    Wir haben übrigens einen neuen Rezeptblog in unserem Onlineshop:
    http://www.gewuerzexperte.de/rezepte-blog/

    Kulinarische Grüße
    Olav Dornberg
    Leiter QM EDORA Gewürze www.gewuerzexperte.de

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  5. Hallo Herr Dornberg, das freut mich aber sehr, dass mein Post zu Ihnen durchgedrungen ist! Die Verbesserung an sich ist ja gar nicht schlecht, nur - wie Sie sagen - die Kommunikation ist wirklich eher unauffällig. Dass man eigentlich nicht über über kochenden Töpfen Gewürze einstreuen soll, ist mir bekannt. Als täglich kochende Hausfrau muss es aber manchmal schnell gehen, und ich habe ein gewisses Geschick entwickelt, den Topf so zu drehen, dass ich schnell und zackig an einer Stelle einstreuen kann, an der nicht soviel Dampfentwicklung ist. Aber natürlich haben Sie recht, professionell ist das nicht.
    Vielen Dank für Ihre Reaktion!
    Viele Grüße zurück!
    Eva Binder

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