Montag, 6. Juli 2015

Gestern Feuerwehr Großeinsatz im Nachbarhaus - "Polizeiruf 110 direkt vor der Tür"

Gestern nachmittag gab es hier ein riesiges Spektakel. Sowas sieht man echt nicht alle Tage.

Ich habe das Martinshorn gehört (was nicht sonderlich spannend ist, denn das hört man ja öfters aus der Ferne). Als das Tatü-tataa aber immer lauter wurde, sag ich so zu meinem Mann: "Die müssen hier irgendwo in der Nähe sein, das ist ganz schön laut." Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ein paar Sekunden später ein Krankenwagen direkt vor unserem Küchenfenster geparkt hat.

Im Geiste bin ich alle Nachbarn durchgegangen. Ob wohl der Kettenraucher vom Mietshaus nebenan umgekippt ist? Oder irgendjemand einen Kreislauf-Kollaps erlitten hat? Viele kamen nicht in Frage, alles junge und gesunde Leute ringsherum. Aber man weiß ja nie, was passiert sein könnte. Weit bin ich mit meinen Gedanken nicht gekommen, denn während aus dem Krankenwagen die Trageliege ausgefahren und auf dem Bürgersteig plaziert wurde, bog ein großes rotes Feuerwehrauto mit Karacho um die Ecke und parkte auf der anderen Straßenseite. "Ob es irgendwo brennt?"

Wie gesagt, es handelt sich um gestern Nachmittag. Es war glutheiß. Kein Lüftchen. Mehr als 30° C im Schatten. Da kam ein weiteres großes Feuerwehrauto mit lauter Tatü-Tataa angerauscht und aus beiden sprangen Feuerwehrmänner- und -frauen in kompletter Ausrüstung auf die heiße Straße.

Inzwischen hatten sich die ersten Nachbarn an der Straßenecke gesammelt, um zu gucken, was da los ist.

Mir war das ganze Szenario äußerst unheimlich, denn ich konnte keinen Brand ausmachen und auch sonst war nichts Außergewöhnliches zu sehen.

Routiniert und zackig wurden mehrere Schläuche ausgerollt, an den Hydranten angeschlossen und die Feuerwehr-Drehleiter aufgestellt. Immer noch war mir unklar, zu wem die eigentlich wollten.

Der Notarzt war inzwischen auch da. Und auf der automatischen Drehleiter plazierten sich drei Feuerwehrmänner im Korb. Einer davon mit Atemschutzmaske und Sauerstoffgerät auf dem Rücken. In kompletten Brandschutzanzug. Sah aus wie ein Alien, echt gruselig. Der arme Kerl, der da drinsteckte, bei dieser Hitze!

"Was zum Teufel tun die da," dachte ich mir, denn immer noch war weder Rauch zu sehen oder zu riechen und auch keine aufgeregten Familienangehörige eines eventuell Verletzten auf der Straße zu sehen. "Ob das eine Übung war? Aber bei dieser Gluthitze, mit diesem ganzen Einsatz-Stab??" Ich zählte mehr als 30 Helfer auf der Straße.

Die Feuerwehrleiter wurde nun in Richtung des benachbarten Mehrfamilienhauses ausgefahren und zwar bis nach ganz oben. In den zweiten Stock. Da wohnt ein junges Pärchen mit einem Baby. "Oh mein Gott, hoffentlich ist nichts mit dem Kind"... In der Wohnung unter dem Dach muss es höllische Temperaturen haben. Die drei Feuerwehrmänner kletterten aus dem Korb auf den Balkon der Familie. Es tat sich nichts von drinnen, also sind sie eben rein. Fragt mich nicht wie, aber sie haben kurz und professionell die Balkontür geöffnet und sind in die Wohnung hinein gegangen.

Inzwischen trudelte auch noch ein Polizei-Auto ein, die ganze Straße war bevölkert von Sanitätern und Feuerwehrleuten und noch mehr schaulustigen Nachbarn. Wir mussten gar nicht erst raus auf die Straße, sondern konnten alles vom Fenster aus sehen. Es war ein mulmiges Gefühl und zugleich ein beruhigendes, weil die Vorgehensweise der Helfer schnell, ruhig und sehr zielorientiert vonstatten ging.

as ich auch sehr positiv fand, ist die Tatsache, dass sofort mehrere Sixpacks mit Wasser ausgepackt wurden und jeder Helfer eine Wasserflasche in der Hand hatte.

Nach einigen äußerst unangenehmen Minuten des Wartens kamen die Feuerwehrleute wieder aus der Wohnung. Ohne Verletzte, denn die Familie war offensichtlich gar nicht zu Hause.

Die Schläuche wurden wieder eingerollt, es wurden Protokolle geschrieben, ein Feuerwehrmann hat fast noch seine Jacke auf unserer Mülltonne liegenlassen und nach und nach sind alle wieder abgefahren. Die Polizei blieb bis zum Schluß und unterhielt sich mit den anderen Mietern des Hauses.

Spannend, oder?

Und was war nun wirklich los? Der Rauchmelder der Dachwohnung hat wohl aufgrund von Überhitzung "angeschlagen" und gepiept. Da das Piepen nicht mehr aufgehört hat, sind andere Mieter des Hauses aufmerksam geworden. Auf Klingeln und Klopfen wurde nicht reagiert. Da sich in der Dachwohnung nichts geregt hat und man ja nicht wußte, ob evtl. schon jemand bewußtlos drinnen liegt, wurde die Feuerwehr alarmiert.

Dass diese dann gleich mit ganz großem Aufgebot anrückt, hat mich zwar doch etwas gewundert, aber besser ist es so.

Obwohl (Gott sei Dank) nichts passiert war, waren die Anwohner hier auch noch lange später ziemlich aufgewühlt. Ich finde es gut, dass es offensichtlich doch noch Menschen gibt, die auf ihre Umgebung achten. Die Hilfe geholt haben. Es wäre nicht auszudenken gewesen, was alles hätte passiert sein können...

Dieses Ereignis hat mich nachdenklich gemacht. Ich  habe großen Respekt vor der Arbeit von Feuerwehrleuten, Sanitätern und Polizisten, die zu jeder Tages- und Nachtzeit parat sind und professionelle Hilfe bieten. Diese jungen Leute, die gestern vermutlich direkt vom See, aus dem Freibad oder sonstwoher im kürzester Zeit in Ihre Schutzanzüge gesprungen sind, um zu helfen. Die nicht wußten, was auf sie zukommt. Die ohne zu Murren schnell da waren. Ihr seid toll!!!

Ich überweise in Zukunft noch überzeugter meinen freiwilligen Spendenbeitrag an die freiwillige Feuerwehr, um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Denn die ist mit Geld und Gold nicht aufzuwiegen! Wir haben sehr viel Glück, in einem Land wie diesem zu leben. Das sollte man sich viel viel öfters vor Augen führen!








Kommentare:

  1. Hallo Eva,
    Na,da war etwas los bei euch.Zum Glück,ist nichts passiert.Ich finde auch die Arbeit der freiwiligen Feuerwehr echt bewundernstwert.Wir haben im nachbarhaus eine Seniorenwohnanlage,da kommen öfter solche Einsätze wie ihr sie gestern erlebt habt,leider nicht immer mit glimpflichem Ausgang und auch nicht so schnell.Ich kann mich an letztes Jahr erinner,da ist eine alte Dame gestürzt und hat sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen.Ich hatte das ganze von meinem Balkon aus beobachtet und bin sofort nach unten und habe vesucht zu helfen.Zum Glück kam ein Spaziergänger vorbei,der Arzt war und per Handy die Rettung informiert hat.Es hat 1!!!!! Stunde gedauert,bis die vor Ort war.Der Arzt hat erste Hilfe geleistet und auch der Hausmeister war sehr hilfsbereit,hat Angehörige der alten Dame verständigt,die dann auch eintrafen.ich mag mir garnicht vorstellen,wenn außer der Platzwunde vielleicht etwas mit dem Herzen gewesen wäre.ja,es ist immer gut wenn wir auf unsere Mitmenschen ein Auge haben.
    LG Pippi

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    1. Das sehe ich auch so. Wenn man neben einen "Brennpunkt" wohnt, kommt sowas leider öfters vor . Meine Schwester hat jahrelang neben einer Altersresidenz gewohnt. Da war fast täglich der Notarzt vor Ort (allerdings nicht die Feuerwehr). Meine Schwester ist mit einem Mediziner verheiratet und der musste dann oft die Totenscheine unterschreiben. Furchtbar, aber notwendig. Dieser Mann ist eine Seele von Mensch, seltenst aus der Ruhe zu bringen. Wir waren schon an Heilig Abend beisammen, er mit dem Notruf-Piepser ausgestattet. Nach geschätzt drei Gabeln Weihnachtsessen kam der erste Einsatz. Und zack - weg war er... Und - fast unglaublich - kam er nach ca. 2 Stunden wieder, hat sich über das aufgewärmte Essen gefreut und genau vor diesen zwei Stunden angeknüpft... Mit stoischer Gelassenheit einfach weitermachen - für mich fast unvorstellbar. Aber er kann's und macht es auch. Und er erzählt auch nichts von seinen "Einsätzen". Er knüpft einfach an die vorherige Situation an. Solche Mensche beeindrucken mich zutiefst. Gut, dass es sie gibt.
      LG Eva

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  2. Hallo Eva,
    da war ja richtig was los. Ich war übers Wochenende in Hamburg und als wir am späten Nachmittag aus dem Haus gingen, stand ein Feuerwehrauto vor dem Nachbarhaus, eine Drehleiter fuhr in die Straße und an der Kreuzung stand noch ein weiteres Feuerwehrfahrzeug. Wir waren auch etwas verwundert weil es nirgends gequalmt hat, aber vielleicht ist dort ja etwas ähnliches passiert, schließlich waren in Hamburg am Samstag fast 40 Grad im Schatten.
    Liebe Grüße
    Alke

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    1. Sowas liegt zumindest nahe. Bei dieser Mörder Hitze dreht bestimmt so manches technisches Gerät durch. Besser, als Personenschaden. Aber mich hat dieser Einsatz wirklich zum Nachdenken gebracht, so ganz innen irgendwie. Wir sind es in Deutschland zwar gewohnt, dass es Notrufnummern gibt und wir auf Hilfe hoffen können, aber es stehen Menschen wie du und ich dahinter. Menschen, die ihr Dasein mit Sinn füllen möchten, die helfen möchten, auch in durchaus unschönen Situationen.
      Ich kann es noch nicht so richtig in Worte fassen, aber das hat irgendwas in mir berührt, bewegt, wie auch immer. Nichts ist selbstverständlich, nur weil wir es seit Lebzeiten so gewohnt sind. Als ich diesen Mann im Feuerschutzanzug mit Atemmaske auf der Drehleiter gesehen habe, bei mehr als 30 ° C im Schatten, habe ich mir schon überlegt, ob ich in einer ähnlichen Streßsituation nicht gemeckert hätte. Natürlich hätte ich....
      Heute hat es hier ein ganz kleines bißchen abgekühlt, nicht wirklich viel...

      Ich glaube, ich bin eher der nordische Typ...

      LG Eva

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  3. Liebe Eva,

    ich schreibe hier, weil du wohl alte Kommentare nicht mehr liest.
    Im vorhergehenden Post ist noch eine 7 in 4 umzuändern.
    Es ist sekundär, aber ich habe auch alles gern korrekt.

    Dein jetziger Post war sehr interessant.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  4. Ich habe es geändert, danke :-) .

    Liebe Grüße zurück
    Eva

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