Montag, 30. März 2015

Von aktualisierten Bewerbungsunterlagen und aufgeblasenen Dozenten

Ich war heute bei einer "Maßnahme". Was ist das für ein depperter Ausdruck, bitteschön? Genauer gesagt, handelt es sich um eine Art Schulung, bei der ich lerne, wie man sich heutzutage bewirbt. Nicht falsch verstehen, ich bin durchaus in der Lage, einen Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben hinzulegen, aber eben so, wie ich es - irgendwann in grauer Vorzeit - einmal gelernt habe. Da ich mich durchaus mit dem Gedanken trage, mich nochmal beruflich zu verändern, durfte ich heute an dieser  "Aktualisierungs-Maßnahme" teilnehmen.

Insgesamt war auch alles wunderbar, ich hatte sehr nette "Coaches", die meine Unterlagen auf den absolut neuesten Stand gebracht haben, was Form und Anforderungen von heute betrifft. Ich würde nämlich gerne wieder zurück zu einer Büro-Tätigkeit. Ohne Samstags-Arbeit, ohne Öffnungszeiten von 9.00 - bis 20.00 Uhr, ohne vierstündiges Stehen am Stück. Alles hat seine Zeit, sagt man ja so schön, und für die letzten Jahre war dieser Teilzeit-Job auch sicherlich gut für mich und meine Familie. Aber jetzt ist Zeit für etwas Neues.

Da beide Mädels ab April studieren werden (ja, die Große hat auch einen Studienplatz für Zahnmedizin bekommen und freut sich sehr) - halte ich die Zeit jetzt für gekommen, mich nochmal nach etwas "Richtigem" umzusehen. Ich kann es ja versuchen, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich bin zeitlich absolut flexibel einsetzbar  - warum also nicht? Aber ich schweife ab.

Wie ich es schon so oft auf früheren Seminaren oder Weiterbildungen erlebt habe, ein Selbstdarsteller ist leider immer dabei. Heute war es einer der "Dozenten". Er erwähnte mehrmals sein Alter (57) und die Tatsache, dass er ja schon drei verschiedene Berufe erlernt habe. Er stellte das als positiv heraus, auch wenn es überhaupt nicht zum Thema gehörte. (Ich habe dagegen habe mich gefragt, warum er das als so positiv ansieht, man könnte ja auch das Gegenteil darin sehen) Aber egal, die Anzahl der erlernten Berufe allein sagt ja noch gar nichts aus.

Aber auch die äußere Erscheinung des Herrn war durchaus gewöhnungsbedürftig. Der Mann war sehr schlank und eher unauffällig, was sein Aussehen betraf. Er kam in schwarzen Cowboy-Stiefeln und Jeans daher, oben dunkelblauer Pulli mit weissem Hemd darunter. Schwarze Cowboy-Stiefel? Teenager-Spätlese? Was er in seiner Freizeit trägt, ist ja seine Sache, aber als Schulungs-Leiter? Er dagegen fand sich ganz toll und wurde nicht müde, das auch immer wieder zu betonen. Gääähn.

Er hat zwar auch durchaus nützliche Informationen gegeben, aber immer durchsetzt mit Informationen zu sich selbst und seinem Werdegang. Wen zur Hölle interessiert das? Stellt euch einmal vor, euer - was weiß ich - Englisch-Lehrer von früher - hätte dauernd erzählt, wie toll er doch im Sport war und dass er nur knapp eine Tennis-Star Karriere verpaßt hat? Wen hätte das interessiert?

Außerdem hat der gute Mann alle zwei Sätze : Ok?? gefragt. Oder öfters. Es war so in der Art: "Ich habe drei Berufe gelernt. Ok?? Sie wissen auf was ich hinaus will, ok? Sie verstehen, was ich meine, ok?" Mir klingeln jetzt noch die Ohren. Ok.

Alles in allem war die Schulung interessant (es gab auch noch andere Menschen, die erklärt und beraten haben). Und ich bin jetzt aktuell, was meine Unterlagen angeht. Wenn ich eine passende Stelle sehe, kann ich mich direkt bewerben, ohne befürchten zu müssen, nicht zeitgemäße Unterlagen zu haben. Also war für mich die ganze Sache schlichtweg positiv.

Trotzdem gibt es mir zu denken, dass - egal in welcher Branche, egal in welcher Altersstufe - es immer mindestens einen "Heuler" gibt, der so drauf ist, wie der oben beschriebene Herr. Ich weiss nicht, wie solche Leute auf andere wirken, aber ich kriege da wirklich die Krise.

Bin ich zu empfindlich? Wie geht ihr mit solchen Leuten um? Einfach ignorieren, aussitzen oder dagegen argumentieren?

Das musste ich jetzt einfach loswerden. Jetzt geht es mir besser.    :-)  Ok!!

Kommentare:

  1. Du wirst den Typen vermutlich nie wieder sehen, also Augen zu und durch. Empfanden die anderen Teilnehmer das genau so?
    LG Sabine

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    1. Ich werde ihn verrmutlich nie mehr wiedersehen. Wie die anderen Teilnehmer ihn empfunden haben, weiss ich nicht. Es ist nur so, dass es diesen Typen Mensch immer wieder gibt und ich es schwer finde, mit so jemandem neutral umzugehen. Das ist aber mein Problem, nicht seins. Morgen gibt es Teil 2 dieser Schulung. Bin schon mal gespannt.
      LG Eva

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  2. Ich kann Dich gut verstehen, dass Du nochmal was Neues willst. Ich drücke die Daumen, dass es schnell klappt.

    Und zu dem Dozenten. Manche Menschen sind einfach Selbstdarsteller. Wenn man Seminare gibt, eigentlich gut, aber zuviel darfs dann halt auch nicht sein ;)

    LG

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    1. Ich werde sehen, ob das was wird. Allzu gute Prognosen kriegt man auf solchen ja Veranstaltungen nicht. Ich glaube manchmal wirklich, dass es lieber gesehen werden würde, wenn Frauen daheim am Herd bleiben würden. Vor fünf Jahren hat mir das mein damaliger Arbeits-Berater das tatsächlich mal so gesagt. Ab einem gewissen Alter sei das doch sowieso viel entspannter. Nun ja...
      LG

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  3. Ja, mit solchen "Maßnahmen" habe ich auch schon so meine Erfahrungen gemacht. Sobald man arbeitslos ist, schicken die vom Arbeitsamt einen ja mit Vorliebe dorthin. Ich musste ungelogen mal auf einen "Hartz-4-Lehrgang" mit einer Dauer von 2 Wochen - nur weil ich wegen eigener Kündigung 3-Monate-Sperre fürs ALG 1 hatte, aber das nur nebenbei.
    Am ersten Tag dann die Begrüßung durch den Lehrgangsleiter und eine kurze Übersicht, was wir in den zwei Wochen so machen. 1. Bewerbungsunterlagen aktualisieren 2. Hartz-IV- Antrag ausfüllen.
    Nur nicht nach weiteren Lehrgangsthemen fragen, die gab es nämlich nicht und auf meine Frage, was wir denn die restlichen anderthalb Wochen machen, sah mich der Oberhäuptling dort ganz entsetzt an und antwortete ernsthaft mit "Das dauert zwei Wochen."
    *Kopfschüttel*
    Also, bei solchen Maßnahmen samt dem merkwürdigen Personal was da oft rumläuft, einfach nur Augen zu und durch :)
    LG Nina

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    1. Ach herrjeh, ich war zum Glück nur zwei Tage auf Bewerbungs-Unterlagen-Aktualisierung. Das hätte man aber auch locker in der halben Zeit machen können. Oberhäuptling ist gut, hihi...
      Lg Eva

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  4. Oh je, solche "Maßnahmen" sind die Hölle - und es scheint keine Besserung in Sicht. Ich hatte vor ca. 12 Jahren letztmals Kontakt mit dem (damals noch) Arbeitsamt und es war eine Katastrophe. Kein Interesse an der Qualifikation der Teilnehmer, die weder vom Berufsbild noch vom IQ ansatzweise zusammen passten... die schlimmste Woche meines Lebens! :-(

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