Montag, 17. November 2014

Abi vor 30 Jahren - Klassentreffen und Schwester/ Family Besuch

Nach einem interessanten, anstrengendem und emotional aufwühlendem Wochenende habe ich meinen ersten Wochenarbeitstag hinter mich gebracht und jetzt Feierabend. Es ist schon stockduster, und ich bin  müde, aber mental hellwach.

Mein Mann war die ganze letzte Woche auf Geschäftsreise und kam erst am Freitag Abend spät zurück.Ich hatte also letzte Woche viel Zeit, mir Gedanken über die Zukunft und auch über die Vergangenheit zu machen. Ich habe mich auf mich besonnen, war arbeiten, sporteln und habe den Haushalt gemacht. Ich habe den Kondensator meines Trockners gereinigt, den Staubsauger frisch gemacht, die Betten neu bezogen, das Bad mal richtig intensiv geputzt, die Natur beobachtet und Hörbücher gehört. Nach dieser Woche bin ich zu dem Schluß gekommen, daß alles gut ist, so wie es ist. Nicht unbedingt optimal, aber gut. Es geht mir/uns einfach nur gut.

Die gleiche Erfahrung hat mein Mann gemacht.

Er war am Samstag auf seinem 30-Jahre-Abi-Klassentreffen. Er ist nach der langen Messe-Woche am Samstag um halb sieben morgens hier losgefahren und war nachts um viertel nach drei wieder hier. Was eine Anstrengung! Aber lohnend!

Wir leben ja nicht mehr in der Kleinstadt unseres Schullebens, kommen nur noch sehr selten dahin. Einige wenige Schulkameraden leben noch dort, die meisten inzwischen aber woanders. In der kleinen Stadt gab und gibt es immer noch zwei Gymnasien: Ein staatliches gemischtes, auf dem mein Mann Abi gemacht hat und ein privates katholisches Mädchengymnasium, von dem ich komme. Noch vor zehn Jahren hatten wir sporadische Kontakte zu den Ex-Schulkameraden, mittlerweile ist es doch sehr wenig geworden. Bei meinem Mann arbeitet witzigerweise ein Jahrgänger in der gleichen Firma, ansonsten haben wir höchstens noch Facebook Kontakt zu den damaligen Schulkameraden.

Jedenfalls haben sich die Jahrgänger meines Mannes in unserem Geburtsort getroffen (die Veranstaltung war übrigens ohne Begleitung, sonst hätte die Personenzahl den Rahmen gesprengt). Trotzdem kenne ich die allermeisten natürlich noch von früher. Es war sowas von mega interessant, was aus den Leutchen von damals geworden ist. Vier Zahnärzte, 'zig Juristen, eine Handvoll Naturwissenschaftler. Viele leben in Berlin, zwei in New York, drei oder vier  noch im Schulstädtchen. Einige Mädels sind Lehrerinnen geworden,  Dolmetscherinnen und eine ist französische Ehefrau . Mädels gab es in diesem Jahrgang sowieso weniger, denn die meisten Mädchen waren ja bei uns (auf dem Mädelsgymnasium). Auch das war Thema. Wie man sich manchmal unerkannterweise an Fasching ins feindliche Gebiet gewagt hat und sich in die Mädchenschule getraut hat. Wie blöd es dann war, wenn man bei dieser Aktion den Autoschlüssel verloren hat... :-)

Und dann war natürlich das Aussehen interessant. Zwei Jungs sind wohl extremst außer Form geraten, nicht nur so ein bißchen. Die meisten haben ein paar Pfunde zuviel, aber es bleibt im Rahmen. Manche Männer haben nur noch sehr wenig Haupthaar.... Die paar Mädels aus diesem Jahrgang sind alle noch gut in "Schuß".

Und: Fast alle sind zum zweiten oder dritten Mal verheiratet. Es gibt noch genau vier "Original" Pärchen, zu denen gehören mein Mann und ich.

Das war ein Ausflug in die Vergangenheit. Klar, waren "wir" Mädels vom "Weiberaquarium" am Partyleben des Kleinstädtchens interessiert und beteiligt und haben die männlichen "Kandidaten" gut im Blick gehabt. Gott, ist das lange her.... Wenn man das heute so sieht, kommen soviele Erinnerungen hoch... Was waren das für schöne Zeiten. 30 Jahre her.... Aber auch heute, ich bin mit meinem "Lieblings-Mann" verheiratet, mit allen Höhen und Tiefen eines Lebens, aber eben total echt und authentisch. Wir haben zwei tolle Töchter (einige Verbindungen von unseren Schulkameraden sind leider kinderlos geblieben). Und drei der Schulkameraden von früher leben nicht mehr.... Ein Krebstod, ein Autounfall, ein Selbstmord.... (für mich völlig unverständlich, das war so ein lieber und intelligenter Kerl....)

Was sagt mir das alles? Ich bin tief berührt (habe ja auch Fotos gesehen) und bin sehr dankbar für alles, was mein Mann und ich so erlebt haben. Wie gesagt, es war nicht alles optimal, aber eben auch nicht schlecht. Wir hatten kein soziales Netz um uns herum, sondern waren auf uns allein gestellt, aber genau das hat uns auch stark gemacht.Wir stehen jetzt im zweiten Drittel unseres Lebens. Mit Glück vielleicht noch ein bißchen davor. Da geht definitiv noch was.... Ich bin dankbar!! Und glücklich, dass mit meinen Kindern alles so gut gegangen ist. Beide Mädels sind gesund und stehen am Beginn ihres Lebens. Wie schön! Ich freue mich. All meine Energie und Kraft, die ich in die beiden gesteckt habe, um sie zu beschützen, stark zu machen, ihnen jeglich mögliche Bildung zuteil werden zu lassen,  all das hat sich gelohnt Ganz egal, was die beiden daraus machen. Ich bin stolz auf meine Mädels! Sie waren bis jetzt meine Lebensaufgabe.

Jetzt, nach sovielen Jahen -  bin ich (wieder) dran bzw. mein Mann und ich sind wieder dran.

Als ob das alles nicht gereicht hätte, haben wir am Sonntag meine Schwester und ihre Familie besucht. Sie lebt ca. 300 km entfernt. Deren große Tochter ist 12 Jahre alt und kommt jetzt in die Pubertät. Die kleinen Zwillinge sind gerade 4 Jahre alt geworden und genauso anstrengend wie süß. Ich habe den Nachmittag sehr genossen. Diese kleinen Menschchen, die so auf unseren Schutz angewiesen sind, die liebe ich einfach sehr. Aber gleichzeitig sind sie unglaublich anstrengend. Auch das "Pubertier" ist süß, aber nicht unkompliziert. All das habe ich mit meiner Familie nun schon lange hinter mir. Ich habe sozusagen "die Flucht nach vorne" angetreten. Mich gekümmert. Habe meinen Teil dazu beigetragen. zwei gesunde Persönlichkeiten großzuziehen. Schön war's, anstrengend war's, aber jetzt, jetzt sind wie zwei "Alten" dran.

Und ich freue mich drauf!!!

Das Wochenende war ein Feuerwerk von Erinnerungen, Emotionen, Gedanken und von tiefer Dankbarbeit für alles, trotz aller Schwierigkeiten.

Ich entdecke gerade das Gute!

"Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick." 
- Dostojewski -

Kommentare:

  1. Hallo Eva
    Ich freue mich mit dir!
    Genau soeben hast du gesehen wie gut es dir geht. Es gibt so viele andere Sorgen und Probleme.Toll bist du nun auf der Sonnenseite angekommen.
    Liebe Herzens Grüsse von Bea

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  2. Liebe Eva,

    dein schöner Post hat mich erfreut.
    Hat deine Schwester Jungen als
    Zwillinge?
    Sind sie eineiig?
    Als Hobby mache ich Zwillingsstudien.

    Einen guten Abend wünscht dir
    Elisabeth

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  3. Hallo Elisabeth,
    nein, sie sind zweieiig, ein Mädchen (Isabel) und ein Junge (Laurin). Schön, dass du wieder mal von dir hören läßt.
    LG Eva

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  4. Liebe Eva,

    dein Blog ist interessant, und
    ich lese immer bei dir.
    Meistens kann ich zustimmen, und
    deshalb kommentiere ich nicht oft.

    Ist Isabel zuerst gekommen?
    Ging die Geburt gut?

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  5. Hallo Elisabeth,

    es war ein Kaiserschnitt (wie oft bei Zwillingen). Ich muss erst nochmal nachfragen, welches Kind zuerst das Licht der Welt erblickt hat, ich bin mir nicht ganz sicher.
    Das Mädchen ist deutlich kleiner und zarter vom Körperbau her, aber sie ist quirliger und aufgeweckter als ihr Bruder. Er ist eher "der Gemütliche".
    LG Eva
    LG Eva

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  6. Liebe Eva,

    in deinem Blog habe ich gestöbert und Bilder von den Kindern entdeckt.
    Es ergibt sich automatisch, dass
    man bei Zwillingen Vergleiche zieht.
    Und es ist gut, wenn es ein
    Mädchen und ein Junge ist.
    Dann ergeben sich die Unterschiede von selbst, und
    keiner steht im Schatten des anderen.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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Über nette Kommentare freue ich mich: