Dienstag, 14. Oktober 2014

Der erste Tag vom Rest meines Lebens als Mutter von ausgezogenen Töchtern

Ich bin momentan eigentlich nicht in der Gemütsverfassung, in der ich einen Post schreiben sollte. Ich will aber trotzdem. Heute ist meine jüngste Tochter "umgesiedelt" ins Studentenwohnheim und hat sozusagen das Nest verlassen. Seit Tagen waren wir am Überlegen, Planen, Einkaufen. Was braucht sie unbedingt, was wäre schön, was ist erstmal nicht so wichtig.

Heute früh war es dann so weit. Gepackte Taschen, herumliegende Kleidungsstücke, Schulsachen, Bücher und vor allem eine Mutter (ich), die sich wirklich vorgenommen hatte, "tapfer" zu sein. Ich wollte auf keinen Fall falsche Signale setzen und damit Verunsicherung ausstrahlen. Aber auf dem Weg zum Bäcker fingen meine Tränen an zu laufen und ich konnte sie einfach nicht abstellen. Wieder daheim habe ich meine Tochter heulend mit der Brötchentüte in den Arm genommen.

Zum Allgemeinverständnis: Mein Mann hat sich für heute Urlaub genommen. Meine Tochter und ich haben soweit alles zusammengestellt, was "mit" muss, wir haben auch schon einen Teil ins Zimmer transportiert. Nur die etwas sperrigeren Sachen und natürlich die Klamotten waren noch da. Nun hatte ich heute früh zum einen einen Arzttermin und ich musste ab 13.00 Uhr arbeiten (hatte letzte Woche erst Urlaub, darum ging das nicht anders). Das heißt, ich habe meine Jüngste in die Hände ihres Vaters gegeben, der sie dann endgültig "umgezogen" hat. Das war jetzt nicht das Problem, denn es muss ja nicht die ganze Familie anrücken, um die letzten Dinge ins neue Wohnheimzimmer zu  bringen. Und wenn ich da heulend rumgestanden wäre, hätte das vermutlich auch nicht den besten Eindruck gemacht. So habe ich mich um halb zehn heute früh verabschiedet und hatte den ganzen Tag Zeit, um meine Fassung wiederzufinden.

Ich würde mal behaupten, so halberlei ist das auch gelungen. Ich war abgelenkt von der Arbeit und bekam auch SMS-Fotos vom neuen Zimmer, als es vollständig war. Ganz hübsch geworden, wirklich.

Aber die allgemeinen Zustände im Wohnheim sind nicht berauschend. Von den zwei Etagen-Duschen funktioniert momentan nur eine (für acht Personen). Die beiden Toiletten haben wackelige Klobrillen und der Abfluss ist dunkelbraun bewachsen. Da hätte jeder Biologie-Student seine Freude dran. Außerdem haben wir die vorgesehene Matratze ausgetauscht (zum Glück) und es kamen zwei Ohrenkneifer und ein grosser  dunkelbrauner Fleck auf der Unterseite zum Vorschein. Ganz normales Zimmer, Studentenwohnheim Mainz 2014....

Nach meiner Arbeit habe ich kurz mit meinem Mädel telefoniert, und sie fühlt sich momentan (wie man ja vermuten kann) nicht besonders toll. Sie kennt noch niemanden, sitzt jetzt in ihren paar Quadratmetern und muss nachher die eine funktionierende  (tolle) Dusche benutzen. Das kriegt sie hin, da bin ich sicher.

Aber ich war nicht auf diesen Trennungsschmerz vorbereitet. Nennt mich sentimental oder blöd oder was weiss ich, aber das haut mich gerade echt aus der Spur. Ich habe für dieses Mädchen 18 1/2 Jahre lang Verantwortung getragen und für ihr Wohl gesorgt und nun kann ich das von hier nicht mehr. Ich fühle mich so hilflos und alleingelassen und gleichzeitig weiss ich, dass das Blödsinn ist. Denn natürlich bleibt sie mein Kind und natürlich kommt sie wieder nach Hause. Und sie wird sich auch mit diesen fürchterlichen Hygienbedingungen zurechtfinden.

Wir brauchen beide Zeit. Sie, um die ganzen Menschen kennenzulernen. Ich, um mich wieder daran zu erinnern, dass ich auch schon vor der Geburt meiner beiden Mädels gelebt habe. Und dass beide auch ohne mich lebensfähig sind.

Heute morgen habe ich meine Jüngste in den Arm genommen und gesagt: "Ich hoffe, ich habe dir alles Überlebensnotwendige beigebracht. Du weisst, dass du niemals mit elektrischen Geräten in die Nähe von Wasser gehen darfst und auf keinen Fall in der Badewanne föhnen!". Die Antwort: "Wenn das deine einzige Angst ist, dann kann ich dich beruhigen....".    :-)

Hätte mich jemand gefragt, wie ich mir diesen Tag des Auszuges der Jüngsten vorstelle, hätte ich vermutlich geantwortet, "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Momentan weinen beide Augen.

Kommentare:

  1. Ach, Eva, Du ahnst gar nicht, wie sehr ich Dich verstehe!! Mir geht's mit meinen Beiden ganz genau so und auch meine Gemütsverfassung ist Deiner sehr nah - die Tränen kommen auch wenn ich's nicht will und ich mache mir um alles und jedes Sorgen. Und gleichzeitig sag ich mir all die Dinge, die Du Dir auch sagst.
    Kenn' ich, kenn' ich, kenn' ich. Kann man trotzdem nix gegen machen. Aber ich denke, mit der Zeit werden wir uns daran gewöhnen. Bleibt uns ja auch nix anderes übrig. Und wollen wir erwachsene Kinder, die bei uns zu Hause sitzen, an unseren Rockzipfeln hängen und sich nichts trauen im Leben. Nee, die wollen wir auf gar keinen Fall, stimmt's?! Also! Siehste!
    Eva, wir schaffen das!
    Liebe Grüße
    Gunda

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  2. Liebe Eva,
    Du bist Ruhelos und traurig, ich verstehe dich und fühle mit dir.Deine Tochter ist erwachsen und selbständig geworden, du hast ihr all deine Liebe mit gegeben so ist es nun Zeit sie ziehen zu lassen.Du wirst sehen deine Tochter kommt immer wieder gerne heim und es gibt immer sehr viel zu besprechen zu lachen du wirst sehen das deine Tochter selbständig ist. Du hast nun Zeit etwas für dich zu tun.Vielleicht geht es deinem Mann gleich und ihr könnt zusammen wieder neue Hobbies finden.Ich wünsche dir viel Kraft loszulassen und dich nicht zu vergessen! Sei lieb gegrüsst von Bea

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  3. Du Liebe, lass dich mal drücken!
    Ich bin eine "Jungsmama". Mein Ältester ist vor einem Jahr endgültig ausgezogen, nachdem sein erstes Studium beendet war. Er ist jetzt 26. Der "Kleine" wohnt noch zuhause (24 Jahre alt). Deine Tochter ist natürlich mit 18 Jahren früh dran. Da fällt es richtig schwer. Jungs sind wohl etwas anhänglicher. Ich schätze mal, nächstes Jahr ist der Jüngste soweit. Und dann ist es auch gut so.
    LG Sabine

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  4. Liebe Eva,
    Loslassen ist nicht einfach, aber die Kinder verlassen nun mal das Nest, der ganz normale Lauf. Ich kann Dir Deinen Trennungsschmerz zwar nachempfinden, aber es lässt nach,
    Man traut den Kinderchen vieles nicht zu... sie sind aber erwachsener als man meint. Als mein Sohn 2008 mit 19 Jahren ins 50km entfernte Bonn zog, fühlte ich mich einsam und allein, das legte sich aber schnell. Das Töchterchen ist jetzt 22 und will nächstes Jahr nach Köln ziehen,,, und ich? Bleibe hier alleine mit zwei Häusern ( meine Mutter) auf 2000 qm... Du hast ja noch Deinen Ehemann und vielleicht tut es ja Eurer Beziehung gut und ihr konzentriert euch wieder mehr auf euch ( anstelle von Beglucken und Bemuttern).
    Liebe Eva, das wünsche ich Dir und jetzt erstmal, die Gefühle raus... und dann neue durchstarten.
    Liebe Grüße
    Marita

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  5. Ich kann natürlich noch nicht mitreden, weil ich noch nie diese Situation erlebt habe. Aber ich denke schon, dass sich nicht nur das Kind abnabeln muss, sondern auch die Eltern. Und wahrscheinlich fällt es dem Kind erst mal leichter, weil es ja endlich erwachsen ist und einfach nur noch raus will.

    LG

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