Samstag, 20. September 2014

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Jaja, ich weiß. Aber ich habe ein absolut erwähnenswertes Erlebnis in dieser Hinsicht. Ich sage nur, Studentenwohnheim. Mein Jüngste hatte das Glück, einen der begehrten Plätze in einem Studentenwohnheim zu bekommen. Mitten auf dem Campus, also strategisch gut gelegen.

Ich möche von vornherein betonen, dass natürlich nicht alle Studentenwohnheim gleich aussehen (hoffe ich zumindest). Und dass ich vermutlich hoffnungslos unrealistisch war, was meine Vorstellung angeht. Ich habe an sowas wie Jugendherberge gedacht. :-)

Bei unserem allerersten Besuch wurden wir von einem wirklich sehr netten Hausmeister begleitet, der uns gleich mit einem Mängelprotokoll ausgestattet hat. Neugierig betraten wir das Wohnheim. Als erstes wurde ich vom Anblick des hellblauen Linoleum- Bodenbelages überrascht. Also, ursprünglich hellblau... Dann gingen wir mehrere Treppen hoch, begleitet von verschiedensten Düften. Im richtigen Flur angekommen, betraten meine Tochter und ich und der nette Hausmeister das gemietete Zimmer. Rechteckig, praktisch, gut. Geschätzte 12 Quadratmeter. Ausgelegt mit hellblauem Linoleum. Ein grosses Fenster mit ....gelben Gardinen, erinnern so ein bißchen an Krankenhaus. Rechts ein laut surrender Kühlschrank ohne Abdeckung, dafür mit verbogener Abschlußleiste. Links ein Waschbecken mit dicken Kalkspuren und einem Plastikschränkchen drüber. Beim ersten Öffnen hatte ich direkt die rechte Tür in der Hand. Desweiteren ein total verkratzter Holzstuhl, ein Schreibtisch, ein Bett mit total verfleckter Matratze und ein Regal plus Schrank im Stil vom Billy Regal, allerdings recht stabil.

Die Wände weiß, verputzt, keine Tapete, nicht mal Rauhfaser, nur die nackte Wand. Aber dafür mit reichlich Flecken. Unser Mängelprotokoll wurde lang und länger. Schien den Hausmeister aber nicht weiter zu überraschen, er nahm das Protokoll und ging. Zwei Wochen später, also gestern, kamen wir wieder, ausgerüstet mit Staubsauger, Putzzeug und schon ein paar ersten Geschirrteilen. Das einzige, was repariert war, ist der Spiegelschrank über dem Waschbecken. Der war offensichtlich ausgetauscht. Sonst hat sich nichts geändert.

Wir haben das Zimmerchen geputzt. Alles von oben bis unten abgewaschen. Gesaugt. poliert. Festgestellt, dass der Handtuchhalter auch nur noch an einem Mini-Schräubchen hängt und demnächst abbricht. Aber was soll's, Lehrjahre sind ja schließlich keine Herrenjahre. Ne?!

Die Gemeinschaftsküche, die zwei Toiletten und die Dusche befinden sich auf dem Flur. Und das ist der Punkt, mit dem ich so gar nicht klarkomme. Die Küche steht vor Dreck. Wirklich. Es gibt abschließbare Oberschränkchen, die alle vor Fett kleben. Das bißchen Arbeitsfläche steht voll mit benutztem Geschirr mit reichlich Essensresten und mit abgewaschenem Geschirr, das offensichtlich zum Trocknen aufgestellt wurde. Jeder Zentimeter vollgestellt. Außerdem stehen Aschenbecher in der Küche und unter der Spüle lauter leere Alkoholflaschen.... Yooooh...

Letzte Woche nach der ersten Begehung dieser Küche habe ich abends geheult. Bin meiner Familie auf den Keks gegangen, weil ich diesen Zustand unerträglich fand. Klar, sind junge Leute anders drauf und nicht unbedingt putzsüchtig. Aber das, was ich da gesehen habe, hat mich wirklich erschreckt. Ekelhaft ist noch vorsichtig ausgedrückt. Ich habe mich mit der Vorstellung getröstet, dass ich meiner Tochter ja eigene Töpfe kaufe und sie immerhin einen eigenen Kühlschrank hat. Also könnte sie relativ unabhängig von diesem Dreck ihr Essen zubereiten. Ich habe mich beruhigt, locker gemacht und neu motiviert.

Wird schon. Gestern sind wir, wie gesagt nochmal hingefahren. Bei der zweiten Begehung war es nur noch halb so schlimm, weil ich den Anblick der Küche ja schon kannte. Und weil ich positiv sein wollte und auf keinen Fall irgendwie spießig (auch wenn es mehr als schwer fällt, diesen Hygiene-Zustand zu akzeptieren).

Aber, und jetzt kommt's. Ich musste im Laufe der Putzaktion mal auf Toilette. Das hätte ich wohl besser sein lassen. Die Klobrille hängt nur noch an einer Schraube und total schief auf der Schüssel. Würde man sich draufsetzen, würde man direkt den Abgang machen....

Verpappte Tür, verdreckter Boden. Aber, die Härte: Unter dem Wasserspiegel der Abfluß: Dunkelbraun.... Einzelheiten erspare ich euch. Diese Toilette hat definitiv das letzte Jahr keinen Reiniger gesehen. Da wächst das ganze Rohr zu. Ich war/bin echt entsetzt. Die zweite Toilette sieht genauso aus. Müßte ich da wohnen, hätte ich sofort Darmverschluß. Geht einfach gar nicht!!! Und nu? Ich werde auf jeden Fall eine Ladung DanKlorix spendieren, aber ich kann es nicht verstehen. Das sind junge Leute, ok, aber wir leben doch nicht im Dschungel. Und wo sind die Hausmeister? Angeblich gibt es für die Gemeinschaftsräume Putzfrauen. Waaaaas? Als wir ankamen, saßen zwei blutjunge Mädchen mit einer Schürze der Reinigungsfirma vor der Haustür und haben auf dem Handy rumgetippt.

???

Was soll ich tun? Am Montag den Hausmeister anrufen und auf die Mißstände aufmerksam machen? Hoffen, dass es irgendwo auf dem Campus (in der Bibliothek, in der Mensa oder sonstwo) einigermaßen ertragbare Toiletten gibt? Eine Campingtoilette kaufen?? Boah, ich bin wirklich schockiert.

Das Ganze kostet auch noch über 300 Euro. Da kann man doch ne ordentliche Toilette erwarten? Hat jemand Erfahrung mit solchen Wohnheimen? Sind die alle so ? Oder bin ich schief gewickelt?

Nochmal, ich weiß, dass ein Studentenwohnheim kein Luxushotel ist. Aber sowas - ich schwöre - ist absolut vergleichbar mit einer öffentlichen Stadttoilette.

Oder hat jemand zufällig in Mainz ein schönes 1 Zimmer-Appartement in Campusnähe zu vermieten?? Meine Tochter sieht das übrigens bei weitem nicht so dramatisch wie ich (aber sie hat die Toiletten auch noch nicht gesehen....). Ich möchte sie ja unterstützen und motivieren, aber ein bißchen ein gutes Gefühl würde ich schon gerne haben, sie dort wohnen zu sehen.

Kommentare erwünscht.


Kommentare:

  1. Also ich kenne nur Studentenheime die das Bad/WC IM Zimmer haben und mit max. 2-3 Leuten geteilt wird, für den gleichen Preis und das in Österreich, auch die älteren Heime.

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  2. Hallo Eva

    Ich habe deinen Hilferuf soeben gelesen und möchte nicht einfach weg klicken.
    Als Mutter kann ich dich sehr gut verstehen wie du dich fühlst, deine Tochter in so ein schmudeliges Studentenheim ziehen zu lassen.
    Deine Tochter fängt nun an ihr Leben selber in die Hand zu nehmen und freut sich unter so vielen jungen Menschen zu wohnen.Wenn es für sie sehr schlimmm ist unter solchen Umständen zu wohnen wirst du sehen, dass deine Tochter schnell bei dir Hilfe und Ratschläge suchen wird.
    Mütter sorgen sich nun einmal immer, auch bei mir war es so und ist ab und zu immer einmal wieder so.

    Ich weiss nicht wie andere Studentenheime aussehen.
    Da ich als Hauswirtschafterin arbeite sehe ich aber viele Haushalte die mich ab und zu ekeln,da sind alle Altersgruppen mit dabei.
    Ich denke in so einem Wohnheim ist es anders als zum Beisbiel in einer WG, weil da nämlich jeder seine Ämtli hat.
    Ich hoffe du verstehst was ich dir sagen möchte? Lass deine Tochter ziehen und freue dich wenn sie am Wochenende wieder Heim kommt.
    Einen tipp noch an dich, Regeln braucht es auch zuhause wieder.Du musst einkaufen und da musst du genau wissen wer wann nachhause kommt oder halt eben nicht kommt!
    Ich wünsche dir, liebe Eva die Kraft dies alles zu schaffen und gleichzeitig die Freude wieder mehr für dich zu tun!
    Sei lieb gegrüsst von Bea

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  3. Liebe Bea: Ich bin im Moment wirklich ein bißchen durch den Wind, weil ich mir das alles anders vorgestellt hatte. Ich wünsche mir, wie alle Mütter, nur Gutes für meine Töchter. Vermutlich ist auch so eine Wohnheim-Erfahrung nicht wirklich schlecht, vielleicht bin ich schon zu alt für sowas. Danke für deine lieben Worte, ich kann spüren, dass du mich verstehst. Danke!
    LG Eva

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  4. hallo eva,
    ich kann dich verstehen und es ist auch so. als mein sohn an der ph ludwigsburg studiert hat, hatte er auch studienkollegen, die im anliegenden wohnheim wohnten und über ähnliche zustände berichtet haben.
    es kam mal eine bericht in der ludwigsburger kreizeitung, dürfte aber auch schon eine weile her sein.
    ich denke, dass es die regel ist, dass man immer sauber machen muß.
    der mietpreis an der ph ludwigsburg beträgt übrigens pro semester 1410 euro.
    wie die zustände heute sind keine ahnung, aber ich habe dir mal den link angehängt.

    http://www.ph-ludwigsburg.de/9795+M5c915240500.html

    lg eva

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  5. mit "immer sauber machen muß"
    meine ich richtig dreck putzen.

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  6. und ich glaube in ulm ist es auch
    nicht besser.

    lg eva

    http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Selbstversuch-Drei-Wochen-im-aeltesten-Studentenwohnheim-Ulms;art4329,1078301

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  7. oje, du machst mir Angst!
    In 2 Jahren ist mein Sohn soweit und ich weiß jetzt schon, das ich lieber eine eigene Wohnung für ihn finanziere!
    Ich glaube die "Kinder" sehen das wirklich nicht so eng, schließlich sind sie ja für den Dreck verantwortlich und könnten ihn beseitigen, wenn es störend wäre.
    Könnt ihr die ecklige Matratze nicht durch eine eigene ersetzen?
    lieben Gruß
    Simone

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  8. Au weia! Ich kann dich gut verstehen. Das ist ja richtig gruselig. Aber es wird dir wohl nichts anderes übrig bleiben. Die Zimmer in einer WG sind bestimmt noch teurer. Ich bin froh, dass mein ältester Sohn während seines Studiums zuhause wohnen konnte.

    LG Sabine

    www.blingblingover50.de

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  9. Danke für eure Kommentare! Die Matratze tauschen wir auf jeden Fall aus! Ich werde ja sehen, wie sich das alles entwickelt. Es wohnen ja auch noch ein paar weitere Mädchen dort, die müssen ja auch irgendwie zurechtkommen. Meine Tochter hat bis jetzt noch nicht viele Mitbewohner kennengelernt, weil das Semester noch nicht angefangen hat. Vielleicht ist alles halb so wild, mal sehen. Ich werde berichten :-)
    LG Ea

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  10. Ich wäre wahrscheinlich genauso angewidert, wie Du. Aber Du musst ja nicht einziehen, sondern das Kind. Wenn ich ehrlich bin, wäre ein Wohnheim für mich nicht die erste Wahl und das würde ich auch meinem Kind so sagen. Eher so Richtung WG. Für den Preis müsste das m.E. eigentlich drin sein.

    Aber im Grunde muss dass das Kind entscheiden. Auch wenn es schwer fällt. ;)

    LG

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  11. OMG - mein Sohn sucht auch gerade und wollte am liebsten in ein Wohnheim. Noch hat er jedoch weder eins gesehen noch einen Platz bekommen - nach Deinem Bericht ist mir das auch erstmal ganz recht. Ich hätte mit Sicherheit ähnlich stark reagiert wie Du und finde mich auch gut darin wieder, dass man "beim 2. Mal" schon einiges gelassener sieht. Trotzdem stelle ich mich bei vielen Dingen auch immer sehr an und möchte halt das Beste für die Kinder ...

    Deine Kommentatorin Bea hat aber Recht. Nur fällt mir sowas auch immer erst ein, wenn ich es woanders lese - selbst komme ich nicht wirklich darauf. ;)

    Es ist wahrlich nicht leicht, die Kinder ziehen zu lassen, stimmt's?

    LG
    Gunda

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