Samstag, 31. Mai 2014

18 Jahre später

Heute vor 17 Jahren und 364 Tagen sass ich auf unserem Balkon in unserer kleinen Mietwohnung in der Nähe von Ludwigsburg, hochschwanger und habe den schönen Abend genossen. Eine Amsel saß auf einer Stromleitung und zwitscherte lauthals vor sich hin. Das werde ich nie vergessen. Es war einfach ein schönes Gefühl. Die Ruhe vor dem Sturm, so ein Glücksgefühl, wohlwissend, das "der Wind of Change" nicht mehr weit sein kann.... Ich war in "froher Erwartung" eines kleinen Jungen, jedenfalls nach Aussage des Frauenarztes und hatte mich geistig auf den Buben eingestellt, denn ursprünglich hätte ich mir - wenn ich es mir hätte aussuchen können - ein zweites Mädchen gewünscht. Egal, Hauptsache gesund, so war die Devise.

Zuvor war ich damit beschäftigt, die "Große", damals 3 Jahre alt, ins Bett zu bringen. Das war immer was Größeres und Längeres, und das ist lange so geblieben... Jedenfalls hatte ich ein komisches "Bauchgefühl", noch keine Wehen, aber halt so das Gefühl, das etwas anders ist, als sonst. Wir haben mit meiner Mutter telefoniert, die damals ca. 2. 1/2 Stunden entfernt gewohnt hat und sie hat beschlossen, noch am selben Abend, um diese doch schon spätere Uhrzeit zu uns zu fahren. Eigentlich war der Geburtstermin erst einige Tage später ausgerechnet.

Jedenfalls saßen wir einvernehmlich auf dem Balkon, es war ein schöner lauer Sommerabend und so gegen zehn Uhr traf meine Mutter ein und setzte sich auch zu uns auf den Balkon. Und als ob ich innerlich darauf gewartet hätte, als ob ich jetzt irgendwie loslassen konnte, setzten langsam, aber stetig, die Wehen ein. Wie das so ist, man zählt mit, sagt sich, "hach, das ist es noch nicht", man steht auf, kreist die Hüften usw., jedenfalls wäre ich mit großer Sicherheit noch lange nicht ins Krankenhaus gegangen. Auf Drängen meiner Mutter sind mein Mann und ich dann gegen 1 Uhr nachts doch aufgebrochen, ins Ludwigsburger Krankenhaus, dahin, wo bereits unsere erste Tochter geboren wurde.

Tja, und so gegen 5 Uhr morgens wurde mir ein kerngesundes, kleines Mädchen in die Arme gelegt. Als die Hebamme sagte "Gratuliere, sie haben eine Tochter", dachte ich erst, sie wolle mit mir ein Späßchen machen. Aber nein, es war tatsächlich ein kleines Mädchen, der Frauenarzt hatte sich geiirt. Es gab wohl niemanden, der sich mehr darüber gefreut hat als ich. Vor 18 Jahren war der Ultraschall bei weitem noch nicht so genau und so eindeutig wie heute. Deswegen kam es immer mal wieder zu "falschen" Geschlechtseinschätzungen.

Mein Mann kam dann morgens nach Hause zur ersten Tochter und zur Oma und wurde gefragt, "na, wie geht es denn dem Brüderchen?" und er konnte strahlend verkünden "das Brüderchen ist ein Schwesterchen".

Wir schmunzeln heute noch manchmal über unseren Jungen, der ein Mädchen ist. Das hat doch einige "Problemchen" aufgeworfen, hihi. So hatte meine Schwiegermutter lauter hellblaue Babyaccessoires gekauft, Schnulli, Rassel, Söckchen usw. und wollte die in der Blumenstrauß binden lassen, den sie mir schenken wollte. Musste alles in rosa ausgewechselt werden! Ich hatte zum Glück ein paar neutrale dunkelblaue Baby-Sachen gekauft und konnte die mit den bereits vorhandenen rosa Babyklamotten der ersten Tochter super kombinieren. Und einiges in hellgrün. Drum sind die ersten Babyfotos von unserer Pia immer blau-rosa oder grün-rosa.

Tja, und ab da stand mein Leben ganz im Zeichen des Mutter-Daseins. Zwei kleine Weiber wollten versorgt und großgezogen werden und so schön es war, so anstrengend und kräftezehrend war es auch. In den letzten 21 Jahren (so alt ist die Große) habe ich viele Federn gelassen, auch mein Mann, denn wir waren stets aufeinander angewiesen. Die Restfamilien waren weiter weg, und die anfängliche Neugier auf die Kinder ließ leider stetig nach. Wir mussten noch weiter wegziehen (Richtung Bielefeld) und die familiären Bande zur Restfamilie reduzierten sich auf ein- bis zweimalige Treffen im Jahr. Je älter die Kinder wurden, desto weniger Kontakt hatten wir zu den Großeltern beider Seiten. Unsere jeweils jüngeren Geschwister bekamen ebenfalls Kinder und so rückten wir immer weiter in den Hintergrund. (das sind natürlich nicht die einzigen Gründe, aber eben auch).

So kommt es, dass momentan bei mir unten im Haus eine Handvoll sehr guter Freunde von Pia sitzen die mit ihr heute "reinfeiern" möchten. Nächste Woche sind noch mündliche Abiprüfungen bei uns, deshalb findet die ganz große Party erst nächstes Wochenende statt. Das ist eine schöne Tradition der jungen Leute hier, die besten Freunde kommen und begleiten das Geburtstagskind in die Volljährigkeit.

Und ich? Ich würde so gerne sagen, ich feiere mit, mitten drin, schließlich bin ich maßgeblich drank beteiligt gewesen. Aber ich habe seit 2 Tagen Migräne mit üblem Magen-Darm drumherum und sehe auch so aus. Ich denke, ich werde so gegen 10 Uhr runtergehen und dazustoßen. Mir ging es vor 18 Jahren deutlich besser. Damals hatten wir noch normale Familienbande, heute leider nicht mehr.

Ich sehe das ganze trotzdem irgendwie als neuen Anfang, denn jetzt sind beide Mädels volljährig und ich kann mich vielleicht endlich wieder mehr auf mein eigenes Leben konzentrieren. Ab heute nacht kann ich sagen, guck mal, liebe Welt, wir haben es hingekriegt und zwar gar nicht so schlecht. Mit Hilfe der Familien wäre es so oft so viel leichter gegangen, aber es ging auch so.

Hätte man mir vor 18 Jahren gesagt, du sitzt mal irgendwo in Hessen, ohne Kontakt zu den Großeltern, bissi traurig und doch stolz zugleich, zwei blitzsaubere und blitzgescheite Mädels, aber selbst irgendwie auf der Strecke geblieben, hätte ich es dann anders gemacht? Vielleicht, vielleicht auch nicht....

Jedenfalls möchte ich ab jetzt wirklich wieder mehr für mich und mein Wohlbefinden tun und natürlich auch für das meines Mannes. Wie sagt die Werbungs so schön "wir sind es uns wert".

Und jetzt versuche ich mich, repräsentabel zu machen und unten ein bißchen mitzulachen.

Happy Birthday, Pia !


Kommentare:

  1. liebe eva,
    ich wünsche dir gute besserung und alles liebe.
    vielleicht hilft dir ein kleiner spaziergang nachher in der luft.

    versuchs, wenn es auch nur kurz ist.
    oder in gedanken, ich gehe jetzt gleich laufen und heute nachmittag aufs feld zum erdbeeren holen.
    mit lieben grüßen und alles gute
    auch unbekannterweise an deine tochter.

    lg eva

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  2. Alles Gute an Deine/Eure Kleine.

    Ich hoffe, Du konntest noch ein wenig mitfeiern!

    LG

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