Montag, 9. September 2013

Der Weg

Mein erster Arbeitstag ist heute gut gelaufen. Besser als ich es vielleicht erwartet hätte. Ich wurde gut und höflich empfangen und habe alle nötigen Informationen bekommen, die ich nach so langer Zeit gebraucht habe, um wieder aufs laufende zu kommen. Die Arbeit an sich macht mir ja Freude, ich habe wieder einige Kunden beraten dürfen, eine Frau hat sich besonders für meine freundliche Art bedankt. Also,das war doch immerhin ganz positiv.

Leider gab es gestern familiär gesehen den absoluten Showdown. Eine meiner Tanten ist verstorben und eine andere Tante hat mich kontaktiert, um über mich meine Eltern, bzw. meinen Vater, zu erreichen und somit den Bruder der Verstorbenen. Nun habe ich ja seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, aber in so einer Situation ist das nicht wichtig. Ich habe natürlich bei meinen Eltern "daheim" angerufen, um ihnen zu sagen, dass sie sich mein Vater bei seiner Schwester melden soll. Aber, es war niemand daheim. Ich konnte keinen erreichen. Also, habe ich meine (einzige) Schwester kontaktiert und siehe da, meine Eltern weilten wieder mal bei ihr. Ich wusste wieder mal von nichts.

Jetzt könnte man sagen, ok, die können tun, was sie wollen, sie müssen mir nicht sagen, wo sie sind. Und auch meine einzige Schwester ist zu keiner Auskunft verpflichtet. Aber menschlich gesehen? Ist es so ein Geheimnis, dass meine Eltern mehrmals im Jahr meine Schwester samt Familie besuchen? Weiss ich doch eh. Allerdings hätte es dieses Mal durchaus geholfen, wenn ich direkt gewußt hätte, wo sie sind. Es war mühsam, ihnen nachzutelefonieren. Wenn die meine Nummer sehen, gehen sie sowieso erstmal nicht dran. Und ich war wieder mal sehr verletzt. Meine Schwester und ich hatten erst vor 2 Tage lange telefoniert ,und sie hat es nicht für nötig befunden, mir zu sagen, dass sie schon wieder Besuch von meinen Eltern bekommt.

Zum besseren Verständnis: Mir ist schon einiges sehr Negatives passiert, als ich jung war. Durch meine Eltern. Das sitzt und zieht Kreise bis heute. Im Stich gelassen. Allein gelassen. Und auch noch verlacht. Meine Schwester weiß das und sagt: "Deine Geschichte ist nicht meine Geschichte". Klar nicht. Ist sie doch das Lieblingskind meiner Eltern. Sie hat ein von meinem Vater eigens gezimmertes Bett für ihre Erstgeborene bekommen, ein Prinzessinnenbett mit Krone, ein selbstgebautes Spielhäuschen mit Hohenzollernwappen (wir kommen gebürtig aus Sigmaringen), jeweils ein selbstgemachtes Vogelhaus für jedes der drei Kinder. Als die Erste geboren wurde kam ein grosser und schöner Holzstorch bei meinen Eltern (!!) in den Garten. Der rote Teppich hat gefehlt, sonst war alles da. Sogar die vom Opa selbstgezimmerte Wiege.

Meine große Tochter ist 20, die jüngere 17. Beide haben nie auch nur ansatzweise etwas selbstgemachtes von meinem Vater bekommen. Warum nicht? Zur Geburt mein Ersten bekam ich eine Postkarte von ihm. Hat er mir gegenüber ein schlechtes Gewissen? Könnte er haben, hat er aber nicht. Und meine Mutter? Lassen wir das. Ich bin, was das angeht. endgültig am Boden.

Aber es ist nicht fair. Nicht gerecht und von meiner Seite aus absolut nicht nachzuvollziehen. Ich schwanke zwischen kompletter Resignation und zwischen Trotz. Alles, was meine "Kur" gut gemacht hat, ist passé. Ich war nie auf Angriff gepolt, aber jetzt überlege ich mir ernsthaft, ob ich mal auspacken soll. Mit allem, was dazu gehört. Es hätte Stoff für Bücher.

Also, entweder gibt es demnächst "Eva Reloaded" oder ich lasse das alles. Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren. Warum sind Menschen so egoistisch? Und so falsch?


Ich kann nicht mehr seh'n
Trau nicht mehr meinen Augen
Kann kaum noch glauben
Gefühle haben sich gedreht
Ich bin viel zu träge
Um aufzugeben
Es wär' auch zu früh
Weil immer was geht.

Kommentare:

  1. Ohne Deinen Schmerz jetzt kleinreden zu wollen: Du hast zwei Jahre keinen Kontakt zu Deinen Eltern und erwartest, dass sie Dir sagen, dass sie bei Deiner Schwester sind?! Ähm.. warum?

    Okay, Deine Schwester hätte natürlich was sagen können, als ihr telefoniert habt, aber wahrscheinlich wusste sie, wie Du Dich dann fühlst und wollte nicht noch Öl ins Feuer kippen. Sie kann schließlich nichts dafür, dass sie anscheinend das "Lieblingskind" ist.

    Versuch Dich von Deinen Eltern loszusagen, alleine schon aus Selbstschutz! :* Vielleicht wäre wirklich eine Therapie nicht schlecht. Sicher, den Frust niederzuschreiben kann helfen, aber in dem Fall reicht es sicherlich nicht aus.

    LG

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    1. Warum nicht? Für genau solche Fälle wäre es schon gut, wenn ich wüßte, wer sich wo aufhält. Und weil es keinen Grund gibt, dass meine Eltern mich so ablehnen und meine Schwester so hochhalten. Warum sollten sie es mir nicht sagen? Sie haben zwei Kinder, nicht nur eines. Und das Lieblingskind nimmt alle Privilegien mit vollen Händen, finde ich schon irgendwie krass. Ich könnte das andersherum nicht.
      Das hilft alles nichts. Ich denke immer wieder, ich bin drüber weg und mich kann einfach nichts mehr von dieser Seite verletzen. Und dann, kawumm, kommt wieder was. Das hier ist zwar "relativ harmlos", ärgert mich aber trotzdem. Es gab aber auch schon ganz andere "Klöpse".
      LG Eva

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  2. Du hast geschrieben DU hättest keinen Kontakt, also bin ich davon ausgegangen, dass DU den Kontakt abgebrochen hast. Also warum sollten sie sich dann melden. Du meldest ja auch nicht, wenn Du weg fährst, oder hast Du Dich vor der Kur abgemeldet?! Das soll jetzt keine Kritik sein, bitte nicht falsch verstehen... :*

    LG

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  3. Ich verstehe das nicht falsch, keine Angst. Also, vor 2 Jahren wollte ich mit meiner Mutter telefonieren und von ihr zu einer gewissen Sache eine Erklärung. Sie hat mich einfach an meinen Vater weitergegeben, der mich sehr unfreundlich angepampt hat. Da habe ich aufgelegt. Das war's. Der Kontaktabbruch. Ich dachte ja irgendwo, vielleicht ruft sie am Tag drauf nochmal an und wir klären das ganze. Es kam aber nichts. Sie hätte für ihr Verhalten keine Erklärung gehabt. Jetzt erzählt sie überall, ich böse Tochter hätte ja den Kontakt abgebrochen, sie geht sogar weiter und behauptet "ich hätte den Krieg erklärt". Dabei habe ich nur zu meinem Schutz aufgelegt, weil ich nicht so in dieser Art mit mir reden lasse. Das nehmen meine Eltern zum Anlass, mich seit 2 ganzen Jahren komplett aus ihrem Leben zu lassen, mich zu ignorieren. Das ist kein Verhalten von guten Eltern. Punkt. Nur weil sie in Erklärungsnöte kam, wegen einer Sache, die mal wieder zugunsten meiner Schwester lief. So bescheuert.
    Ja, und bei meiner Kur habe ich mich natürlich nicht persönlich abgemeldet, aber meine Schwester wußte es und sie steht ja in täglichem Kontakt zu den Eltern. Außerdem haben meine beiden Mädels ein Handy und mein Mann war ja auch daheim. Wenn sie gewollt hätten, hätten sie mich locker erreichen können. Sie wollten aber nicht. Stattdessen verhöhnt man mich lieber. Die "verrückte" Eva... Manchmal ist es wirklich zum Verrücktwerden.

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  5. An Deiner Stelle hätte ich auch aufgelegt!

    Wirklich eine verfahrene Situation, Eva. Egal was Du machst, es wird falsch ausgelegt. Ich befürchte Du musst lernen, das nicht zu sehr an Dich rankommen zu lassen. Wenn sie nicht wollen, dann belasse es dabei. Auch aus Selbstschutz. Wohnt ihr wenigstens soweit voneinander weg, dass ihr Euch nicht über den Weg lauft?

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  6. Ja, wir laufen uns nie über den Weg. Es liegen 4 Stunden Autofahrt dazwischen!

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  7. Jetzt habe ich mich endlich mal bei google angemeldet, um auch mal zu kommentieren:)
    Vieles was du schreibst, erkenne ich an mir wieder.
    Und nun das mit den Eltern, auch das kenne ich:(
    Mir hat nur ein absoluter Bruch geholfen und danach war es mir auch egal, ob meine Geschwister Kontakt hatten oder nicht, obwohl ich zu denen sehr guten Kontakt hatte.
    Wir haben nicht über unsere Eltern gesprochen, das wurde komplett ausgeklammert, ich wollte es nicht hören und sie haben es akzeptiert.
    Aber ich denke, das geht nur, wenn du dich wirklich von deinen Eltern "befreit" hast, solange dich so'ne Geschichten noch verletzen, hast du damit noch nicht abgeschlossen!

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    1. Hallo, willkommen in der Google Family! :-)
      Ich habe noch lange nicht abgeschlossen, befürchte ich. Ich weiss auch gar nicht, ob man das 100 %ig kann. Es sind nunmal die Eltern, es ist ja nicht irgendwer. Und sie haben einen geprägt, ob gut oder schlecht. Wie hast du dich denn "befreit"? Ich meine, an Tagen wie Geburtstagen oder Weihnachten denkt man doch zwangsläufig an die Familie. Und bei mir ist es so, dass ich zwei Töchter habe, die sehr wenig von Oma und Opa hatten. Auch das fand und finde ich sehr schade und irgendwie unfair. Was können die Mädels denn für den ganzen Kram? Warum können nicht wenigstens die von Herzen liebgehabt werden? Ich glaube, am meisten stört mich diese Ungerechtigkeit. Wenn ich was verbrochen hätte oder Schaden zugefügt hätte oder belogen oder betrogen hätte, könnte ich es ja nachvollziehen. Hab ich aber nicht. Ich bin die Leidtragende, schon immer gewesen, nicht andersherum. Und trotzdem trampeln sie auf mir und meinen Gefühlen rum und lassen nichts aus, um mir zu zeigen, wie wenig sie mich schätzen. Ich schwanke immer so ein bißchen zwischen Trotz und Hoffnungslosigkeit, zwischen Wut und absoluter Traurigkeit. Da sind noch viel zu viele Emotionen, um endlich Ruhe zu kriegen.
      LG Eva

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    2. Klar haben die Eltern einen groß gezogen, aber man kann sich die Eltern leider nicht aussuchen.
      Ich wurde jahrelang meinen Brüdern hinten angestellt, ich war immer das schwarze Schaaf, warum weiß ich bis heute nicht. Aber nur weil es die Eltern sind, kann man sich nicht alles gefallen lassen.
      Ich denke manchmal, meine haben einfach den Zeitpunkt verpasst, mich als erwachsenen Menschen anzusehen. Als ich nämlich passende Antworten gab, wenn sie mich mal wieder runtergeputzt hatten, da wurde dann der Telefonhörer einfach aufgelegt.
      Und seitdem der Kontakt beendet ist, geht es mir besser denn je:)
      Für meine Kinder tut es mir sehr leid, aber das ist nicht zu ändern und so'ne Großeltern braucht kein Mensch!

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    3. ach so, ja klar denkt man an Weihnachten vielleicht mal an die Eltern, aber eher mit einem Gefühl der Freude, das man sich das nicht mehr antun muss:)
      Ich bin da auch kein bisschen neidisch auf meine Brüder, im Gegenteil, wenn die sich super verstehen, dann sollen sie sich täglich treffen, das ist mir völlig egal.
      Die leben ihr Leben und ich meins, und wenn es zeitlich passt, treffen wir Geschwister uns:)

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  8. Liebe Eva,
    ich denke, Du solltest Dich ganz schnell wieder darauf besinnen, was Du in der Kur erfahren hast. Du bist wichtig, nicht Deine Eltern. Die änderst Du eh nicht mehr.
    Aus den Augen - aus dem Sinn, so sollten sie für Dich sein. Dann würde es Dich auch nicht stören, wenn Du nicht weißt wo sie sind. Musst Du das wissen von Leuten, die Dir so gar nicht gut tun? Vielleicht solltest Du auch überdenken, ob Du den Kontakt zu Deiner Schwester hältst. Was oder wer Dich verletzt, sollte keinen Platz in Deinem Leben haben. Nimm lieber neue Menschen auf, such Dir neue Freunde und lass die Familienbande, die Dir so weh tun hinter Dir.
    Wenn es Dir etwas bringt, arbeite es auf indem Du es aufschreibst. Erwarte aber nicht, dass der Clan, wenn Du hier Schlechtes über sie schreibst, betroffen sein wird. Besser fände ich eh, Du würdest einen Strich drunter ziehen und Dein eigenes schönes Leben genießen, wie es Dir zusteht.
    Ganz lieben Gruß von Sabine

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    1. Das werde ich versuchen, danke für deine Einschätzung Sabine. Ich weiss das doch auch, aber manchmal kocht es einfach wieder hoch. Das war halt so ein Moment. Es war ja schon wichtig, meinem Vater mitzuteilen, dass eine seine Schwestern verstorben ist. Und ihn dann nicht einmal erreichen zu können war einfach blöd. Und übrigens, der "Clan" (gefällt mir das Wort) liest hier nicht!
      Ganz sicher. Meine Eltern können nicht "computern" und meine Schwester kennt meinen Blog nicht.
      LG Eva

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    2. Aber selbst wenn es so wäre, ich kann zu allem, was ich hier schreibe 100 % stehen. Falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich wollte sie hiermit treffen, nein, das will ich wahrhaftig nicht. Das war nie meine Absicht. Es ist wirklich nur so ein Stück "Verarbeitung", wenn man seine Enttäuschung in Schriftform bringt. Ich werde das in Zukunft sein lassen, ok?
      LG Eva

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  9. MIr ging genau das Gleiche durch den Kopf wie Manu. Vielleicht hättest du die Nummer deiner Eltern einfach weitergeben sollen, anstatt sie selber anzurufen. Aber in so einem Moment überlegt man sicher nicht was richtig und was falsch ist.
    Aber wenn dir das alles noch so weh tut, würde ich doch versuchen mal reinen Tisch zu machen. Vielleicht hilft dir wirklich das was du in der Reha gelernt hast dabei.
    LG Donna G.

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  10. liebe eva,
    deinen vorherigen post mit den stiefeln habe ich erst heute morgen gesehen und diesen hier erst später. deshalb ist es schön, dass dein arbeitstag gut gelaufen ist.
    das ist doch wunderbar und es baut dicht doch auf.
    zu deinen eltern, es ist sehr schwierig und ich hatte tatsächlich gedacht, dass du in der reha ein bisschen davon verarbeiten kannst. deine schwester ist die ältere, normalerweise ist ja immer das jüngere ein wenig das nesthäkchen, ich war auch.
    ich hatte auch alles, dadurch verstehe ich mich mit meiner 7 jahre älteren schwester nicht mehr, die irgendwie auch groll gegen mich führt. mir tut das weh und ich möchte so gerne mit ihr reden, aber sie tut das nicht. gut, wenn jemand nicht will, dann will er nicht. schade, es wäre so schön, wenn sie wieder in unserer gemeinschaft mitmachen würde.
    hast du nicht noch eine jüngere schwester, ich meine ich hätte da fotos mal gesehen kann mich auch täuschen.
    mein rat, versuche nochmals mit deinen elter zu reden, schreib einen brief, kündige darin an, dass es für dich schön wäre, wenn man wieder zusammenkommen könnte. wenn keiner den ersten schritt tut, dann passiert nichts.
    du bist nun verbittert, das kann ich gut verstehen. wenn deine eltern sich nicht melden, dann kannst du beruhigt deine frieden machen und sie gehen lassen. dann würde ich mich auch nicht mehr melden. aber du hast etwas wo du sagen kann, ICH habe den ersten schritt getan, nun ist es an ihnen. sie wollen nicht und gut ist.
    es ist sehr sehr schwierig und es tut dir sicherlich auch weh, aber für dich ist es so auf jeden fall besser.
    eva, du bist so eine nette frau und ich weiss, dass du schon mal einen preis gewonnen hast, mehr schreibe ich nicht, sonst bekomme ich den popo voll. das sollte dich aufbauen.
    nochmals kopf hoch und DU BIST EVA UND DU BIST JEMAND UND ZWAR WAS GANZ BESONDERES!

    Herzlichst Eva-Maria
    gerade fällt mir ein du heisst doch eva und ich denke, wer diesen namen bekommen hat, da haben sich die eltern schon was dabei gedacht und zwar was ganz besonderes.

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    1. Jetzt muss ich gerade schmunzeln, :-) Wir sind in der Tat so zwei besondere Evas... Ich habe nur eine Schwester und die ist fast 9 Jahre jünger. Ich bin die Ältere. Aber egal jetzt. Ich wende mich wieder anderen Themen zu. Was treibst du so bei diesem Wetter? Hier regnet es in Strömen. Bist du wieder am Backen? Ich wedle gerade mit dem Bodenwischer durch die Gegend und die Katze findets toll. Rennt immer hinterher...
      LG Eva

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    2. huhuu eva,

      ich habe oben erstgeborene gelesen und zwar wohl nicht richtig und da dachte ich, dass deine schwester die erstgeborene ist.
      entschuldige.

      naja, ich war auch die ganz junge und das nesthäkchen. außer meiner mittleren schwester mochte mich jeder meiner geschwister und ich konnte alle um den finger wickeln.

      lg eva

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  11. Hallo Eva,

    es hat sicherlich seinen Grund, warum du dir das Thema gerade jetzt wieder in dein Leben geholt hast. Vielleicht bist du nach der Kur soweit wieder gestärkt, dass du dich mit deinen Gefühlen auseinandersetzen kannst?
    Allerdings macht ein Rachefeldzug nie Sinn. Du erreichst damit gar nichts, ausser dir nochmal richtig das Herz zu demolieren.
    Deine Schwester hat absolut richtig gehandelt-du hast keinen Kontakt mit deinen Eltern und sie klammert das Thema aus. Was sollte sie auch anderes tun? Dir immer wieder unter die Nase reiben, wie gut sie mit euren Eltern auskommt? Das wäre doch auch nicht schön für dich.
    Das Leben ist nicht fair...damit musst du dich erstmal abfinden.
    In vielen Dingen bist du im Vorteil, in anderen im Nachteil. Du hast zwei gesunde Kinder, Andere sind unfruchtbar...schämst du dich deshalb für dein Glück?
    Dein Mann hat einen gutbezahlten Job, Andere sind Arbeitslos und finden keine Arbeit....kündigt er deshalb?
    Du wurdest von deinen Eltern ungerecht behandelt oder zumindest empfindest du es so. Vielleicht warst du der Grund für die Eheschließung und Beide nehmen es dir unbewußt übel?
    Vielleicht bist du ein Kuckuckskind?
    Vielleicht passt du einfach von deinem Wesen her nicht so gut zu deinen Eltern, wie deine Schwester?
    Es kann tausend bewusste und unbewusste Gründe für ihr Verhalten geben, aber das ist egal. Wichtig ist nur, was du daraus machst.
    Deine Eltern wirst du nicht ändern, denn man kann einen Anderen nicht zwingen sein Verhalten zu ändern. Man kann nur sein eigenes Verhalten und Denken beeinflussen.
    Du kannst deinen Eltern nicht verbieten lieblos mit dir umzugehen, aber du kannst erwachsen sein und die Verantwortung für die erwachsene Eva übernehmen.

    Du kannst es unterbinden, dass du so behandelt wirst. Keiner zwingt dich, dich solch einer Behandlung auszusetzen.
    Wenn du erstmal akzeptierst, dass es so ist wie es ist und sich auch nie ändern wird, dann kannst du entscheiden wie du damit leben willst.
    Wenn es dich immernoch schmerzt, dann kannst du den Kontakt abbrechen und, eventuell mit Hilfe einer Therapie, gut für dich sorgen.
    Dann sei aber auch konsequent und erwarte keine Standortmeldungen und fühle dich nicht berufen das Sprachrohr für irgendwelche Tanten zu geben.

    LG

    Kati



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    1. Naja, ich finde schon, dass es einen Unterschied macht, ob man von den Menschen ungerecht behandelt wird, die einen ins Leben gesetzt haben, oder vom Leben selbst. Natürlich gibt es viele Dinge im Leben, auf die man keinen Einfluss hat, hat die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist doch normalerweise etwas ganz Natürliches. Ich glaube, man kann diesen Schmerz wirklich schlecht nachvollziehen, wenn man das selbst anders erlebt hat. Es ist ein elementares Fehlen von Grundbestätigung (mir fehlen irgendwie die Worte), also, wenn die eigenen Eltern einen ablehnen, dann ist so, als ob einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Das ist bei mir ja nicht erst seit gestern so, sondern schon lange. Ich hatte eigentlich nie die Gelegenheit, innerlich erwachsen zu werden, weil ich doch so gerne ein geliebtes Kind sein wollte. Und solange ich diesen Status nicht habe, fällt es unglaublich schwer, sich selbst anzunehmen und sich sicher zu fühlen. Zumal es bei mir ja so ist, dass ich wirklich Hilfe und Unterstützung gebraucht hätte, weil ein paar sehr unschöne Dinge vorgefallen sind in meiner Jugend vorgefallen sind. Weder meine Mutter noch meine Schwester haben für mich Partei ergriffen. Ich fühle mich im Stich gelassen, heute mehr denn je, denn alle wissen Bescheid, aber sie sagen nichts. Sie tun, als ob nichts wäre. Stell dir mal vor, du hättest ein Geschwisterteil oder auch eine Freundin, die von einem bestimmten Menschen sehr schlecht behandelt wurde. Würdest du mit so einem Menschen supertoll auskommen? Doch eher nicht, oder?
      Im besten Fall würdest du dich einmischen und deine Meinung sagen. Also ich würde das tun. Aber zuzugucken, wie ein Geschwisterkind derart fallengelassen wird, Hauptsache man hat selbst alles, (und so vielleicht sogar noch mehr), das ist nicht schön.
      LG Eva

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    2. Dann bist du doch eigentlich auch genauso sauer auf deine Schwester?
      Aber sie kann nichts dafür, das ist ein Problem zwischen dir und deinen Eltern!
      Und du kannst deine Eltern nicht mehr ändern, du kannst sie akzeptieren, so wie sie sind, oder eben den Kontakt abbrechen.
      Irgendwas dazwischen gibt es nicht...

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    3. Die sog. natürliche Elternliebe ist ein Mythos.

      Würden sonst Väter ihre Töchter missbrauchen und Mütter dabei tatenlos zusehen? Würden Eltern ihre Kinder grün und blau prügeln, vernachlässigen, finanziell betrügen ?

      Aber sie tun es...jeden Tag und du bist kein Eizelfall mit deinen Erlebnissen.
      Das Leben ist so und sehr viele Eltern mißhandeln ihre Kinder körperlich und/ oder emotional.
      Willkommen in der Wirklichkeit. Du lebst in einer Traumwelt in der Eltern ihre Kinder lieben und Menschen loyal sind. Das ist ein Märchenbild, das du dir wünschst, hat aber mit der Lebensrealität der meisten Menschen wenig zu tun.
      Glaubst du wirklich, dass du mit deinen Erlebnissen eine Ausnahme bist? Hast du dich nie mit Freundinnen über ihre Kindheit unterhalten?

      Also ich kann die von mir berichten: Ich habe mehrere Jahre Psychotherapie hinter mir, um meine "liebevollen" Eltern zu verkraften und ich habe keine Frau getroffen, die nicht ähnliche Dinge zu berichten weiss.
      Töchter von Alkoholikerinnen, wo die ganze Familie den Schein aufrecht erhalten hat und die Tochter, die den Mund aufgemacht hat wurde für verrückt erklärt/ Töchter von Alkoholikern, die von ihnen auch noch geprügelt und angetatscht wurden/ Töchtern von neurotischen, zwanghaft ehrgeizigen Müttern, die für eine Vier in der Schule windelweich geprügelt wurden.../ Töchtern von Alkoholikerinnen, die über ihre Töchter Lügen verbreitet haben und ihnen die Polizei hinterhergeschickt haben/ Töchter von Müttern, die die Trennung vom Vater nicht verkraftet haben und die Tochter zum Spielball gemacht haben/ Töchter von Vätern, die mit Kindern nichts anfangen konnten und ihnen keine Lieben zeigen konnten/ Töchter von Müttern, die in der Familie nie für ihre Kinder eingestanden sind/....
      So sind Eltern eben auch...wichtig ist, was man draus macht und wie man mit den Wunden umgeht, wenn man erwachsen ist.
      Wenn man den Schmerz alleine nicht ertragen kann, dann ist es Zeit sich hilfe zu holen und erwachsen zu werden.

      LG

      Kati

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    4. Tja, liebe Kati, ich bin eine von deinen o.g. Töchtern. Was dachtest du denn? Dass ich ein unzufriedenes Nörgelkind bin, dass nicht genug Aufmerksamkeit bekommt? Einer deiner oben genannten Fälle trifft auf mich zu und das ist der Grund, warum ich so bin, wie ich bin. Ich lebe ganz bestimmt nicht in einer Traumwelt, ich wurde schon sehr früh auf den Boden der Wirklichkeit geholt.
      LG Eva

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    5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    6. Liebe Eva, es ist 100% nicht böse gemeint, versteh das bitte nicht falsch!!!
      Aber das, was du geschrieben hast, hört sich wie teilweise wie ein Nörgelkind an, was endlich Aufmerksamkeit von den Eltern möchte.
      Vergiss deine Eltern, du bist erwachsen, du bist selber für dein Leben verantwortlich!
      Du kannst die Vergangenheit nicht mehr ändern, es ist passiert, du kannst auch deine Eltern nicht mehr ändern.
      Was dir fehlt, ist eine Portion Selbstbewusstsein, dann würde dich das alles nicht so sehr belasten.

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    7. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du ein Nörgelkind bist, denn dafür bist du zu verletzt und das Thema Respekt und Anerkennung zieht sich wie ein Roter Faden durch dein Leben.
      Nicht nur deine Eltern behandeln dich respektlos, sondern auch dein Mann und sogar deine Kinder schlagen in diese Kerbe (oder zumindest empfindest du es so).
      Stellt sich nur die Frage warum das so ist. Ich denke du bekommst immer wieder die Chance dich mit diesem Thema zu beschäftigen.

      Du kannst also weiter in den eingefahrenen Gedankenschienen bleiben und dich von Gott und der Welt ungerecht behandelt fühlen oder du nimmst die Herauforderung an und stellst dich dem Thema und deinen Anteilen.
      Deine bisherigen Gedanken von Enttäuschung, Wut, Trauer und Ungerechtigkeit haben dich nicht sehr weit gebracht.
      Deine Eltern werden sich nicht ändern und deinem Wunschbild entsprechen. Und leider ist deine Idee der liebenden gütigen Eltern und der loyalen Schwester ein unrealistisches Wunschbild, dass in fast keinem Leben der Realität entspricht.
      Dein Vater hat anscheinend ein schweres Unrecht begangen und deine Mutter und deine Schwester wollten davon nichts wissen. Das ist übel.
      Stattdessen wurdest du als bekloppt abgestempelt, als du die Dinge offengelegt hat.
      Das ist leider normal und es ergeht den meisten betroffenen Frauen so.
      Du kannst das Unrecht noch tausendmal in die Welt schreien- sie wollen es nicht hören und sie werden es nicht hören, weil es ihre Wirklichkeit zerstören würde.
      Solange du dich so ambivalent verhälst (keinen Kontakt wollen und bei erster Gelegenheit wieder anrufen) und immernoch auf ein Wunder hoffst, wird dich niemand ernst nehmen.
      Du wirkst unsicher und bedürftig und bekommst von den Menschen in deinem Leben die entsprechende Antwort.
      Die Kerbe wird immer tiefer geschlagen, der Schmerz in einer immer wiederkehrende Bestätigung immer schlimmer.
      Das kannst nur du stoppen, indem du aus dieser Schleifen aussteigst und anfängst gut für dich zu sorgen.
      Als erstes solltest du dir Hilfe holen. Solche Erlebnisse lassen sich nicht alleine verarbeiten.
      Im Rahmen dieser Hilfe wirst du dich von einigen eingefahrenen Vorstellungen über dich und die Welt verabschieden und eine neue Eva und eine neue Welt kennenlernen.
      Das ist eine anstrengende tolle, aufregende Reise in ein neues, schöneres Leben und ich hoffe du findest den Mut dich an deinem Zopf aus dem Sumpf zu ziehen.

      LG

      Kati

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  12. Das mit der eingefahrenen Gedankenschiene ist richtig. Du triffst da voll ins Schwarze. Ich würde mich gerne draus befreien, denn es ist belastend und unheimlich kräftezehrend. Woher kannst du meine Situation eigentlich so treffsicher beurteilen? Das was du hier schreibst, ist genau so, wie es ist. Ich werde in der Tat nicht Ernst genommen und als bekloppt abgestempelt. Und mein Festhalten an irgendwelchen Wunschbildern ist teilweise ein verzweifeltes Aufrechterhaltenwollen einer heilen Welt, die ich so nie hatte, aber gerne haben würde. Da tauche ich in eine fiktive Familienvorstellung ein, alles schön und gut, ich glaube, das ist so ein bißchen Traumwelt, um die Realität besser zu ertragen. Naiv, ich weiss.
    Jedenfalls danke für deine ehrlichen Worte und deine Einschätzung, ich denk drüber nach! Und ich versuche, selbst gut für mich zu sorgen. Ist nicht immer so leicht, aber wird schon.
    Und was professionelle Hilfe zu diesem Thema angeht: Warteliste, Warteliste, Warteliste....
    LG Eva

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    1. mmhh heimlich kann ich hellsehen :D
      Neee du bist nicht allein. Ich wollte dich nicht angreifen mit meiner Bemerkung, dass du kein Einzelfall bist, sondern dir sagen, dass du Mitglied einer sehr sehr sehr großen Gruppe bist.
      Wir alle kämpfen mit unseren Dämonen und das ist keine Schande.
      Das schafft man ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr alleine. Ich habe meine Hilfe bekommen und bin heute (bis auf kleine Ausfälle) glücklich.
      Ich habe in meiner Therapie gute Werkzeuge an die Hand bekommen, mit deren Hilfe ich heute auch andere Probleme lösen kann.
      Leider kann man dieses Wissen und diese Methoden anderen Menschen nicht aufzwingen oder schenken, sondern sie müssen es selber entdecken.
      Das kostet Kraft, aber es lohnt sich so sehr und ich bin dankbar, dass ich diesen Weg gehen konnte und auch heute noch gehe.
      Ja Warteliste ist Mist!!! Vielleicht hilft dir so lange ein etwas abgespacetes Buch: "Ich vergebe: Der radikale Abschied vom Opferdasein" von Colin Tipping und Matthias Schossig
      Wenn man den esoterischen Überbau überlesen kann ist es ein sehr interessantes Buch, welches einem mal eine völlig andere Sicht auf die Dinge gibt.

      LG

      Kati

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  13. Liebe Eva,

    wenn ich dich hier so lese mache ich mir echt große Sorgen um dich.
    Was sagt eigentlich dein Mann dazu? Er ist doch derjenige der dir emotional als Nächster ist und dir helfen kann.

    Mein Mann hätte mich schon längst über die Schulter geworfen und hätte mich zu jemand geschleppt, der mir helfen kann (wenn er es schon versucht hätte und es hätte mir aber nicht ausreichend geholfen).

    Ich habe auch so ein Erlebnis mit Verwandten die sich so durch meine ganze Lebensgeschichte schlängeln und die mir immer nur Magenschmerzen und Tränen bereitet haben. Auch ich bin so ein harmoniesüchtiger Mensch wie du.
    Ich habe mein ganzes Leben lang versucht es irgendwie jedem recht zu machen, war lieber mal still nur um andere nicht aufzuregen oder einen Streit anzufangen. Habe die Bedürfnisse anderer mehr hochgehalten als meine eigenen.
    Alles bullshit wenn ich das hier mal so sagen darf!

    Eines Tages kam da so ein Tröpfchen dazu und da war bei mir game over. Ich will von Menschen, die mir nicht gut tun und mir ganz elendige Gefühle hervorrufen sowas von NICHTS wissen! Ist mir heute total egal wo sie sind, wie es ihnen geht und was sie mir erzählen wollen. Null Interesse. Weniger als null.

    Ich habe es jahrelang versucht. Das reicht. Irgendwann ist Schluss und dieser Schluss-Strich ist das Beste was ich je hätte ziehen können. Wäre ich mal 20 Jahre vorher so schlau gewesen. Das Dollste ist ja, je frecher und aufmüpfiger und selbstbewußter ich geworden bin, desto netter sind alle und versuchen es jetzt MIR recht zu machen.

    Nun bin ich mit mir und meiner Welt zufrieden, wer mich mag und ich ihn, super! bin ich dabei. Wer nicht, soll ihn der Geier holen. Sowas brauch ich echt nicht. Ich brauche niemand der mein Leben verpestet. Meine Tochter braucht auch keine ollen Tanten und Onkel die nur Ärger machen.

    Der springende Punkt an dieser Sache ist jedoch:
    Wir können dir hier noch so viele Ratschläge geben, unsere Erlebnisse schildern und dir Bücher und sonstwas empfehlen, das wird alles nicht helfen, bis bei dir dieser Schalter im Kopf umgelegt wird und du deine Sichtweise und Vorgehensweise ÄNDERST. Das muss aber von dir aus kommen, diese neue Eva die musst du alleine aus dir rauslassen. Niemand sonst kann das..

    Ich hoffe nur, dass dieser Zeitpunkt in nicht allzu weiter Zukunft liegt :)

    Drück dich
    Dana :)

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