Mittwoch, 5. Juni 2013

Sinnvolle Resteverwertung Variante 1: Semmelknödel

Nachdem mein Mann mich auf eine Studie von Ilse Aigner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) aufmerksam gemacht hat, bin ich zum wiederholten Male auf die unglaubliche Menge der weggeworfenen Lebensmittel gestoßen. Ca. 82 kg pro Kopf kloppt jeder Deutsche durchschnittlich in die Tonne. Da sind die Lebensmittel, die in der Landwirtschaft aussortiert werden, weil sie den Qualitätsansprüchen nicht genügen, noch nicht einmal dabei. Das sind zum Beispiel sind die Äpfel. die nicht ebenmäßig genug aussehen oder evtl. "Datschstellen" haben oder große Mengen Lebensmittel, die einfach falsch gelagert wurden(? wie kann das denn passieren, bei sovielen Vorschriften?) oder die Kartoffeln, die durch die Erntemaschinen fallen und liegen bleiben und und und. Mich beschäftigt dieses Thema schon eine ganze Weile. Wir sind uns gar nicht mehr darüber bewußt, dass wir im Schlaraffenland leben. Wenn irgend etwas schlecht wird, dann weg damit und neu gekauft. Kein Problem, kein Aufwand, nichts.

Die Frauen, die in Dürreländern kilometerweit für einen Kanister Wasser laufen müssen, geistig ausgeklammert. Menschen, die abgeerntete Felder nach Resten absuchen gibt es - zumindest in Deutschland  - nicht. Wenn die französische Apfelernte (nur als Beispiel) schlecht ausfallen sollte, egal, kaufen wir halt die aus Italien. Ich halte das für eine ganz fürchterliche Entwicklung. Unsere jungen Leute sind es gewohnt, in irgendeinen Supermarkt zu gehen und ohne grosses Hinterfragen einzukaufen. Was wäre, wenn es ab morgen keine Milch, kein Mehl, keine Kartoffeln mehr gäbe? Sind wir uns eigentlich darüber bewußt, wie abhängig wir wir alle sind? Und trotzdem treten wir unseren Wohlstand, unseren Luxus mit Füßen. Ich nehme mich da gar nicht aus, denn ich muss leider immer noch sehr viele Lebensmittel wegewerfen. Erst heute habe ich ein Schälchen frische Champignons entsorgt, aus dem ich nur 3 entnommen hatte, als Zutat für einen Salat. Der Rest ist vergammelt. Aber - ich mache mir durchaus Gedanken über sowas. Heutzutage mehr denn je. Weil ich es für falsch halte, gute Lebensmittel wegzuwerfen, während anderswo die Menschen verhungern müssen. Ich weiß, dieses Thema ist nicht neu, aber ich finde, wir sollten es aktuell halten und je mehr Leute sich Gedanken darüber machen, desto besser.

Ich habe die Angewohnheit, übriggebliebene Brötchen, nicht gegessenes Toastbrot und Brotreste aufzuheben. Brot wegzuwerfen geht gar nicht. Nachdem nun meine Sammelschüssel heute ziemlich voll war, habe ich beschlossen, selber Semmelknödel zu machen. Da jubeln sogar meine (sonst durchaus verwöhnten) Mädels, und sie brauchen nichts weiter, als eine gute Soße dazu.

Die meiste "Arbeit" ist das Kleinschneiden der durchaus harten Brotteile. Das war es dann aber auch schon. Die Brotstückchen werden mit siedend heißer Milch übergossen und bleiben eine Weile zum Durchziehen stehen. Dann wird - je nach Menge - ein Ei oder zwei Eier - untergemengt, die Masse gut gewürzt mit ordentlich Salz, Muskat und evtl. Kräutern wie Petersilie. Nun kann man die Knödel formen. Sollte die Masse zu weich und nicht formbar sein, einfach noch ein bißchen Paniermehl dazugeben.

Dann die Knödel ist siedendes Wasser geben. Das heißt. kurz unter dem Kochpunkt. Das Wasser soll nicht sprudelnd kochen, sondern sich nur leicht bewegen. Die Knödel sinken zunächst ab, kommen dann aber wieder hoch und sollen so ca. 20 - 30 Minuten durchziehen. Dann rausnehmen und servieren oder abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und in Butter abbraten. Soooooo lecker! Und kein einziges hartes Brötchen ist im Müll gelandet.

Ich habe Fotos gemacht. Die knödelerprobten Bayerinnen werden sich vermutlich kaputtlachen, denn meine Knödel sind weder schön noch rund noch gleichmäßig. Aber egal, sie waren mega lecker.
Und bei dieser Gelegenheit habe ich festgestellt, dass mein uraltes grünes Schneidebrett total unfotogen ist und ich dringend mal ein neues brauche.




So sehen dir Rohlinge aus (man kann die natürlich runder und schöner formen).





Das war kurz nachdem ich die Knödel ins Wasser gegeben habe.




Und so sieht das Endprodukt aus. Man kann noch gut die dunklen Stellen sehen, die durch die Brotkrusten entstehen. Wie gesagt, schön ist anders, aber sie waren wirklich lecker und darauf kommt es doch an.

Außerdem hat mir das Ganze wieder mal viel Stoff zum Nachdenken geliefert und ich möchte öfter mal so eine "Reste-Verwertung" posten. Ich habe zum Beispiel auch einige Sachen in der Vorratskammer, die ich irgendwann mal gekauft habe, die aber sozusagen nie zum Einsatz kommen. Spontan fällt mir da meine Konservendose mit Artischockenherzen ein. Die habe ich wirklich schon ewig.  Demnächst landen die auf der Pizza.

Habt ihr auch Reste-Verwertungs-Rezepte? Oder vielleicht "Ladenhüter" in der Speisekammer, gekauft, aber seit langem hin- und hergeschoben. Wie haltet ihr es mit Aufbrauchen eurer gekauften Lebensmittel? Bin gespannt.



Kommentare:

  1. Da hast Du einen sehr wichtigen Post geschrieben und bei mir offene Türen eingerannt. Ich schwöre, ich kann mich nicht erinnern, jemals Lebensmittel weggeschmissen zu haben, abgesehen von den unappetitlichen Resten meiner Tochter auf ihrem Teller, die ihr Essen sehr gern zerpflückt und dann nur die Hälfte isst.
    Es gibt so viele Möglichkeiten, so einen Unsinn zu vermeiden, das sollte jeder halbwegs intelligente Mensch können.
    Was der Handel und die Industrie dann aber noch zu verantworten hat, ist schlimm...
    Liebe Grüße
    Karoline

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    1. Ehrlich? Noch nie? Respekt!!! Wenn ich mal wieder Reste habe und nicht weiß, was ich damit anfangen soll, frage ich dich. Ich weiss noch von meiner Oma, dass die niemals Lebensmittel weggeworfen hat. Da wurde hartes Brot auch mal in der Pfanne abgebraten und mit Salz serviert, das schmeckt gar nicht mal so schlecht.
      LG Eva

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  2. hallo eva,
    mir gefallen deine semmelknödel, die sind doch gut geworden, zumindest optisch.
    leider kann ich sie ja nicht versuchen. noch nicht ;-))).
    ich gestehe, ich habe auch schon lebensmittel weggeworfen, aber es hält sich in grenzen. ja, ich verwerte auch, ich mache z.b. aus brezeln, brezelknödel. die friere ich immer ein und dann mach ich welche. von alte brot, das ich dann trocknen lasse, mache ich einen wundervollen kirschkuchen. d.h. ich mahle das brot praktisch zu mehl und das gibt dann einen schwarzbrotkuchen mit kirschen mandeln usw. der ist super.
    aus alten toastbrot kann an arme ritter machen, da bin ich mal ausgelacht worden.
    wir leben im überfluß und manchmal wenn ich im supermarkt bin, erschrecke ich schon, wieviel manche leute doch kaufen und ob sie das alles auch essen.
    ich danke dir für diesen post.

    lg eva-maria

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    1. Naja, die bayrische Schwiegermama meiner Schwester kann Knödel formen wie aus dem Bilderbuch, jeder sieht gleich aus und ist rund und glatt. Aber egal, wichtig ist ja schließlich der Geschmack. Brezenknödel stelle ich mir sehr lecker vor, habe ich aber noch nie gemacht.
      Was ich schlimm am Überfluß finde, ist die Tatsache, dass man vor lauter Vielfalt und Auswahl kaum noch so recht genießt. Es gibt ja immer alles, da ist nichts mehr besonders. Ich habe mir fest vorgenommen, bewußter mit Lebensmitteln umzugehen und auf jeden Fall weniger einzukaufen!
      LG Eva

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  3. ich mach Semmelknödel immer selber !! - aus der Packung ... igitt. Allerdings schneide ich die übrig gebliebenen Semmeln noch im weichen Zustand. Auch asl Serviettenkloß super! Die, die ich hart werde lasse, aus denen mach ich dann Semmelbrösel. Somit habe ich Vollkornpaniermehl für Schnitzel etc. Wegschmeißen geht gar nicht , alles wird verwertet. Übrig gebliebene Knödel vom Sonnta werde geschnitten, angebraten Ei drüber ... lecker. Und aus nicht mehr ganz frischen Tomaten mach ich enweder Tomatensoße zu Nudeln oder Tomaten-Schafskäse-Auflauf.
    LG Kerstin

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    1. Das mache ich in Zukunft auch. Das Schneiden der harten Brotteile grenzt manchmal schon an Selbstverstümmelung. Danke für den Tipp!
      LG Eva

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  4. Schön, daß sich mittlerweile schon soviele darüber Gedanken machen. Gottseidank bleibt bei uns nicht viel über.
    Wenn ich zu viel gekocht habe, so friere ich den Rest dann meistens ein, sofern das gefriertechnisch möglich ist. So habe ich mit meinen Kindern dann auch meistens irgendwann eine gute Mahlzeit. Vor allem bei Braten, Gulasch, Spaghettisaucen funktioniert das gut. Viele werfen ja auch weg, weil sie keine Lust haben 2 x das Gleiche zu essen.
    Halbgegessene Naturjoghurts kann man gut zu einem Aufstrich oder zu einer Dipsauce verarbeiten.
    Eines vielleicht noch: Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht, dass etwas schlecht ist. Sondern ist eigentlich eine Absicherung für den Produzenten. Die Sachen sind in 90 % der Fälle immer noch gut. Vor allem Joghurt,kann man lang über das Ablaufdatum hinaus aufbewahren. Auch die Kühlschrankkältezonen beachten kann helfen, um die Sachen länger aufbewahren zu können.
    lg Sabine

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    1. Das mit dem MHD weiß ich und wir essen die Joghurts auch danach noch. Aber zugegebenermaßen schimmeln schon mal Frischkäse und Co. in angefangenen Packungen und die werfe ich (bisher) weg. Ich habe mir aber fest vorgenommen, das zu reduzieren. Ich kaufe einfach nicht mehr soo viel. Wenn mal was fehlen sollte, ist das ja auch kein Drama, besser als soviel wegzuwerfen. 2 x das Gleiche essen finde ich gar nicht schlimm, oft schmeckt es aufgewärmt sogar noch besser. Wichtig ist nur, dass man sich für dieses Thema sensibilisiert. Ich bin dabei!
      LG Eva

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