Mittwoch, 27. Februar 2013

Wieso gibt es keinen Tapferkeits-Orden für Mütter?

Ja, warum eigentlich? Was eine Mutter täglich so leistet, ist absolut heldenhaft. Warum sieht das bloß keiner? Ich bin normalerweise nicht der Typ, der sich selbst auf die Schulter klopft, aber heute kann ich das durchaus tun. Ich bin stark erkältet, habe Halsweh und Schnupfen und fühle mich alles andere als gut. Gott sei Dank, nicht sterbenskrank, aber trotzdem stark eingeschränkt. Ich war heute nicht arbeiten, weil ich das weder mir noch den Kunden zumuten wollte. Aber erholen, daheim, ausruhen ??

Ich habe nur das allernötigste erledigt, aber auch das war anstrengend. Ich habe eine Ladung Wäsche gewaschen und aufgehängt und habe dazu sehr viel länger gebraucht als gewöhnlich. Dann habe ich eine Rindfleisch-Nudelsuppe gekocht und einen vitaminreichen Obstsalat geschnippelt (Kiwi, Orange, Apfel, Banane, Walnusskerne). Danach war Küche aufräumen angesagt. Und Spülmaschine befüllen und ausräumen. Der Hase wollte versorgt werden, die Toiletten habe ich mit Sagrotan bearbeitet, die Schuhe im Eingang zum tausendsten Mal richtig hingestellt und dann einen Einkaufszettel geschrieben, den mein Mann heute abend abgearbeitet hat.

Gleichzeitig kam meine Jüngste nach der zweiten Stunde wieder heim, auch stark erkältet. Ich koche ihr Tee, fühle die Stirn und habe beschlossen, sie morgen zum Arzt zu bringen. Ich möchte ausschließen, dass sie an der "richtigen bösen" Grippe erkrankt ist. Sie ist wirklich stark angeschlagen, hat heute tagsüber viel geschlafen. Die Große hat andere Beschwerden, mehr so Magen-Darm mäßig, beide Mädels völlig außerstande mir irgendwas zu helfen.

Was tut man als Mutter also? Man betüddelt sie, macht sich Sorgen, macht Essen, das sie mögen und denkt sich, na toll, mir geht es ja auch nicht gerade berauschend. Interessiert aber keinen.  Mein Mann kam heute schlecht gelaunt heim, hat sich ein schönes Wannenbad gemacht und schläft nun auf dem Sofa.

Ich kann gleich nochmal die Küche in Ordnung bringen, den Wohnzimmer-Tisch abräumen und nur hoffen, dass es mir nie so schlecht geht, dass ich auf andere angewiesen bin. Dabei habe ich keine Säuglinge oder Kleinkinder mehr und kann normalerweise wenigstens nachts einigermaßen schlafen. Das können andere Mütter bei weitem nicht.

Liebes Deutschland, warum können kranke Männer komplett abschalten, auf Durchzug stellen und Frauen eben nicht? Mich nervt das gerade ein bißchen. Ich kann einfach nicht abschalten und alles ignorieren. Denn wenn ich heute das Notwendige nicht erledige, dann häuft sich das spätestens morgen zu einem großen Berg.

Liebe Mütter und auch Nichtmütter, die trotz schwieriger Lebenssituation durchhalten, wir können stolz auf uns sein. Das macht uns so schnell keiner nach. Wir verdienen einen Orden. Oder zwei. Ändert zwar auch nichts, aber wäre wenigstens ein bißchen Anerkennung. Und, jo, wir schaffen das. Wer, wenn nicht wir? Der liebe Gott hat sich vermutlich was dabei gedacht und Frauen sind in der Tat sehr stark. Auch wenn es anstrengend ist.

Kommentare:

  1. Liebe Eva, Deutschland ist an vielem Schuld, aber DARAN nun wirklich nicht. Ich wette, ihr hättet auch noch genug anzuziehen, wenn du die Wäsche heute nicht gemacht hättest (und auch morgen und übermorgen nicht) und niemand hätte gemotzt, wenn die Küche unaufgeräumt geblieben wäre und du dich mit deinem Tee ins Bett verzogen hättest.
    Warum Männer das können? Sie machen es einfach. Das kostet uns Frauen ein bisschen Überwindung, aber es geht. Probiers mal. Du wirst sehen, dass es funktioniert, ohne dass die Welt zusammen bricht.

    (Wieso betüddelst du selbst krank erwachsene Frauen? Und wo ist der Herr der Hauses?)

    Grüße! N., die damit die Leistung und Anerkennung der Doppel- oder Dreifachbelastung von Frauen nicht schmälern möchte (ist ja selber eine von denen).

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  2. Was ich heute nicht mache oder morgen nicht, das häuft sich an und wird mehr. Ich finde es auch nicht toll, aber was soll ich machen? Außerdem habe ich wirklich Sorge, dass die Jüngere nicht doch die richtige Grippe haben könnte. Ihr ist übel, sie hat starke Kopfschmerzen, das habe ich alles nicht. Ich will einfach nichts übersehen.

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    1. Ach so, und Deutschland kann natürlich wirklich nichts dafür!! Ich hätte auch schreiben können: oh, heiliger Strohsack... (gut, ist auch nicht origineller)

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  3. Hallo Eva, ich ticke ja - eigentlich - ähnlich wie Du, aber ich bin tatsächlich dabei, mir das Bemuttern abzugewöhnen. Sonst wollte ich auch immer die perpekte Mutter, Ehefrau ( auch Gebliebte) und Hausfrau sein, dazu noch die perfekte Tochter, die gute und verständnisvolle Freundin, usw. Weißt Du was, es geht alles, auch nur mit 70 oder 80 Prozent Einsatz. Die restlichen Prozente gehören nur mir alleine. Das ist ein Lernprozess, aber in 30 Jahren Ehe und jetzt nach einem guten Jahr als Witwe, sehe ich mich nicht mehr verpflichtet meinen erwachsenen Kindern ( 20 und 25 Jahre) "den Hintern nachzutragen. Dann bleibt eben mal was liegen. Lass Deine Mädels wenigstens mal Wäsche aufhängen und/oder bügeln, falten. Du musst nicht alles alleine machen. Seit September macht meine Tochter eine Ausbildung im öffentlichen Dienst und hat damit eine 41 Stunden Woche. Sie lernt es gerade endlich mal zu schätzen, nach 12 Stunden Abwesenheit von zuhause, in ein ordentliches Zuhause zu kommen, aber das ich alles nachtrage.... nee! Gut, ich bin Witwe, die Situation ist anders als die Konstellation Vater-Mutter-Kind, aber eben geanau das habe ich genutzt. Seitdem leben wir ( wenn mein studierender Sohn manchmal am WE zuhause ist)in einer Art WG. Und meine Aufgabe ist es nicht, ständig den Kram meiner Mitbewohner aufzuräumen. Oder die Fingertappser auf dem Glastisch abzuwischen. Mittlerweile ist meine Tochter da strnger als ich.
    Ich wünsche Dir aber von Herzen gute Besserung, den Töchtern natürlich auch.
    Aber wenn ihr wieder fit seid- ist es Zeit für einen "Strukturwandel" - das heißt Zeit für einen langsamem Umlernprzess für Dich!
    Ich sehe das wie Nelja.
    LG Marita

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    1. Ich würde das alles sehr gerne umsetzen, wirklich. Ich habe es auch schon hundertmal versucht, aber meine beiden Mädels scheinen besonders hartnäckige Fälle in dieser Richtung zu sein. Wenn ich etwas nicht tue, tun sie es trotzdem nicht. Es stört sie einfach nicht. Fingertappser auf dem Glas-Wohnzimmer-Tisch sind ein gutes Beispiel. Plus Eisschälchen drauf plus Papierchen von Schokolade und mindestens 5 gebrauchte Gläser. Die stehen da tagelang, wenn ich es nicht wegmache. Und es stört mich! Ist ja mein Wohnzimmer. Oder die Wäsche. Die bleibt (ernsthaft!) nass im Wäschekorb, selbst wenn ich den mitten im Gang platziere, dass man ihn wirklich nicht übersehen kann. Oder Schuhe und Taschen an der Garderobe: nicht eine, mindestens drei von jeder. Wenn sie ihren Zimmern sind und sich ausgehfertig machen, wird die nächste Tasche genommen und beim Wiederheimkommen auf die schon vorhandenen an der Garderobe gepfeffert. Und da liegen sie! Ich glaube, ich habe in dieser Hinsicht wirklich resigniert, sie tun es einfach nicht. Ich schwanke in meiner Haltung immer mal zwischen "ich bin jetzt streng" (nützt eh nichts) und "ich mach es selber, dann ist es wenigstens gemacht und ich reg mich nicht so auf, bin ja schließlich verantwortlich als Mutter, dass es ein schönes Zuhause gibt. Und außer, dass sie total bequem sind, sind sie ja ganz gut geraten, könnte schlimmer sein." Ich wünschte mir wirklich, die beiden hätten ein bißchen mehr Bewußtsein für Ordnung und wir könnten eine halbe Stunde am Tag gemeinsam etwas tun, dann wäre die Sache erledigt. Ich habe ihnen tatsächlich immer alles hinterher getragen, solange sie klein waren, das war ein großer Fehler. Jetzt krieg ich die Quittung dafür serviert. So gesehen bin ich selbst schuld an dem jetzigen Zustand und kann den beiden das nicht mal wirklich vorwerfen. Sie sind es nicht anders gewöhnt.
      Ich finde es übrigens toll, dass du dein Leben neu strukturieren konntest und es offenbar auch ganz gut genießen kannst. Hast du verdient!! Irgendwann möchte ich auch dahin kommen, etwas für mich zu tun, einfach weil ich es möchte und das ohne schlechtes Gewissen! Ich bleibe dran!
      LG Eva

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    2. Mal ganz einfach gefragt: Was wäre, wenn du die beiden ihre Wäsche selbst machen lassen würdest? Konsequent und komplett? Alleine waschen, trocknen, bügeln - ganz "WG-mäßig"? Das wäre doch ein Bereich in dem sie irgendwann aktiv werden müssten, du dich aber nicht über Liegengelassenes aufregen müsstest. Für dich wäre es eine Entlastung und für die beiden eine Vorbereitung auf das wirkliche Leben. Das dürfte den Organisationsaufwand (wer wann wäscht) wert sein.

      Liebe Grüße
      Stephanie

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  4. Hallo Eva,

    erstmal wünsche ich Dir, daß ihr ganz schnell wieder gesund werdet.

    Ich habe das letzte Woche auch durch. Montag mit leichter Erkältung angefangen und ab Donnerstag ging garnichts mehr. Ich konnte mich nicht auf den Beinen halten und hab sehr viel geschlafen. Und es funktioniert. Keiner ist verhungert. Mein Mann hat vieles machen müssen und meine Kids(7 und 11)mussten dem Papa helfen. Klar machen sie es nicht so wie ich, aber ich habe mit den Jahren gelernt einfach alles etwas lockerer zu sehen und wenn ich wieder fit bin, dann mach ich es wieder auf meine Art.

    Also ab mit Euch zum Arzt und danach alle(auch Du) ab ins Bett:-)

    Liebe Grüße
    Aga

    PS. Ich hoffe Du nimmst mir mein geschriebenes nicht übel, aber ich lese schon länger hier mit und irgendwie ticken wir sehr ähnlich. Gib auf Dich acht damit Du gesund wirst.

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    1. Hallo, nein, natürlich nehme ich dir das nicht übel. Du hast ja recht.
      LG Eva

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  5. Hast du schon mal die andere Seite überlegt? Wenn du deinen Töchtern (die ja mitlerweile 17 und 20 sind) nicht ein paar Freiheiten lässt in Bezug auf selber haushalten, werden sie es entweder nie lernen und mit 30 noch nach dir schreien oder es dir mit 30 übel nehmen, weil du es sie nie hast lernen lassen.
    Warum streubst du dich so sehr (ich meine wir reden hier schon seit nem Jahr immer wieder über das Gleiche), deine Töchter los zu lassen? Du musst sie nicht beglucken. Die nehmen das natürlich gerne an, ist ja bequem und komfortabel und man kann dir so schön ein schlechtes Gewissen machen und dich ins Unrecht setzen, wenn mal was nicht funktioniert. Merkst du, dass deine Töchter dich beherrschen? Wehr dich! Das hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun, ganz im Gegenteil. Und du weißt doch, was ist das Gegenteil von Gut? Gut gemeint.

    Grüße! N.

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  6. Ich finde mich in deinem Beitrag wieder, aber meine Kinder sind noch deutlich jünger. Da komme ich gar nicht raus aus der Mühle. An deiner Stelle würde ich mir einen Weg aus der Mühle raus suchen, wie die anderen auch schon schreiben. Ewig ist man nicht für alles und jedes zuständig. Man ist da, man schenkt Liebe und Zeit. Aber nicht mehr in dem Umfang, wie früher schon mal. Anders ist es dann auch möglich.

    Liebe Grüße
    Andrea

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