Dienstag, 26. Februar 2013

Billig = schlecht ?

Momentan wird viel über Lebensmittelqualität diskutiert.  Ich bin immer noch entsetzt darüber, wieviel Mißbrauch da getrieben wird. Und nein, ich bin kein Sozialfall, der immer nur die billigsten Lebensmittel kaufen muss, um über die Runden zu kommen. Ich bin eine Vertreterin der aus der naiven Ecke, denn ich erwarte einwandfreie Qualität von einem im Deutschland verkauften Lebensmittel. Jedenfalls war es bisher so. Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass auch Aldi & Co. trotz billigerer Preise tadellose Qualität liefern. Dass die Waren kontrolliert werden, dass so ein Betrug nicht stattfinden kann. Ich bin belehrt worden! Natürlich kann man zum Beispiel von einem 3 Euro TK-Hähnchen nicht erwarten, dass es das teuerste Futter bekommen hat, aber zumindest doch ein einwandfreies. Ich bin sozusagen von einem guten Standard ausgegangen. Aber ich gebe auch ganz ehrlich zu, dass auch ich mich gefreut habe, wenn ich mal ein teureres Stück Fleisch im Sonderangebot erstanden habe. Bin ich da wirklich die einzige Verbraucherin, die nicht sagt, "nein, danke, ich nehme lieber das andere Fleisch zum doppelten Preis, der Qualität wegen?" Und anders gefragt, garantiert ein hoher Preis tatsächlich automatisch hohe Qualität?

In der momentanen Diskussion sind viele Leute der Ansicht, der Verbraucher sei ja selbst schuld, wenn er "billig" einkauft. Das ist mir zu einseitig geurteilt. Wenn schon, dann hat der Verbraucher höchstens eine Teilschuld. Was soll denn eine Familie mit wenig Einkommen machen? Oder Studenten oder alte Leute mit wenig Rente? Die müssen gucken, wie sie über die Runden kommen. Und auch Menschen mit wenig Einkommen sollten eine gute Standardversorgung erwarten dürfen. Und was ist mit diesen betrügerischen Produzenten ohne jeglichen Anstand und Moral? Denen gehört doch das Handwerk gelegt!! Da geht es nicht drum, "was erwartet denn der dumme Bürger, wenn er ein billiges Lebensmittel kauft?"  Er erwartet mit Sicherheit trotzdem ein einwandfreies und das sollte auch so sein.

Wir leben in einem Staat, der angeblich bei der Lebensqualität ganz vorne mitmischt. In einem Staat der Bürokratie an jeder Ecke. Und dann wird uns teilweise so ein Mist als Lebensmittel angedreht ? Bin ich wirklich so von einem anderen Stern, weil ich durchaus von Anstand und Moral bei den Prodzuenten ausgehe und nicht nur von unermeßlicher Profitgier? Vermutlich ja, wenn ich so manche Argumentationen höre.

Aber wie auch immer, ich gehöre Gott sei Dank zu den Menschen, die in der Lage sind, in Zukunft deutlich anders einzukaufen. Und das werde ich auch tun. Ich will mich einfach nicht mehr betrügen lassen. Bei mir war es oft einfach die Bequemlichkeit, mal kurz in einen Discounter reinzuspringen, weil es die ja nun wie Sand am Meer auf dem Weg zu Arbeit gibt. Der nächste gute Bio-Laden ist ca. 15 km entfernt und bedarf einer gezielten Anfahrt. Was mit ein bißchen Planung absolut machbar ist.

Bei dieser ganzen Diskussion finde ich auch wichtig, die Regionalität einzubeziehen. In den allermeisten noch so kleinen Örtchen gibt es einen Fleischer oder Bäcker. Die kann man dann gezielt unterstützen. Selbst wenn da nicht alles Bio ist, so sind die Sachen aber bestimmt hochwertiger, weil einfach in kleinerem Maßstab produziert. Oder man kann den Wochenmarkt einplanen. Wenn es im Ort keinen gibt, dann eben im nächsten. Da findet man auf jeden Fall regionale Anbieter.

Und ich werde auf das "richtige " Bio Siegel achten. Da gibt es mittlerweile ja auch soviele, dass man schon mal den Überblick verliert. Dass auch das leider keine Garantie gibt, sieht man  am aktuellen Eier Skandal.

Vielleicht sollten wir uns eigene Hühner zulegen, dann wäre wenigstens das geklärt.









Kommentare:

  1. Das billigste, was ich bekomme, ist die Kiste Gemüse beim Bauern nebenan - und auch das Beste, was ich bekommen kann.
    Ein bisschen fühle ich mich (leider) bestätigt, weil ich schon ewig raune, dass bei der Fülle der Siegel und selbst bei den "offiziellen" gar nicht alles so toll sein kann. Es gab schließlich eine Inflation der Kriterien. Was sich so alles Bio nennen darf - ich staune immer wieder. Ich hab die Siegelhascherei beim Einkauf immer belächelt und mir lieber die Ware, den Hersteller und die Inhaltsliste angeguckt und unabhängig ob Siegel oder nicht danach eingekauft. Soweit die eine Seite.
    Eine Schweinerei und Betrug - der auch bestraft werden sollte - ist der Etikettenschwindel allemal. Das steht auf der anderen Seite.

    Alles in allem nehme ich es relativ locker, wenn auch nicht resigniert. Was bleibt ist, was schon immer galt: mach die Augen auf und benutze gesunden Menschenverstand. Das schützt dich nicht vor raffinierten Betrügereien, aber du tust damit, was du kannst.

    Grüße! N.

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  2. Liebe Eva, ich merke schon, Dich regt das Thema recht auf und weil in meinem Post Gedanken herauszulesen waren "der Verbaucher ist selbst schuld". Das ist natürlich nicht wirklich so, Du hast schon Recht. Lies doch mal meine Antwort, die ich Dir dazu schrieb.
    Deine Einwände das Arme und Rentner die Leidtragenden sind, kann ich nicht zustimmen. Es kann viel günstiger sein, saionale und regionale Produkte zu kaufen, dabei weniger Fleisch zu konsumieren als Fertiggerichte zu kaufen. Wie wärs mal mit Bratkartoffeln mit einem Ei drüber, dazu einen Weißkohlsalat oder im Sommer Gurkensalat? Weißt Du wie billig das ist? Aber diese Arbeit möchte sich nicht jeder machen und meistens die nicht, die Zeit für sowas hätten. Die Menschen sind einfach zu bequem um etwas wirklich Gutes für sich zu tun. Und wenn man krank wird durch schlechte Nahrung, dann kann man das was man beim günstigen Essen gespart hat, doppelt und dreifach in der Apotheke lassen.

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    1. Ja, mich regt das wirklich auf (hört man das so gut raus... :-) ). Ich bin jemand, der meistens selber kocht und nur selten mal auf Fertiggericht zurückgreift. Aber ab und zu kam das schon mal vor. In dieser Hinsicht fühle ich mich extremst veräppelt und getäuscht. Ich habe zum Beispiel auch Bio-Eier gekauft und jetzt? Hätte ich besser sein lassen. Du hast absolut recht, dass frische Sachen durchaus günstiger sind. Aus einem Hähnchen kann man erst Suppe kochen und den Tag darauf ein Frikassee. Oder aus Kartoffeln kann man unheimlich viel machen und die sind ja nun wirklich erschwinglich. Ich muss das alles nochmal gründlich überdenken. Auf jeden Fall finde ich die Diskussion darüber sinnvoll und notwendig. Es ist ja eher schon fünf nach zwölf, so geht das nicht weiter. Je mehr Menschen ihr bisheriges Kaufverhalten überdenken und verändern, desto besser. Ich fände es toll, wenn du und ich durch unseren Gedankenaustausch ein bißchen dazu beitragen könnten. Ich möchte in Zukunft einiges ändern und werde bestimmt immer mal wieder Rezepte in dieser Hinsicht posten.
      LG Eva

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    2. Du schreibst es ja selbst, meist kochst Du ja selbst, das ist doch schon mal die Hauptsache. Eigentlich ist die Sache ja ganz einfach - eat clean. Ich wünsche Dir, das der Hofladen, den Du gefunden hast, für Dich gut ist. Vielleicht hat er auch einen Lieferservice? Obwohl wir hier in der Provinz wohnen, sind wir da ganz gut gestellt, haben eine große Auswahl an Biobetrieben oder landwirtschaftlichen Betrieben ohne Bio-Siegel, denen ich trotzdem vertraue. Vielleicht ist was bei Dir dabei.
      Ganz liebe Grüße!

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  3. Hallo ! Das hast du gut geschrieben. Mir ergeht es gerade ähnlich. Ich möchte auch auf Qualität achten. Wieder bewusste Gemüse und Fleisch kaufen und auch bei den übrigen Produkten, überlegen, was ich denn kaufe. Ich muss aber auch darauf achten, das ich in meinem Budget bleibe, denn ich kaufe für eine große Familie ein. Gott sei Dank hindert mich das nicht, bewusst einkaufen zu gehen.

    Liebe Grüße und danke für den Beitrag
    Andrea

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