Freitag, 14. Dezember 2012

Man ist, was man denkt

Soll heißen, deine Gedanken bestimmen dein Leben und die Richtung, in die es geht. Ich weiß nicht so recht, ob das wirklich so einfach zu definieren ist. Dann würde es doch nicht soviel Leid und Unzufriedenheit und Depressionen geben. Ich für meinen Teil bin momentan mit meinen Gedanken sehr verwirrt. Tausend Eindrücke, alle nicht zu Ende gedacht, die mich treffen und mit denen ich dann klarkommen muß. Immer wieder die Sinnfrage über die eigene Person, das eigene Leben und den Platz, auf dem man steht.

Es gibt soviele verschiedene Frauen, Frauenrollen und Frauenbilder, wo soll ich mich denn da bitteschön ansiedeln? Ich habe gestern zum Beispiel eine sehr erstaunliche Frau kennengelernt, ungefähr in meinem Alter, allerdings schon mit einem Sohn in der Zwanzigern, der nicht mehr zu Hause wohnt. Sie fühlt sich absolut nicht ausgelastet mit Haushalt und Beruf, füllt jede freie Sekunde mit Basteln, Backen oder auch Putzen, aber nicht jammernd oder so, sondern hochmotiviert. Wer bitteschön, putzt freiwillig die Personaltoilette, einfach nur so? Unglaublich, oder? Ich bin schon mit meinem Haushalt daheim genug beschäftigt, und andere tun dann sowas? Mich verunsichert das, obwohl ich diese Frau sehr bewundere. Oder gerade weil ich sie bewundere. Ich habe noch kein einziges Plätzchen gebacken, kann nicht auf dem Sofa sitzen und auf meinen top gepflegten Haushalt gucken und dann noch sagen, ach, eigentlich ist mir langweilig. Was ist denn bei mir schief verkabelt?? Ich weiß ja, dass man diese Vergleicherei lassen sollte und auch, dass vor allem das ganze Weihnachtsbrimborium kein Wettkampf ist, aber wenn manche mit großen Dosen tadellos geformter Weihnachtskekse im Pausenraum aufwarten können, dann fühle ich mich schon schlecht.

Ich will das auch können und das alles so unter einen Hut kriegen. Deswegen habe ich den heutigen Tag zum Haushalts- und Aufräumtag erklärt. Es ist durch die vielen Arbeitsstunden eine Menge liegengeblieben, allein die Wäsche wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Dann wurde ich heute in der Küche von einem übervollen Mülleimer begrüßt, den ich erstmal rausgetragen habe und festgestellt habe, das irgendein Schlaumeier ein kleines Döschen Kaffeesahne zwischen Mülleimer und Mülltüte eingeworfen hat und die Reste so richtig schön geklebt haben. Also, Müllgefäß reinigen. Und so weiter. So ungefähr sieht es bei mir aus. Eine Arbeit zieht meistens gleich noch eine andere nach sich. Wenn ich staubsaugen möchte, darf ich erstmal den Staubauffangbehälter leeren, will ich Wäsche aufhängen, sind die Wäscheklammern nicht an Ort und Stelle und so könnte ich lange weiter erzählen.

Versteht ihr, was ich meine? Ich habe das Gefühl, ich strenge mich an, kriege es trotzdem nicht gebacken und sehe dann auch noch andere locker lässig mit sehr viel freier Kapazität an mir vorbeiziehen.

Was bin ich? Faul? Eigentlich nicht. Unorganisiert? Ja, bißchen schon, aber so ganz schlimm auch wieder nicht. Zu hohe Ansprüche? Tja, guten Tag, da sind wir wieder bei meinem Schwachpunkt angekommen. Kürzlich hat mich jemand gefragt, ob ich für mich alleine auch koche. Na klar, habe ich gesagt, macht man doch so. Wer sagt das denn eigentlich? Ich wäre natürlich viel viel schneller fertig, wenn ich nur ein Brot essen würde. Da ich das aber so nicht kenne als Mittagessen, fällt mir das gar nicht erst ein.

Aufwachen, Prinzessin Eva!! Willkommen in der Wirklichkeit!!

So, genug philosophiert für heute, jetzt geht es an die Wäsche-Front. Wünscht mir Glück!


Kommentare:

  1. Oh, ich kenne solche Frauen..die müssen einfach jede freie Sekunde ihres Tages irgendwas machen und noch dazu perfekt natürlich!! Manchmal glaube ich, dass diese Leute nur Anerkennung und Lob von anderen bekommen wollen, weil sie ja "sooo viel machen" und sie brauchen das einfach. Sonst fühlen sie sich vielleicht nutzlos und möchten keine ruhige Minute haben, wo sie vielleicht über sich selber nachdenken müssten und was eigentlich wirklich wichtig ist. Außerdem finde ich, man sollte nicht alles 100%ig glauben, denn erzählen kann man ja viel. Es ist bestimmt nicht einfach, sie mit anderen NICHT zu vergleichen. ich ertappe mich selber oft dabei. Aber es wird immer jemanden geben, der besser, schneller, ordentlicher, usw. ist... PS.: meine Weihnachtskekse schauen nicht halb so perfekt aus, als die auf vielen anderen Blogs hier - ich zeige sie aber trotzdem :-) Einen schönen Putztag wünsch ich dir noch! lg

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    1. wären wir auf Facebook könnte ich jetzt einfach "gefällt mir" clicken..:D

      LG

      Kati

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  2. Hallo Eva,

    ich lese hier schon seit einger Zeit mit und finde mich in vielen Dingen, die Du beschreibst, wieder. Wir machen uns immer schlechter als wir in Wirklichkeit sind, wollen in vielen Bereichen prefekt sein, gut aussehen usw. Aber ich habe für mich persönlich festgestellt, daß hinter all den Perfekten immer auch etwas gibt, was garnicht so toll ist. Also laß Dich nicht stressen, denke an Dich und alles andere wird sich finden. Und wichtig: keine Vergleiche anstellen!!

    LG
    Aga

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  3. Hallo Eva,
    Ich kann wirklich von Herzen nachvollziehen, wie es dir geht. Ich habe jeden Tag das Gefühl, ich müsste viel mehr schaffen, alles müsste viel besser aussehen, bei andren geht's doch auch.
    Andere Leute machen aber auch andere Dinge, und deswegen zieht man sich leicht selbst runter, wenn man vergleicht, was man vielleicht nicht vergleichen kann.
    Vielleicht macht deine perfekte Bewunderte etwas doch nicht so gut, wie du es zB machst.
    Und du hast Recht: Das mit dem vergleichen sollte man wirklich lassen :-)
    Es grüßt dich aus dem 5 Personen 2 Tiere Haushalt
    inka

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  4. liebe eva,
    wir haben immer die wahl, bei allem was wir tun. aber auch die wahl, was wir denken. du bist offen und warmherzig und vielseitig und und und. denk doch an all die positiven seiten, die du hast und bewerte die kleinen unzulänglichkeiten, mit denen wir uns alle täglich rumschlagen nicht zu hoch.
    ich finde perfekte menschen, die alles können, immer die richtige antwort haben, immer 200 prozent geben (oder zumindest so tun als ob) zum gähnen langweilig. das bist du nicht!
    lieben gruß und bleib wie du bist!
    sabine

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    1. Danke, wie süß von dir! Ich lasse mich wirklich schnell beeindrucken und bin dann hin und her gerissen, zwischen "ich bin nicht so toll wie XY" oder "ich will das auch so hinkriegen wie XY". Das gilt aber nur für sympathische Leute, nicht für Angeber, die absichtlich "glänzen" wollen. Sowas stößt mich ab. Sich von anderen ein bißchen mitreißen zu lassen, ist ja nicht grundsätzlich schlecht, es kann einen ja auch motivieren. Aber du hast schon recht, man vergißt viel zu schnell, dass man selber durchaus auch positive Seiten hat, auch wenn die vielleicht anders gelagert sind. Schöner Gedankenanstoß, danke dir!
      LG Eva

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