Freitag, 23. November 2012

Wenn die Seele friert

wird der Körper anfällig für Krankheiten. Das hört sich jetzt mega theatralisch an, aber ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken könnte. Weil es wahr ist.

Als junges Mädchen habe ich bei psychischem Druck und Streß Blasenentzündung bekommen. Sehr häufig. Und meistens sehr heftig. Nach einer längeren guten Phase hat sich das irgendwann verloren.

Mittlerweile scheint sich mein Körper eine andere Schwachstelle ausgesucht zu haben. Meinen Hals bzw. Kehlkopf. Normale Halsschmerzen oder gar Mandelentzündungen habe ich so gut wie nie. Es sitzt gleich eine Station tiefer und wandelt meine Stimme in ein Krächzorgan. Ohne Antiobiotikum geht das nicht weg. Und mit dieses Mal irgendwie auch nicht. Es ist zwar besser geworden, aber noch lange nicht gut.

Das wiederholt sich. So als ob mein Körper sagen wollte, halt einfach die Klappe, es hört sowieso keiner auf dich. Ich brauche also gar nicht erst zu versuchen, mich verständlich zu machen. Verstehen die wenigsten. Durch meine Zwangspause  (das Krankgeschrieben-Sein) hatte ich doch einiges an Zeit, über mich und meine Entwicklung nachzudenken. Und das ist nicht gerade motivierend. Ich habe irgendwie alles versucht, ich war ängstlich, mutig, ich war schlank, dicker, ich habe geredet und argumentiert, ich habe gelitten, geweint, gesportelt, geputzt, gar nicht, wenig oder viel gearbeitet und -
meine Engergie- und vor allem Glückskurve ging steil nach unten. Zwischendurch immer mal ein bißchen freier Fall mit äußerst unsanftem Aufkommen. Dann wieder ein bißchen geradeaus, um danach erst recht nach unten zu segeln.

Da bin ich jetzt. Ich fühle mich sehr allein. Und unverstanden. Und ich bin körperlich angeschlagen. Ich frage mich, wieso das alles so kommen konnte. Gestern abend noch ein Stück weiter nach unten geplumpst, unsanft aufgekommen, und sitze jetzt da. Wie ein Überlebender nach einem Flugzeugabsturz. Ziemlich angeschlagen, ziemlich ausweglose Situation und doch - den unbändigen Willen nach Normalität, nach Leben, nach Unbeschwertheit. Die Sehnsucht nach "früher", nach damals, als alles noch gut war.

Und wißt ihr was noch? Ich habe festgestellt, dass ich im Nachhinein immer finde, dass es "damals" gar nicht so schlecht war. Auch wenn ich mich im damaligen Moment schlecht gefühlt habe. Auch Fotos, die ich heute sehe, finde ich eigentlich ganz hübsch. Im Moment des Entstehens aber nicht, bzw. mich nicht. Was soll mir das sagen? Ich kann offensichtlich die jeweils aktuelle Situation weder richtig beurteilen noch genießen. Im Nachhinein "heule" ich dann doch der vergangenen Zeit nach. Warum ist das so? Wieso kann ich meine Situation und auch mich selbst nicht einfach mal gut finden?

So ganz genau und in allen Details weiß ich das leider (noch) nicht, aber ein ganz essentieller Punkt ist die Tatsache, daß ich mich selbst nie als gut genug erachte, immer andere als besser beurteile. Das liegt zum einen natürlich an mir, andererseits auch an meinem direkten Umfeld. Seit einigen Jahren geht der "Respekt", die "Achtung" vor mir und meinem Tun extrem den Bach runter. Kommt in Gesprächen wie gestern immer wieder hammerhart raus.  Aber warum? Liegt es daran, daß ich keinen Nobelpreis gewonnen habe, nicht Vorstandsvorsitzende geworden bin, kein Topmodell bin und auch sonst nichts außergewöhnliches im Leben erreicht habe? Zum Teil sicher, den solche blöden "Äußerlichkeiten" beeindrucken die Menschen leider schon. Der wahre Grund liegt aber hier:

Ich habe meinen Selbstwert irgendwie total verloren. Ich habe immer gemacht, was die anderen von mir erwartet haben, habe die Bedürfnisse der anderen gestillt oder es zumindest versucht und eigenartigerweise wird einem das nicht gedankt, sondern es wird immer mehr gefordert und vorausgesetzt. Soviel, bis man nicht mehr kann und/oder auch nichts mehr mag. Und wenn man dann "plötzlich" nicht mehr so funktioniert wie bisher, kommt kein Verständnis der anderen, oh nein, es kommt Abwertung, Unverständnis, Gleichgültigkeit. Wer sich als Opfer fühlt, wird auch als solches behandelt. Genauso ist es!! Diesen Satz sollte ich mir ausdrucken.

Momentan sind wohl mehrere Frauen auf diesem "Trip", wenn auch natürlich immer ein bißchen anders. Ich habe heute früh den Post von Sudda http://suddas.blogspot.de/2012/11/die-gangschaltung-meines-lebens.html gelesen und konnte das sehr gut nachfühlen. Ich will auch runterschalten. Aber durch Hochschalten. "Äktschen" statt "Reäktschen". Ich will wieder ich sein, will unbeschwert leben und nicht mehr diesen Druck auf der Seele spüren.

Außerdem habe ich noch den Kommentar einer ihrer Leserinnen gesehen und fand den so toll und passend, daß ich mir ein paar Worte kopiert habe:


Wo Du nützlich bist, wirst Du benutzt.
Sei Königin in deinem eigenen Reich 
und Du wirst wie eine Königin behandelt.
Verzeihe Dir selbst
und alles kommt ins Gleichgewicht.
Sei eigenmächtig 
und niemand wird Macht über Dich haben.

Ich finde diese Worte unheimlich wahr. Sie haben mich direkt ins Herz getroffen. Die Krux bei mir ist, dass ich hoffe, andere hätten ähnliche Gedanken, Gefühle, Interessen und idealerweise Träume wie ich. Ist aber nicht so.

Ich bin eine ganz eigene Eva, die es so kein zweites Mal gibt, ein absolutes Individuum. Diese eigene Eva sein, das kann kein anderer für mich übernehmen. Egal, wie ich mich anstrenge oder wieviel ich aushalte oder auch versuche, nur ich selbst kann das. Statt Königin würde ich ein anders Wort wählen (obwohl das auch nicht schlecht ist!). Ich will eine Traumfrau sein, (jetzt nicht falsch verstehen bitte )- und zwar meine eigene Traumfrau. So, wie ich mir mich selbst erträume. Ja, das gefällt mir. Wie diese Traumfrau handeln und aussehen sollte, das weiß ich ganz genau. Ich könnte meinen Blog umbenennen: "Auf dem Weg zur Traumfrau - mir selbst". Es soll durchaus selbstironisch klingen und das mit einem Lächeln beleuchten, ist aber andererseites genauso gemeint. Traumfrau, nichts drunter. Drunter geht nämlich nicht, das habe ich ja jetzt zur Genüge erlebt.

Vielleicht füge ich wenigstens eine neue Rubrik ein: "Auf dem Weg zur Eva-Traumfrau" und da schreibe ich dann alles, was ich tue, um dahin zu kommen. Und es geht hier nicht nur um Äußerlichkeiten, denn das Wort "Traumfrau"  wird ja leider oft falsch verstanden. In mir selber ruhen, mir selbst genug sein, nicht die Anerkennung der anderen erhoffen. Es tut zu weh, wenn sie nicht kommt. Die Dinge tun, weil ich sie so haben will. Und mich dann darüber freuen, egal, was andere sagen. Mich über Dinge freuen, die für andere komplett belanglos sind (arme Menschen) und meinen Selbstwert und meine Selbstachtung wieder finden. Hört sich fast zu schön an, um wahr zu sein.

Auf dem Weg zur Traumfrau - seid ihr dabei? In uns allen steckt nämlich eine Lassen wir sie raus!







Kommentare:

  1. Wie schön, dass dieses Gedicht so bei dir angekommen ist und dich bewegt hat. Das freut mich.
    Von Königin zu Königin
    hab einen achtsamen Tag
    Oona

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  2. liebe eva,
    was ich vor allem heraushöre bei deinem post ist, dass du eine auszeit brauchst. ich hoffe das mit der kur klappt und du kannst sie genießen und ganz viel für dich machen.
    der auszug aus dem kommentar gefällt mir, vor allem der satz "sei königin in deinem eigenen reich". nimm das wörtlich, dann heißt es, du darfst sein, wie du willst, mit allen facetten.
    lieben gruß von sabine

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  3. Ich leben schon seit einigen Jahren so und es tut mir unglaublich gut. Habe auch lange gebraucht zu begreifen, dass Andere nicht für mein Wohlbefinden verantwortlich sind, sondern nur ich.
    Auch können Andere mich nicht glücklich machen, das ist allein meine Aufgabe. Wenn ich jemandem einen Gefallen tu oder ihm einen Wunsch erfülle, dann nur weil ich es will und keinerlei Gengeleistung erwarte.
    Wenn ich einen anderen Hintergedanken habe, dann lasse ich es.
    Unfd wenn mir jemand einen Gefallen tut, dann liegt es in seiner Verantwortung und ist seine Entscheidung.
    Damit kann man mir keine Dankbarkeit abpressen.

    Früher fand ich den Spruch ganz schrecklich:
    Wenn Jeder an sich selber denkt, ist an Alle gedacht.
    Heute finde ich ihn sehr wahr und tröstlich.

    Ich bin Regisseurin in meinem Leben und kann meine Stimmungen selber steuern.
    (Schicksalsschläge wie Krebs o.ä. natürlich ausgenommen)

    Und wenn ich ein Problem alleine nicht gelöst kriege, dann weiss ich, wo ich Hilfe finde.

    LG und viel Spaß auf deiner Reise

    Kati

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  4. Ich wünsche dir alles Gute, ganz ganz dolle - auf dem Weg zur Evatraumfrau! Mach unbedingt diese Kur! Du weißt alles, was man jetzt sagen könnte, längst selbst. Lass dir Zeit mit dir, sei nicht so hart und streng mit dir. Verzeih dir. Tue nur, was du wirklich willst. Und (leider musst du das und das ist schwer) halte die Nörgler, Miesmacher, Beschimpfer, Spötter aus. Lass sie reden und versuch es an dir abprallen zu lassen. Es ist nicht wichtig, was die anderen von dir denken - und da schließe ich deine Familie ein, ja stelle sie in deinem Falle sogar vorne an - sondern nur, was du selbst von dir denkst. Und das geht am besten eben mit räumlichem und zeitlichem Abstand.

    Weißt du was, wenn man ganz unten ist, dann kann man nicht mehr tiefer fallen und es gibt nur noch einen Weg und das ist der nach oben. Das ist doch auch schon was. Was hast du zu verlieren? Nichts. Und was kannst du gewinnen? Alles! Ganz besonders dich selbst. Also hab keine Angst. Alles wird gut. Wir sind bei dir. Und wenn es mal schlimm ist, dann komm und lass dich betüddeln, streicheln und umarmen.

    Dicke fette liebe herzliche Grüße! N.

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  5. http://www.amazon.de/Der-Weg-Kaiserin-chinesischen-Geheimnisse/dp/3596169267/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1353701670&sr=8-1

    das könnte dir gut tun <3

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    1. Ich habe mal nachgeguckt und muss sagen, das hört sich wirklich toll an! Bestell ich mir. Ich finde das "alte" chinesische Wissen total faszinierend.
      Danke!
      LG Eva

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    2. Ich finds ganz toll!
      Zwischen jedem Kapitel werden nochmal die "Kaiserinnensätze" zusammengefasst...Wenn man sich die alle rausschreibt und in den "stürmischeren" Zeiten durchliest hilft das mir schon ganz viel!! Gerne =)

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  6. Kann ich nachvollziehen.

    Dir "fehlen die Worte" und daher verlässt dich die Stimme.

    Ja, lass deine Traumfrau frei. Es wird wirklich Zeit. Denn die ist da. Glasklar!!!

    Ich drück dich.

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  7. Manchmal denke ich Du schreibst für mich :) Ich entdecke einiges an Gedanken von Dir in mir wieder.
    Auch ich habe ständig wenn ich erkältet bin mit meinem Hals zutun. Einfache Halsschmerzen? Ach nein : es muss immer gleich eine Angina sein. Auch wenn man es nicht vermutet manchmal will uns die Seele mit Schmerzen wohl mehr sagen als wir ahnen.
    Ich denke auch das Du dringend eine Auszeit brauchst.Aber innerlich ist warscheinlich schon der Stress vorprogrammiert da es auf Weihnachten zugeht und man soviel erledigen muss.
    Wie stehst Du so zu Akkupunktur oder anderen Enspannungsdingen?Manchmal wenn ich gar nicht mehr kann lege ich mich hin und versuche es mit Authogenem Training.Ab und an klappt es ganz gut.
    Eva man muss kein Model oder sonst was sein um Besonders zu sein.
    Das bist Du!!! Du schreibst zum Beispiel einen wunderbaren Blog und kannst über Deine Gefühle reden, das ist doch bewundernswert.Klar habe ich solche Gedanken auch ab und an aber man darf sich echt nicht von ihnen unterkriegen lassen.
    Es gibt Seiten (Jolie) wo oft Models ohne Make up in natura gezeigt werden. Dagegen sind wir Schönheiten!Oder hochgelobte Schauspieler usw. irgendwann liest man Schlagzeilen( Drogen, Alkohol, Depressionen usw.) das sie doch nicht so perfekt sind wie wir immer angenommen haben.
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende und hoffe das es Dir bald besser geht. Liebe Grüße, Femi.

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  8. Hast du wirklich toll geschrieben und ich finde mich darin " leider" auch. Wir sollten wirklich die anerkennung zuerst uns geben und sie nicht vom umfeld erwartn, leichter gesgt als getan. Dein weg zur traumfrau gefällt mir sehr gut und könnte mich motivieren endlich den ersten beitrag in meinem blog zu schreiben, sobald ich dann endlich meinen laptop habe. Auf jeden fall danke ich dir für deine tollen beiträge. Liebe grüsse Franziska.

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  9. Danke für all eure lieben Kommentare. Ich finde es sehr hilfreich, dass viele von euch sich wiederfinden bzw. mich verstehen können. Dann fühle ich mich doch nicht ganz so "daneben". Das hier sind meine ganz ehrlichen Gedanken und Empfindungen. Die hört sonst keiner. Die sage ich sonst auch keinem. Danke, dass ihr das alles mit mir teilt.
    LG Eva

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Über nette Kommentare freue ich mich: