Sonntag, 14. Oktober 2012

Jeder ist seines Glückes Schmied (in Version von Robert Betz)

Seit kurzem habe ich den Blog von Robert Betz abonniert. Wenn ich auch nicht allem mit ihm übereinstimme, so doch in sehr vielem. Und vor allem liefert er mir immer wieder neue Denkanstöße und völlig neue Sichtweisen. Seinen Text von gestern fand ich sehr gut und sehr wahr, deswegen möchte ich ihn hier mal vorstellen:


"Kein Mann / keine Frau kann dir das bieten, was du dir selbst nicht schenken kannst - von Robert Betz  
(http://robert-betz.de)

Die meisten Ehen und Partnerschaften sind überlastet und ersticken an überzogenen, völlig unrealistischen Erwartungen an den Anderen. „Mach du mich glücklich! Ich brauche dich, um glücklich zu sein! lautet eine dieser unerfüllbaren Wünsche. 

Niemand ‚braucht’ einen Partner. Solange wir dies (oft unbewusst) glauben, ziehen wir einen anderen „Braucher“ an und werden zu „Verbrauchern“, die sich ganz schön verbrauchen, enttäuschen, frustrieren und bald Vorwürfe machen und sich als ‚Opfer’ ihres Partners fühlen.

Wenn zwei sich verbinden wollen zu einer liebenden, sich gegenseitig würdigenden Gemeinschaft auf Augenhöhe, dürfen sie erst mal etwas Eigenes sein und in sich selbst stehen und die gesamte Verantwortung für das eigene Glück selbst übernehmen und nicht delegieren. Frau und Mann benötigen einen guten Abstand voneinander, damit sich beide anschauen und in ihrer Unterschiedlichkeit erkennen und würdigen können.

Beide gehen immer drei Wege und nicht nur einen. Sie geht ihren, er geht seinen und beide Wege können sich dann kreuzen. Dann erst können sie sich immer wieder neu begegnen und aus diesen Begegnungen ergibt sich ein dritter gemeinsamer Weg.

Verbrenn die Schuldscheine, auf denen die Forderungen an deinen Partner stehen und schenk dir selbst zunächst das, was du am Anderen erwartest. Wenn du das kannst, schenk dem Anderen das, was du von ihm erwartet hast, aber schenk es ihm nur, wenn es dir Freude macht zu schenken und nicht, damit was zurückkommt. Dann beschenkst du dich hierdurch selbst und deinen Partner. Werde zu einem liebend und freudig Gebenden, der aus Freude gibt und sich und die Partnerschaft dadurch nährt."

Jetzt sagt bitte nicht, ist doch klar, habe ich eh gewußt. Denn prinzipiell weiß man das ja auch. Aber wenn man, nein ich muss sagen, wenn ich ganz ehrlich bin, dann gibt es viele unbewußte Erwartungen. Einfach, "weil es schon immer so war", oder "weil es schön wäre, wenn es so wäre" oder "weil ich mich dann nicht selbst entscheiden müsste" oder "weil ich dann keine Konfrontationen hätte" usw. usw. Vor allem am Beginn einer Beziehung achtet man ja sehr darauf, den anderen nicht zu überfordern und man gibt sehr viel. Mit ganz viel Energie und Phantasie, und da kommt es gar nicht so sehr drauf an, ob man etwas zurückbekommmt.  

Im Laufe der vielen Jahre läßt das durch die verschiedensten Umstände ganz schön nach. Manchmal merkt man es nicht einmal. Man wird nur unzufriedener und irgendwie enttäuscht. Aber natürlich verändern sich die Menschen im Laufe eines Lebens und je älter man wird, um so mehr findet jeder seinen eigenen Weg, den er geht. Das heißt aber nicht, dass es keinen gemeinsamen mehr gibt. Nur eben anders. Mir gefällt der Absatz von Betz mit den drei Wegen sehr gut. "Sie geht ihren, er geht seinen und beide Wege können sich kreuzen". Immer wieder. Das macht es spannend, erhält aber jedem seine Individualität und auch seine Freiheit. Ich finde, das ist ein wunderschönes Bild. So habe ich das noch gar nie gesehen. Da heißt, ich darf "mein eigenes  Ding" machen, meine Interessen verfolgen, neue Perspektiven entwickeln, das ist nicht schlecht, sondern spannend für die Beziehung. Ich darf und soll mich um meine eigenen Bedürfnisse kümmern und nicht erwarten, dass ein anderer es tut. Ich will auch kein "Verbraucher" sein, sondern eine interessante eigenständige und sich immer weiter entwickelnde Persönlichkeit. Eine auf Augenhöhe. Keine, die sich selbst weiter unten ansiedelt und auf Zuwendung hofft. Ich bin genug. Ich bin lebendig. Ich bin Energie.

Und eine eigene Person auf ihrem Lebensweg, der sich gerne mit anderen kreuzen darf, vielleicht ein Stück parallel geht, dann wieder eine Kurve macht und sich trotzdem immer wieder trifft. Mir hat dieser Text sehr gut getan. 

 

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