Montag, 17. September 2012

Sch... Wochenende

Mein Wochenende war (mal wieder) mehr als bescheiden. Ich will gar nicht mehr auf nähere Einzelheiten eingehen, aber ich war enttäuscht, genervt, wütend, habe geheult, nicht gut geschlafen und vor allem ganz viel nachgedacht.

Gestern war das Wetter so herrlich, da konnten einen schlechte Gedanken gar nicht dauerhaft runterziehen. Ich war in meinem geliebten Garten, habe die Pflanzen beobachtet, versucht, die Stimmung aufzusaugen und habe wieder nachgedacht. Die Welt ist so schön, die Natur genial, immer wiederkehrend, nach einem bestimmten Rhythmus, egal, ober der Sommer davor gut oder schlecht war, egal, ob der Winter zu kalt oder zu warm war, es kommt immer wieder Frühling und das ganze geht von Neuem los. Neu, jedesmal mit neuer Power und ganzem Einsatz, die Natur läßt sich da nicht sonderlich beeindrucken. Immer wieder von vorn. Vielleicht mit kleinen Änderungen oder Anpassungen, aber doch im großen und ganzen nach demselben Schema. Warum sollte das nicht auch für uns Menschenkinder gelten?

Auch wenn ich oft gestolpert bin oder Hürden ausweichen mußte, auch wenn ich oft enttäuscht wurde und immer noch werde, ich bin und bleibe trotzdem ich. Mit meinen Gefühlen, Träumen, Hoffnungen, mit meinen Ansichten, Vorlieben und Schwächen. Ich ganz allein bin für mein Leben verantwortlich und das muß ich endlich mal verstehen. Es war schön, das bis hierher auch mal andere liebenswürdige Menschen da waren, die mir geholfen und mich gestärkt haben, aber ich kann das auch alleine. Wenn jemand wohlwollend und fürsorglich ist, schön, wenn nicht, auch nicht tragisch. Nur die Enttäuschung tut sehr weh und ist sehr anstrengend und kräftezehrend, wenn man auf andere gehofft und gewartet hat, und dann nichts kommt. Oder schlimmer noch, Spott und Häme kommt. Aber trotzdem oder gerade deswegen - "Hallo Welt, hier bin ich".  Ich habe noch lange nicht aufgegeben, bin immer noch nicht kaputt (nur manchmal kurz davor) und weiß gar nicht, wo ich die Kraft hernehme. Ich habe sie einfach. Manchmal glaube ich wirklich, es gibt so eine Art "höhere Macht", so eine Art Schutzengel, oder egal wie man es nennt, so eine Art ausgleichende Gerechtigkeitsinstanz. Mir ist es im Leben schon oft so ergangen, daß ich durch neue Menschen, Möglichkeiten, neue Gedanken, die ganz plötzlich da waren, weitergetragen wurde.

Ich bin der Mensch, der für mich zuständig ist, kein anderer. Und wenn es sowas wie eine fürsorgliche Schutzmacht für mich gibt, irgendwo da oben, dann umso besser. Zunächst ziehe ich mich mal wieder aus dem Sumpf der schlechten Emotionen.

Es gibt übrigens nichts Hilfreicheres als die Natur, ganz ehrlich. Egal, wie schlecht es einem geht. Schaut euch mal einen Baum an, seine Wurzeln, sein Blattwerk. Er kann sovielen Stürmen trotzen und selbst wenn mal was abbricht, kriegt er einfach einen neuen Trieb. Oder das Meer. Am Meeresufer zu sitzen, die immer wiederkehrenden Wellen zu sehen, das Salz zu riechen und auf der Haut zu spüren, das sollten wir uns viel öfter gönnen. Ich bin sicher, es würde vielen Menschen helfen.

"Was immer du tun kannst oder wovon du träumst, fang es an. 
In der Kühnheit liegt Genie, Macht und Magie."

Johann Wolfgang von Goethe






Kommentare:

  1. Jeder kann nur ein Leben leben und zwar sein eigenes. darum gibt es niemanden, den man dafür verantwortlich machen kann außer sich selbst. Natürlich lebt niemand im luftleeren Raum und Interaktion mit anderen Menschen ist überlebenswichtig. Aber was wir wollen, was wir tun und was wir zulassen und vor allem wie, das liegt nur in uns. So isses. So einfach und so schwer.

    Grüße! N.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Eva,
    Dein Beitrag macht mich betroffen. Ich kann Deine Empfindungen und Gefühle so gut nachvollziehen (bin auch oft enttäuscht worden und meine erwaschenen Kinder geben mir meistens nicht das, was ich brauche).
    Aber ich habe mir ein dickeres Fell zugelegt. Ich versuche damit umzugehen. Nicht alles an mich ranzulassen. Früher habe ich meistens geweint. Hat mich immer sehr viel Energie gekostet. Heute gehe ich einfach weg. Raus, in die Natur. (auch in die Brombeeren).
    Wie Du es so schön beschrieben hast: die Natur ist so hilfreich! Die geheimnisvolle Ordnung vom Werden und Vergehen, die sich so gut beobachten lässt. Irgendwie macht mir das Mut. Obwohl mir der Tod meines Mannes auch die Hoffnung gestohlen hat. Die Hoffnung auf ein paar schöne Jahre/oder auch Jahrzehnte. Ich weiß zwar, dass er nicht sterben wollte, er wurde nicht gefragt... Aber für mich fühlt es sich manchmal so an. Dabei bin ich doch Christ und sollte die Hoffnung so sehen, dass er bei Jesus Christus aufgehoben ist, aber es verunsichert mich.
    Und wenn ich mich dann in meiner Trauer von meinen engsten Leuten um mich rum nicht angenommen fühle, kommt eine große Verzweiflung hoch, etwas nie Dagewesenes, macht mich ohnmächtig.
    Und trotzdem versuche ich immer dagegen anzukämpfen. Ich bin erst Anfang 50, wer weiß, was das Leben für mich noch bereithält?!
    Liebe Eva, es ist mir schon bewusst, das mein Leben ganz anderes gelagert ist als das Deine. Ich möchte quasi am Tod "das Leben" lernen. Was mein Leben auf dieser Erde kostbar macht. Und was ich zurücklassen möchte, wenn ich selbst nicht mehr lebe. Vielleicht kannst DU etwas daraus mitnehmen?
    Liebe Grüße
    Marita

    AntwortenLöschen
  3. liebe eva, das gilt auch für uns, dass es irgendwie immer weiter geht. es ist eine binsenweisheit, aber sie trifft den punkt: nur die tiefpunkte, die wir durchleben bringen uns wirklich weiter. nur durch sie werden wir zu dem was wir sind. die guten tage sind ein bonus, an dem wir uns freuen dürfen und die wir auskosten sollten. so lange ich dich kenne - es ist noch nicht so lange, ich weiß - bist du immer wieder gestärkt und mit neuen ideen aus "talsohlen" herausgeschritten. du bist stark, selber ein kleiner baum! schaff dir, wenn möglich, noch eine dickere rinde an! lieben gruß von sabine

    AntwortenLöschen

Über nette Kommentare freue ich mich: