Samstag, 28. Juli 2012

Kennt sich jemand aus im deutschen Arbeitsrecht?

Ich meine, so richtig. Ich habe folgende Frage/folgendes Problem: Ich bin auf Lohnsteuerkarte angemeldet und habe einen Arbeitsvertrag über 60 Stunden pro Woche. Das heißt doch auch, ich habe einen ganz normalen Urlaubsanspruch. Soweit, so gut. Meine Chefin sagt nun, dass ich ja auf Stundenbasis bezahlt werde und dass ich auf jeden Fall die 60 Stunden im Monat ableisten muss. Falls nicht, zum Beispiel durch Urlaub, falle ich stundenmäßig ins Minus. Das heißt, ich muss meine Urlaubstage entweder vor- oder nacharbeiten, was wiederum heißt, dass ich unbezahlten Urlaub habe. Oder? Ich verstehe das wirklich nicht. Ich bin doch normale Angestellte. Und ok, ich bekomme die 60 Stunden auch bezahlt, falls ich mal nur 55 Stunden gearbeitet habe. Dass ich dann ins Minus rutsche, ist ja klar. Aber durch Urlaub? Ich habe auch bei der Personalabteilung nachgefragt, die sind extrem unfreundlich und drücken sich sehr unklar aus. Ich habe es nicht verstanden. Da traut man sich natürlich kaum, nochmal nachzufragen.

Kennt sich da irgendjemand aus? Oder hat jemand zufällig einen 60 Stunden pro Monat Arbeitsvertrag? Wenn ich übrigens halbtags tätig wäre, sprich 80 Stunden, wäre das angeblich hinfällig. ??? Ich habe meistens eh mehr als 60 Stunden. Das heißt doch, ich sollte mich halbtags anstellen lassen, oder? Dann muss ich allerdings auch wirklich immer die 80 Stunden machen, was mir bei der momentanen Familiensituation noch schwerfallen würde, in zwei/drei Jahren wäre das kein Problem.

Ich habe momentan stark das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Aber ich weiß nicht, wo ich mich erkundigen könnte. Der Urlaub steht mir wohl angeblich zu, aber ich muss ihn vor- oder nacharbeiten. Also, vielleicht habe ich auch ein Brett vor dem Kopf, bitte helft mir mal auf die Sprünge.


Kommentare:

  1. Hallo Eva,
    ich gehe jetzt mal davon aus, daß Du 60 Stunde im Monat arbeitest, ist etwas verwirrend, was Du am Anfang geschrieben hast.
    Für geringfügig Beschäftigte (bis 400 €) gelten die gleichen Rechte wie für herkömmliche Beschäftigungsverhältnisse. Du verdienst über 400 €, so kann für Dich auch nichts anderes gelten.
    Beim Urlaubsanspruch ist bei Teilzeitbeschäftigten zu beachten, an wie viel Tagen in der Woche gearbeitet wird und diese Tätigkeit ist dann beim Urlaubsanspruch in Relation zu einer Vollbeschäftigung zu bringen, d. h. es erfolgt ein anteilige Berechnung der Urlaubstage.
    Gibt es für Euer Unternehmen einen Beriebsrat? - da könntest Du Dich hinwenden. Dann gibt es ja noch das Arbeitsgericht, an das ich mich mal wenden würde. Einer Gewerkschaft wirst Du vermutlich nicht angehören, so daß Du da keine Einkünfte einholen kannst. Dein Mann ist doch auch berufstätig. Evtl. könnte er sich ja mal bei seiner Personalabteilung erkundigen.
    Es ist ein schwieriges Thema, das Du da angehst, aber Recht muß Recht bleiben und man muß als Teilzeitkraft aufpassen, daß man nicht über den Tisch gezogen wird...
    Viele liebe Grüße. Evi

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  2. Ja, ich muss 60 Stunden pro Monat arbeiten. Ich war bisher immer ganz normale Angestellte, also Vollzeit, darum kenne ich mich mit Teilzeit überhaupt nicht aus. Es gibt keinen Betriebsrat. Nur eine Personalabteilung. In meinem Anstellungsvertrag steht überhaupt nichts über eine Urlaubsregelung. Darum habe ich mich ja erkundigt und die haben gesagt, klar steht ihnen der gesetzliche Urlaub zu. Warum muss ich den dann reinarbeiten? Dann ist er doch quasi unbezahlt? Der Personalmensch war aber derart unfreundlich, da habe ich keine weitere Nachfrage mehr gewagt. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ein deutsches Unternehmen sich nicht an die Gesetze hält. Das kann doch gar nicht sein. Vielleicht bin ich einfach zu trottelig, das zu verstehen. Andere Kolleginnen mit 60 Std./Monat schildern mir das gleiche Prozedere. Ich würde mich auch gerne bei einem Arbeitsrechtler beraten lassen, aber das kostet doch eine Menge Geld, oder? Ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich ab heute 14 Tage Urlaub und habe für Juli die nötigen Stunden schon bei weitem überschritten. Dürfte also kein Problem sein.
    Bitte frag doch mal deinen Mann, vielleicht weiß der ein bißchen mehr.
    LG Eva

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  3. Selbstverständlich hast du Urlaubsanspruch. Sogar 400EUR-Minijobber haben den! Teilzeitangestellte noch viel mehr.
    Wenn du zum Beispiel im Durchschnitt 2 Tage in der Woche arbeitest, hast du 8 Tage im Jahr Urlaubsanspruch. Das muss immer vergleichbar sein, mit dem gesetzlichen Anspruch auf Mindesturlaub von 4 Wochen für Vollzeitangestellte (bei 5-Tage-Woche haben die 20 Tage Mindestanspruch, bei 6-Tage-Woche 24 Tage).
    Beispiel: Arbeitest du also die 60 Monatsstunden zwei Tage in der Woche ab (also ca. 7,.. Stunden pro Einsatz, muss die Chefin dir acht Tage Urlaub mit jeweils sieben Stundensätzen bezahlen rsp. frei geben).
    Arbeitest du die 60 Monatsstunden in drei Tagen pro Woche ab (also ca. 5, .. Stunden pro Einsatz, dann 12 Tage mit 5 Stundensätzen).
    Es gibt da genaue Tabellen, wo das aufgelistet ist. Falls du Minijobberin bist, bekommst du hier genaue Auskunft.

    Grüße! N.

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  4. Hallo Eva,
    der Hinweis von Nelja ist sehr gut. So kannst Du mal berechnen, wie es bei Dir aussieht. Du darfst aufgrund Deiner Teilzeitbeschäftigung jedenfalls nicht benachteiligt werden.
    Bevor Du zu einem Rechtsanwalt gehst, erkundige Dich doch ganz einfach bei dem für Dich zuständigen Arbeitsgericht. Außerdem eine Beratung bei einem Rechtsanwalt kostet doch auch nicht die Welt, so was kann der doch im Stegreif beantworten und Du hast Gewissheit, brauchst Dich nicht zu fragen, zweifeln und das ist doch was wert.
    Schau mal noch etwas im www nach, da findest Du doch auch noch Infos.
    Mein Mann ist selbständig und hier nicht auf dem akutellen Stand.
    Viele liebe Grüße
    Evi

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  5. ich kann nur bestätigen, was nelja und evi sagen. als ich teilzeit gearbeitet habe, egal wieviele stunden, standen mir prozentual genau so viele urlaubstage zu wie allen anderen. teilzeitangestellte sind den vollzeitangestellten in jedem fall gesetzlich gleichgestellt. für eine erstberatung sind die anwaltsgebühren gedeckelt, soweit ich weiß bei 200 EUR. ich würde aber, wie evi vorschlägt, zuerst beim arbeitsgericht nachfragen. ich kenne deine chefin nicht, weiß nicht wie du mir ihr klar kommst, würde aber wenn möglich einen termin mit ihr machen und ihr erklären, dass es nicht richtig ist, dass du gegenüber den vollzeitkräften benachteiligt wirst. bei mir gab es mal krankheitsbedingt so eine ungerechtigkeit, ich habe im 4-augen-gespräch mit der personalchefin darauf hingewiesen, dass ich krankheitsbedingt gegenüber den kollegen nicht benachteiligt werden darf, ohne mit dem anwalt zu drohen, hat das gereicht die ungerechtigkeit aus der welt zu schaffen. lieben gruß von sabine
    ps. mach dir trotzdem einen schönen urlaub und grübel nicht die ganze zeit daraüber nach. es ist ungerecht und es ist unmotivierend aber nicht wert dir den urlaub zu verderben.

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