Freitag, 29. Juni 2012

Flüchten oder standhalten

Meine Woche war geprägt vom Arbeiten. Vom viel Arbeiten. Eine Kollegin hat sich unangemeldet und ohne zu fragen die Bänder gerissen und fällt bis auf weiteres aus. Da diese Woche verschiedene Sale Aktionen gelaufen sind, mußten die meisten "Schichten" doppelt besetzt werden und die fehlende Kollegin ersetzt werden. Ganz ehrlich, ich habe momentan das Gefühl, ich habe keine Füße und keinen Rücken mehr.

Dann war mein Mann die ganze Woche unterwegs, kommt erst heute spät abends wieder. Ich hatte also "nur" meine Jüngste daheim, die Große ist im Urlaub. Ich hatte mich auf ein Mehr an freier Zeit gefreut, dabei aber vergessen, dass die Jüngste einmal jeden Tag abends Tanztraining hat und zum zweiten in der letzten Schulwoche so gut wie nichts mehr normal läuft. Vom Schulfest über Schulfrühstück bis zum heutigen letzten Schultag 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr (???) ging nichts routinemäßig. Busse fuhren teilweise nicht oder waren unglaublich überfüllt. Echt eine Zumutung. Und das meiste hat mit meinen Arbeitszeiten kollidiert. Ich habe sehr viel meiner "freien" Zeit im Auto mit Fahrdiensten verbracht, soweit eben möglich, den Rest mit Diskussionen, warum ich jetzt nicht fahren kann  (muß arbeiten) und der  völlig vermessenen Frage, ob denn nicht auch mal ein anderes Elternteil einspringen könnte (nein, konnte nicht). Ich finde das sehr ärgerlich, weil ich nicht aus "ich hab keine Lust" nicht fahren konnte, sondern weil ich eben arbeiten mußte. Einige Termine konnten eben nicht gehalten werden, was wieder zum Unmut der Tochter führte.

Jetzt sitze ich auf meiner Terrasse und höre das erste Donnergrollen in der Ferne. Es wird wohl noch ein saftiges Gewitter geben heute.

Und ich bin in Gedanken bei meiner Jüngsten. Auf nähere Details möchte ich verzichten, nur soviel: Sie wächst jetzt und in diesem Moment total über sich hinaus. Sie ist eine überaus kluge, leider auch sehr sensible junge Dame, die sich sehr sehr viele Gedanken über Dinge macht, die andere nicht mal bemerken würden. Sie hat viele Unsicherheiten und Ängste, weiß das allerdings auch und stellt sich in diesem Moment eben ein paar von diesen. Jeder andere hätte versucht, der Situation zu entgehen oder mit einer Ausrede daher zu kommen, aber sie möchte da durch, auch wenn es ihr auch noch so schwer fällt. Dafür bewundere ich sie sehr. Natürlich hat jeder Mensch Ängste und Unsicherheiten, aber als 16 jähriges Mädel empfindet man diese vermutlich besonders intensiv.

Sie weiß genau, wenn sie die Situation umgeht, wird sie sich schlecht fühlen. Um sich zu stellen, fühlt sie sich schon seit Tagen vorher schlecht, hat aber die Option darauf, sich nach diesem Abend besser zu fühlen. Sie hat seit Tagen Angst davor, heute mittag hatte sie Bauchweh und wäre am liebsten im Bett verschwunden. Es handelt sich um etwas, was sie nicht zwingendermaßen hätte tun müssen, sie hätte auch hierbleiben können. Ich habe es ihr freigestellt und ihr mein Wohlwollen, egal wie die Entscheidung ausgefallen wäre, zugesichert. Sie beißt sich aber durch. Ich denke an Sie und bin jetzt schon megamäßig stolz auf meine Kleine! Allein das Standhalten hat sie sehr viel Kraft gekostet.

Ich hoffe, daß es eine positive Sache wird, damit der ganze Nervenstreß nicht umsonst war. Und damit sie merkt, was für eine außergewöhnliche kleine Persönlichkeit sie doch ist. Es geht für sie  um eine rein  persönliche Erfahrung, nicht um Erfolg oder sowas. Sie stellt sich nur ihren Unsicherheiten. Was heißt da nur...


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