Donnerstag, 10. Mai 2012

Neue Erkenntnisse und neuer Hut

In den letzten beiden Tagen habe ich mir (mal wieder) viele Gedanken über mich und mein Leben gemacht. Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich nicht uneingeschränkt glücklich und zufrieden bin, obwohl es eigentlich nichts gibt, dass sich diesen Empfindungen entgegenstellt. Dabei sind mir einige Dinge klargeworden:

1. Als ich ein kleines Mädchen war und auch später noch in der Pubertät  war der Kosename meiner Mutter für mich: "Dicke". Ich war als ganz kleines Kind ein sehr schlechter Esser, wurde mit sechs Jahren in "Kindererholung" in der Schwarzwald verschickt, ein Jahr vor meiner Einschulung. Da musste man stundenlang spazierengehen und hatte abends so einen Hunger, dass man alles gegessen hätte. Sechs Wochen Vollhorror, alleine, ohne Eltern, aber essen habe ich gelernt. Ab da war ich nicht dick, aber wesentlich fülliger als vorher. Meine Mutter meinte das Wort "Dicke" nicht abwertend, aber es war halt nicht toll, in der Öffentlichkeit so gerufen zu werden. Ich habe seit ich ungefähr 17 war extrem auf meine Figur geachtet und war seitdem sehr schlank. Vermutlich verbinde ich mit jedem Kilo zuviel irgendwie die Erinnerung an diese blöde Bezeichnung "Dicke", deshalb kriege ich die Krise, wenn ich mein momentanes Gewicht sehe.

2. Ich muss mir immer wieder bewußt machen, dass eine Person nicht allein aufs Aussehen reduziert ist. (das weiß ich natürlich, aber bei mir selber vergesse ich das oft). Es kommt auf das "Gesamtpaket" an, also auf die Art, auf das Lächeln, die Art und Weise zu sprechen, sich zu bewegen, sich zu kleiden, das alles ist genauso wichtig. Und ich bekomme wirklich häufig von gänzlich fremden Kunden positive Rückmeldungen. Aber ich nehme das nicht so ernst, sondern denke nur an meine "Defizite". Das muß sich ändern.

Da kommt das inzwischen angekommene Christine Kaufmann Buch ins Spiel. Die Frau ist klasse und hat Klasse. Sie erzählt, wie sie früher die Hollywood Stars, zum Beispiel Ava Gardner empfunden hat. Als reife Frau, die gut geduftet hat, sowas wie eine geheimnisvolle Aura hatte und die nie billig gewirkt hat. Es hat höchstens mal ein Stück Spitze vom Unterrock durchgeblitzt, was Raum für Phantasie läßt. Das hat diese Frauen interessant gemacht. Auch oder gerade im reiferen Alter. Sie wurden bewundert, nicht blöd angeguckt, weil sie nicht mehr so schlank oder straff waren  wie früher.

Und Christine Kaufmann geht eingehend auf die heutige Art der Bilder und Fotografie ein. Jedes abgebildete Model ist irgendwie mit einem "Fotoprogramm" bearbeitet, das heißt, eine "normale" Frau, wie sie wirklich aussieht, sehen wir nie. Wir sehen uns allerdings ganz real im Spiegel und denken, oje (vor allem in den Umkleidekabinen, von allen Seiten beleuchtet wie der Kölner Dom, kreisch). Die hochglanzillustrierten Damen haben aber nichts mit der Realität zu tun. Selbst die hübschen jungen Mädels sind "bearbeitet" und sehen so nicht aus. Wir brauchen also wieder eine Bewegung, die zur Natürlichkeit tendiert. Auch wenn man älter wird, kann man durchaus attraktiv sein, nur halt anders als mit 20.

3. Mut zur eigenen Art. Jeder Mensch ist anders. Das macht es ja gerade interessant. Die Krux an der Sache ist, dass ich das nur bei anderen so sehe und nie bei mir selbst. Aber gerade seine "Eigenarten" oder "Besonderheiten" zu pflegen, das macht die Persönlichkeit aus. Ich werde also versuchen, mich nicht mehr zu verbiegen, sondern so wie ich bin meine Stärken zu unterstreichen.

So, das war wieder mal das Wort zum Donnerstag!

Gesagt, getan. Um mir was Gutes zu tun, war ich heute morgen ausgiebig bummeln. Ich brauche ja immer noch ein Outfit für den Abiball meiner Tochter. Ich habe drei schöne Kleider gefunden und alle drei gekauft (zur Auswahl). Ich werde sie in einer ruhigen Minute (also heute nicht mehr) nochmal anprobieren und dann schauen wir mal.
Eins ist ein vom Schnitt eher normales Jersey-Kleid, aber in knallrot. Dasselbe habe ich nochmal in braun mitgenommen. Ich finde, es steht mir gut, ist aber nicht so auffällig wie das rote. Und dann habe ich ein petrol farbenes von Esprit, das durch einen geschickten Effekt so aussieht, als sei es gewickelt. Das unterstreicht meine Kurven, die ich nunmal habe. Die Farbe steht mir auch ganz gut. Schauen wir mal.

Außerdem habe ich mich spontan in einen riesigen Sonnenhut bei H&M verliebt. Ich habe sehr dicke Haare und die meisten Hüte sind mir zu klein. Dieser paßt und ich finde ihn toll.



Außerdem habe ich mir einige Bücher gekauft als Lesestoff und "Seelenfutter". Und frische Ananas, Erdbeeren, Blaubeeren und Äpfel.

War eigentlich soweit ein ganz guter Tag.




Kommentare:

  1. Na das klingt doch gut. Mach dich hübsch zum Abiball. Das petrolfarbene klingt gut.

    Ha, so einen Hut hab ich auch, die sind toll für den Sommerteint, das gibt gleichmäßige leichte Bräune ohne Verbrannte Stellen und ohne böse UV-Falten. ;)

    Grüße! N.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau! Der hat so eine breite Krempe, der deckt ganz viel ab, auch ein bißchen Dekolleté. Leider hat meine Große den Hut auch schon entdeckt und findet ihn ganz toll... Aber ich gebe ihn nicht her!
      LG Eva

      Löschen
  2. ich persönlich würde zum roten tendieren - ich mag den song "lady in red" - dass du gleich drei kleider gefunden hast, finde ich sensationell. wenn ich für einen bestimmten anlass etwas suche find ich meistens nix, kaufe dann irgendwas, das so einigermaßen geht, und zieh letztendlich was an, das ich schon ewig im schrank habe und in dem ich mich wohlfühle. den hut habe ich auch schon probiert, leider steht er mir überhaupt nicht, vielleicht weil bei mir kaum haare drunter vorschauen. lieben gruß von sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ehrlich? Ich finde schon meistens was, aber ich kann mich so schlecht entscheiden. Vielleicht lass ich mich mal fotografieren, dann könnt ihr die Kleider sehen. Ich habe heute wieder festgestellt, dass ich super gerne shoppen gehe. Am liebsten alleine, dann kann ich mich am besten konzentrieren. Hat Spaß gemacht!
      LG Eva

      Löschen
  3. Hallo !

    Das hast du toll geschrieben. Ich kann es dir übrigens sehr nachempfinden. In meiner Kindheit war die Figur immer sehr ein Thema. Mein Papa legt nämlich sehr viel wert auf die schlanke Linie und meine Schwester und ich hatten beide ein kleines Bäuchlein, über das er sich immer wieder abwertend geäußert hat.

    Nie waren wir gut genug in seinen Augen. Meine Schwester hat das in die Magersucht getrieben, mir hat er damit sehr weh getan. Und das Gefühl, nicht zu reichen, das hält immer noch an.

    viele Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir macht das fast schon Angst, wenn ich denke, welche Weichen man in der Kindheit stellt, die solche Auswirkungen auf ein ganzes Leben haben. Ich hoffe sehr, dass ich meine Töchter positiver ins Leben entlassen werde. Aber vermutlich habe ich andere Fehler gemacht. Das ist so eine riesige Verantwortung, schon der Hammer. Du bist ja noch mitten in der Familienphase, sei dir dieser Verantwortung bewußt!!
      LG Eva

      Löschen

Über nette Kommentare freue ich mich: