Freitag, 11. November 2011

Der Trend geht zum Drittauto

Seit Mitte Mai ist meine Große 18. Vor diesem Tag war ich der festen Überzeugung, daß zwei Autos bei drei führerscheinbesitzenden Personen eigentlich reichen müßten (man kann sich ja absprechen und so). Haha, naive Eva. Trotzdem habe ich bis vor ein paar Tagen an meiner Meinung festgehalten, obwohl ich im Inneren schon längst wußte, so geht das nicht.

Diese Woche also Richtungswechsel und Meinungsänderung: Wir brauchen ein drittes Auto, ansonsten dreh ich durch, zieh ich aus, wechseln mein Mann und ich den Beruf und gründen ein Taxiunternehmen oder es passiert was Schlimmeres.

Es gab ja schon immer Diskussionen, wann und wie oft Töchterlein 1 mein Auto nehmen darf, nicht darf, soll oder nicht soll. Das hat sich mehr oder weniger zum Dauerdiskussionspunkt und Streitpunkt in der Familie entwickelt, und ich mag einfach nicht mehr. Tochter 1 hat in diesem Punkt so eine entwaffnende Argumentationstechnik und dazu so eine grundlegende Verständnislosigkeit, daß es einem regelmäßig die Sprache verschlägt.

Diese Woche hatte beispielsweise Tochter 2 um 16.00 Uhr einen Artztermin im 30 Minuten entfernt gelegenen Städtchen. Um 18.30 mußte sie in der Tanzschule sein, um 18.00 Uhr wollte die Große mein Auto, weil sie zum Jobben fahren mußte. Knapper Zeitplan, aber machbar. Ich bin also um halb vier mit Tochter 1 zum Arzt gefahren. Das hat insgesamt bis viertel nach fünf gedauert, ich habe sie dann vor der Tanzschule rausgelassen und habe mich ab auf den Heimweg gemacht.

Wie gesagt, 18.00 Uhr war deadline, die Große brauchte das Auto. Mal abgesehen davon, daß ich mir den ganzen Nachmittag um die Ohren geschlagen habe und vielleicht auch noch gerne ein Stündchen bummeln gegangen wäre, mal abgesehen davon, daß gerade Feierabendverkehr auf der Autobahn war, habe ich mich echt beeilt. Ich konnte nichts dafür, daß Stop and Go Verkehr angesagt war und ich für die Heimfahrt ein paar Minuten länger gebraucht habe. Unterwegs kamen mehrere Anrufe und SMS meine Großen, wo ich denn bleibe, was das denn solle, und blabla. Hat mir kaum Druck gemacht. Mein Adrenalin ist echt gestiegen, aber es ging halt nicht schneller. Fliegen kann ich nicht. Ich war genau um 8 Minuten nach 18.00 Uhr daheim. Haus leer!  Mein Mann war ausnahmsweise mal früher daheim und hat das Töchterlein direkt zur Arbeit gefahren. Und ich stand völlig entnervt da und habe mich geärgert.

Tags drauf sollte ich um 13.00 Uhr anfangen zu arbeiten. So gegen halb zwölf kam ein Anruf meiner Großen, die ihr Handy bei ihrer Job-Stelle vergessen hatte und somit nicht erreichbar war. Sie sagte nur, ach gut, du bist noch da, dann komm ich ja rein, ich habe nämlich auch meinen Schlüssel vergessen (Anruf kam von einem anderen Handy). Zack, aufgelegt. Ich hatte keine Möglichkeit zu sagen, daß ich nur bis ca. halb eins daheim sein werde, weil ich ja arbeiten muß. Ich konnte sie nicht fragen, wann sie denn nun konrekt heimkommt (so wie immer oder fällt was aus oder wie oder was). Und sie hatte keinen Schlüssel. Super!

Ich kam mir echt vor wie blöd, hab mir Gedanken gemacht, ob sie den Schlüssel wohl findet, wenn ich ihn irgendwo hinlege. Aber ich konnte ja schlecht einen Zettel an die Haustür hängen, Achtung Schlüssel liegt unter der Mülltonne oder so. Also, Mann angerufen, nicht erreicht. Tochter 2 angerufen (auf derselben Schule wie Tochter 1), aber die hatte Bio und konnte auch nicht weg. Ich habe also eine sehr unruhige letzte Stunde daheim verbracht und wußte nicht, was ich tun soll.  Zehn Minuten bevor ich gehen mußte kam eine quietschvergnügte große Tochter durch die Tür. "Was hast du gekocht?"

Da habe ich gekocht und zwar innerlich. "Gekocht habe ich nichts, weil ich nicht mit dir gerechnet habe". Eigentlich hätte sie Mittagsschule gehabt und in der Schule gegessen. Töchterlein: "Ich habe paar Freistunden, muß heute mittag nur nochmal zum Sport. Kann ich dein Auto haben?" Diese unschuldige Ahnungslosigkeit, ich hätte echt Schreien könnnen. Kein Gedanke darüber, daß sie meine ganze Planung komplett durcheinander schmeißt, weil sie in der Freistunden lieber mal heimkommt, ohne Schlüssel, ohne Handy, und gar nicht versteht, warum ich mich denn schon wieder aufrege.

Wir sind also ins Auto gehüpft (in meins!), sie hat mich zur Arbeit gefahren, hat sich unterwegs was zu essen gekauft, ist wieder heimgefahren, später dann zur Schule und hat mich danach von der Arbeit abgeholt.

Nein, so geht das nicht. Ich kann nicht von Stunde zu Stunde den Tag völlig neu gestalten und planen. Das ist echt mega anstrengend, man betreibt die Quadratur des Kreises, hetzt sich ab, kommt zu nichts und wird dann auch noch völlig fassungslos angeguckt: "Reg dich doch nicht auf, chill mal." Ich war echt fix und fertig und den Tränen nahe, aber sie konnte gar nicht verstehen warum.

So ähnlich sind bei uns die Tage immer. Ich kriege kaum mal eine Stunde Walking unter, ohne daß irgendwer irgendwohin gefahren werden muß oder geholt werden muß. Idealerweise hätte ich außerdem eine 24 Stunden geöffnete Küche mit ganz bestimmter Speisekarte (Kühlschränke sind zwar voll, aber es ist angeblich nix Gescheites drin), einen Room- und Wäscheservice, eine Bankomat im Keller und - natürlich ganz wichtig - ein Auto mit Chauffeur, 24 Stunden verfügbar.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, haben wir beschlossen, pfeif auf unsere Prinzipien, wir kaufen noch ein Auto. Für mich. Damit ich wieder selbstbestimmt leben kann. Jedenfalls im Großen und Ganzen.
Und das haben wir getan. Ich kann es nachher abholen und es wird meins. Meins! Meine Große kriegt mein bisheriges zur Verfügung.

So sieht mein neues Autilein aus, ein richtiges Mädchen Auto:


Ein gebrauchter Fiesta mit nur 11.000 km, innen wie neu und in silberlila Metallic! Freu freu freu!

Wer Freudentänze seitens der Tochter erwartet hat: Fehlanzeige. Trockene Zur-Kenntnisnahme. "Wie machen wir das mit dem Benzin?"    UUUUwaaaaaahhhh....



(Post zu diesem Thema folgt, führt sonst zu weit). Nur soviel: Wir haben schon einen Plan.

Kommentare:

  1. Hallo Eva, sind Kinder nicht das Produkt unserer Erziehung, zumindest weitgehend? Ich hätte kein dittes Auto gekauft. Vielleicht hättest du deinen Mann schnappen und wegziehen sollen.

    LG Rosine ♥

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  2. Hey, also ich finde die Art und Weise wie deine Tochter mit dir umgeht schon tlw unverschämt, sowas hätte ich mich NIE getraut bei meinen Eltern und ich wurde überhaupt nicht streng erzogen! Ich hätte auch kein drittes Auto gekauft, wir sind auch 3 Führerscheinbesitzer hier und haben mit 2 Autos überhaupt kein Problem, man muss sich halt einfach arrangieren und auch mal zurückstecken können, das muss man auch in anderen Lebenslagen.
    Dennoch viel Spaß mit dem neuen Auto und lass dich nicht unterkriegen von deinen Mädels ;-)
    LG, Susi

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  3. Rosine:
    Ich habe sie so nicht erzogen, echt nicht. Ich bin mehr als einmal am Tag sehr überrascht über ihre Meinungen, Einstellungen und über ihre Haltung. Sie ist ein sehr starker Charakter (Sternzeichen Stier), das ist für den Rest des Lebens vielleicht gar nicht so schlecht. Nur im Umgang mit mir würde ich mir schon mehr Rücksicht wünschen. Ich bin vom Sternzeichen Fisch, also das krasse Gegenteil. Und ich hatte (habe) eine extrem dominante Mutter, die mir immer gesagt hat, was ich zu tun und zu lassen habe. Daher fällt es mir immer noch schwer, mich dem Willen anderer zu widersetzen.

    Susi:
    Ich hätte mich das meinen Eltern gegenüber auch nie getraut, ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen. Deshalb bin ich ja manchmal so überrumpelt, weil ich mit so einem Verhalten nicht viel anfangen kann. Ich bin dann wirklich sprachlos und muß das erstmal überdenken. Aber das wird schon.

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  4. Liebe Eva,

    du schreibst sehr interessant. Ich lese alles bei dir
    Mein Urteil:
    Du erwartest zuviel vom Leben.

    Liebe Grüße von Elisabeth, die allein ist, weil
    vor 4 Tagen ihre Schwester von ihren Leiden erlöst wurde.

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  5. Ich finde es ja ganz tröstlich, dass deine Tochter ähnlich dreist und selbstverständlich nur um sich selbst kreist, wie mein "Kleiner", gerade 18 Jahre alt. Ich könnte ihn mehrmals am Tag sonstwohin verfrachten und er schaut mich mit seinem herzallerliebsten Dackelblick an...
    Zum Glück brauchen wir hier mitten in Hamburg keine Autos. Ich würde wahnsinnig werden. Und ja, ich gestehe ihm auch mehr zu, als ich jemals dachte. Jedenfalls ist meine Große freundlicher (aber durchaus auch fordernd). Ich freue mich wirklich, wenn die Beiden mal ihr eigenenes Geld verdienen...
    Beste Grüße
    terschies

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Über nette Kommentare freue ich mich: