Mittwoch, 30. November 2011

Bin wieder daheim

So, nach 5,5 Stunden ununterbrochenem Einsatz hinter der Kasse bin ich wieder daheim. Es war wirklich ein sehr anstrengender Tag, aber doch habe ich das Gefühl, etwas geschafft zu haben und dadurch eine gewisse Zufriedenheit. Schon um neun heute früh sind die Leutchen in den Laden gestürmt und haben stapelweise Kleidung, Spielzeug und Weihnachtsdeko gekauft. Mir sind immer wieder die Tüten ausgegangen, ich wußte nicht mehr wohin mit den "abgebügelten" Kleiderbügeln, weil es einfach so viele waren, und ich habe tausend und eine Frage beantwortet. Viele trauten der Sache nicht und haben immer wieder die Preise hinterfragt. "Kostet diese Kinderjacke wirklich nur noch 7,50 Euro? Sicher? Kann ich die trotzdem umtauschen?" Wenn man alles bejaht hatte, dann haben die Leutchen sich ungläubig in die Schlange gestellt und nach dem Kauf sehr genau den Kassenbon untersucht. Herrlich!

Andere dagegen hatten gar keine Ahnung von der Sale-Aktion. Wäre ja nicht so, dass wir 2 grosse Aufsteller vor der Tür hatten, die das angepriesen hätten (man hat sie quasi fast umgerannt). Innen an jeder Wand große rote Sale Aufhänger, an den Bügeln rote Reiter mit "Sale" und ganz viele kleinere Schilder an jedem (!) Ständer. Trotzdem ungläubiges Staunen: "Die Socken kosten doch 5 Euro!" "Nein, heute nicht, heute gibt es Prozente." "Achso, habe ich gaaaar nicht gewußt!"

Passend zu der ganzen Kauferei wurden wir mit Weihnachtsliedern beschallt. Ziemlich laut. Nach der dritten Wiederholung bestand akute Fluchtgefahr der Angestellten.  Wir haben ausgehalten. Und dann die Kinder. Während die Mamis hinter und in den Kleiderständern verschwunden sind, wurden die Kinder einfach oft sich selbst überlassen. Sie haben alle den Weg zum Spielzeug gefunden und auf wirklich jede Taste gedrückt von jedem "Musikbuch" und von jeder Figur, die irgendwelche Geräusche von sich gibt. Von Tatüüü Tataaaa bis Muuuuh und Jingle Bells war alles dabei. Auch dass die Kiddies die geschenkten Gummibärchen zwar geliebt haben, aber die Tütchen direkt vor der Kasse aufgerissen und fallengelassen haben, haben wir einfach übersehen.

Der Oberkracher war heute aber ein Opi. Ein feiner älterer Herr. So süß. Er kam mit einer Plüschfigur von Winnie Puh, dem lieben Tigger an die Kasse. Er sagte: "Hallo junge Frau, darf ich sie mal stören ?"(klar Opi, wer mich so nennt, der darf das natürlich). Er fragte mich ernsthaft, ob man den "Tigger" auch als Hund durchgehen lassen könnte, denn er bräuchte einen Hund als Geschenk. Ich bin fast abgebrochen. Hab ihm erklärt, dass bei Winnie Puh kein Hund vorkommt und dass wir ersatzweise einen schönen Plüsch-Hund anbieten könnten, aber er wollte den Tigger. Also habe ich ihm den Tigger-Hund verkauft. Wer den wohl kriegt?

Eine andere süße Geschichte ist die  einer jungen Mutter mit einem süßen kleinen Mädel. Die Kleine hat sich ein pinkes Bolero-Jäckchen mit Glitzer geschnappt und erklärt: Das will ich haben. Die Mutter meinte, guck mal, die haben hier gar nichts Passendes dazu, was man drunter ziehen könnte. Da sagte die Kleeene: Ach, da nehmen wir einfach was von zu Hause! Huuust, bei sowas muss ich mich echt umdrehen, dass ich nicht lache. Da weiß ich, warum mir dieser Job so einen Spaß macht.

Ich habe wirklich jahrelang auf den Chefetagen von großen Firmen gearbeitet. Idiotische Chefs inklusive (nicht alle natürlich, aber viele). Zickenkrieg hinter den Kulissen, Neid und Intrigen, 5 Minuten vor Feierabend den Auftrag ein 20seitiges Angebot nach Malaysia zu faxen. Natürlich ging das nie auf Anhieb durch und ich habe oft stundenlang versucht, das doofe Fax durchzukriegen (Cheffe war natürlich längst daheim). Heute würde man das vermutlich per Mail verschicken, aber vor einigen Jahren war das noch nicht üblich. Ich hatte sogar mal eine Kollegin, die bei der Postverteilung gearbeitet hat und uns ganz gezielt manche Rundschreiben verspätet ausgehändigt hat. So ein Biest! Ich habe erst sehr viel später erfahren, dass sie meinen Job haben wollte, ihn aber nicht bekommen hatte. Ich hatte mich von "aussen" beworben, hatte keine Ahnung von ihren internen "Spielchen". Naja, natürlich gibt es sowas überall, aber mein jetziger Verkaufsjob ist so ein bißchen wie im Kino. Natürlich braucht man Nerven und Geduld, ab teilweise ereignen sich sooo süße Stories, da würde man im Leben nicht draufkommen. Wenn ihr mögt, erzähle ich immer mal wieder ein kleines Geschichtchen aus dem Lädelchen, denn ich erlebe täglich lustige Sachen.

Ganz lustig war auch heute mein eigener Einkauf: Es gab ja schließlich Prozente, also habe ich eingekauft. 150 Euro, uuuups. Das war so auch nicht geplant, aber es waren ein paar tolle Sachen dabei, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte, die ich mir so nicht geleistet hätte, außerdem war auch schon das ein oder andere Geschenk dabei. Und den Tigger-Hund hätte ich auch gerne gehabt. Es gibt auch einen supersüßen Iaaaahhh, ganz weich und kuschelig.... Vielleicht morgen?

Jetzt packe ich meine geschundenen Beine hoch, und morgen gehts weiter.

To be continued.....

Kommentare:

  1. Wir beide werden nie reich!

    Aber auf der anderen Seite hast du ja heute total viel Geld gespart, wegen der Prozente.

    Das gilt bestimmt auch!

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  2. Hehe, der Tigger -Hund ich lach mich wech. Das Kind wird mächtig enttäuscht sein.

    Mir macht der Einzelhandel auch richtig Spaß. Manchmal denke ich echt, man müsste ein Buch schreiben. Gefällt mir auch viel besser, also so ein dröger Bürojob. Hatte ich auch mal.

    LG und genieße den Abend!

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  3. Liebe Eva,

    du wirst nicht arbeitslos bei deinem Talent zum
    Erzählen. - Ich lese in sehr vielen Blogs, aber
    niemand kann so gut erzählen wie du.

    Sicher gibt es noch solche Blogs, aber die habe
    ich noch nicht entdeckt.

    Erzähle weiter so.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  4. Sudda: So sehe ich das auch. Dann halt nicht reich, aber schön angezogen. Ist doch auch was, oder?

    Manu: Ein Buch schreiben ist gar nicht so abwegig. Hab ich mir auch schon überlegt. Es gibt schon sowas in der Art, aus der Sicht einer jungen Kassiererin eines Supermarkts. Ich hab selten so gelacht. Da kamen wohl Sprüche wie: Hallo, sind sie die Kasse?
    Also, wer weiß, vielleicht wartet die Welt auf unsere Betrachtungen? Dein nächster Knut liefert bestimmt eine Menge Stoff.

    Elisabeth: Freut mich sehr, dass dir mein Schreibstil gefällt. Schon als Kind habe ich Briefe an die ganze Verwandtschaft geschrieben und viel erzählt. In der Schule hatte ich später Deutsch-Leistungskurs und habe am liebsten freie Texte geschrieben. Das hat mir schon immer Spaß gemacht, und so ein Blog ist doch super geeignet, um kleine Geschichtchen zu schreiben. Ich bin ein sogenannter "Sprach-Mensch", Naturwissenschaften liegen mir nicht so.

    Ein wunderschönen Tag euch allen!

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Über nette Kommentare freue ich mich: