Samstag, 22. Oktober 2011

Nachdenkliche Eva

Hi ihr Lieben,


die meisten von Euch Blogerinnen sind doch einiges jünger als ich. Entweder ihr steht am Anfang eurer  beruflichen Laufbahn oder ihr seid dabei, eine Familie zu gründen. Das ist toll und kostet den ganzen mentalen und körperlichen Einsatz (grins).Und es ist schön. Es gibt einem ein Ziel. Das habe ich alles bereits hinter mir. Ich habe viele Jahre in renommierten Firmen als Abteilungssekretärin gearbeitet. Mit allem Zickenkrieg hinter den Kulissen, mit vorenthaltenen Informationen, die wichtig gewesen wären, mit aller Mißgunst mancher Kolleginnen, weil sie den gleichen Job hätten haben wollen. Mit einigen wenigen  ehrlichen Freundschaften, die mir heute noch viel bedeuten.
Dann habe ich eine Familie gegründet. Zwei Töchter sind daraus hervorgegangen. Eine ist inzwischen volljährig, die andere ist 15 und wird zunehmend erwachsener. Zurück bleibe ich.


 Inzwischen mache ich mir viele Gedanken über das Leben im allgemeinen (nicht, daß ich das früher nicht getan hätte, aber eben anders). Wo will (soll) ich noch hin? War das alles? Gibt es noch Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt? Ich habe nach langer Berufs-Pause zwecks Familienphase endlich einen Job gefunden, der mir Spaß macht. Jenseits der Vorstands-Sekretariate, jenseits der Banken und Industrieunternehmen. Nach einem Jahr am Empfang einer Radiologie-Praxis. Dort wurden Privatpatienten besser behandelt als Kassenpatienten. Manche Kolleginnen haben den "Chefs" die Füße geküßt. Ich konnte das nicht. Ich habe diesen Irrsinn ein Jahr lang durchgehalten. Dann wollte ich nicht mehr.


Jetzt ist es einfach ein Klamottenladen, der sowohl Kinder- als auch Erwachsenenkleidung verkauft und der mir die ganze Bandbreite der Gesellschaft vorführt. Es kommen Omas mit Enkelkindern, super pädagogische Mütter plus Sprößlinge ("Johannes, laß das" oder "Paul, gefällt dir diese Mütze?")  Johannes und Paul ist das pieps wurscht egal, aber die Mütter sind laut und ich bin froh, wenn sie wieder draußen sind. Es gibt süße kleine Mädels, die verschämt nach Röhrenjeans fragen oder engagierte Papas, die ihren Kindern etwas schönes schenken wollen, aber nicht wissen, was. Das ist super interessant und macht mega viel Freude. Karriere? Im Moment nicht mehr wichtig. Es macht mir zum ersten Mal im Leben uneingeschränkt Spaß, arbeiten zu gehen.


Wichtig wäre allerdings: Wie geht man mit dem Erwachsenwerden der Kinder um? Das sagt einem kein Mensch. Und vor allem: Was macht die "zurückgebliebene" Mutter? Ich werde älter, sehe nicht mehr so gut (brauche eine blöde Lesebrille) und auch körperlich muß ich wesentlich mehr tun als früher. Trotzdem bin ich im Geiste nicht anders als früher. Ich bräuchte einfach jemand, der mich mitzieht. Ich erinnere mich gut an eine Situation im Skiurlaub mit einer befreundeten Familie. Ich hatte einfach schon immer Angst vor Sesselliften und vermeide, wann immer es geht, sie zu benutzen. Meine damalige Bekannte hat mich einfach mitgezogen. Ach Eva, sagte sie, wir sind doch jetzt eh schon da, also laß uns doch einfach einsteigen. Und was hab ich gemacht? Ich bin eingestiegen. Ich hatte zwar Angst, aber es war toll.  Hätte ich mich sonst nie getraut. Aber irgendwie sagt mir niemand mehr, komm, laß uns einfach machen. Ich muß es sagen, ich bin die Mutter, klar, ich bin die Erwachsene. Und wenn ich sage, wo es langgeht, kann man mich wieder kritisieren und angreifen. Ein nie endender Kreis.


Und doch wäre es schön, so jemanden zu haben. An was oder wem orientiert ihr euch? Wo nehmt ihr eure Kraft her? Mir fällt es zunehmend schwerer. Manchmal bin ich kurz vor der Resignation. Und dann ist doch irgendwas in mir, das sagt, nein, du kannst noch soviel. Du kannst soviel besser. Könnte ich auch. Aber es ruft niemand ab. Und es interessiert keinen. Klar, muß ich es mir in erster Linie selber recht machen, schon klar, aber es ist verdammt schwer, wenn man keine oder nur negative Rückmeldung kriegt.


Was sind eure Ziele? Wo wollt ihr später mal sein ? Wie motiviert ihr euch? Wie müßte in euren Augen eine Frau in der zweiten Lebenshälfte sein?


Ich für mich möchte auf jeden Fall noch einigermaßen attraktiv und hübsch sein. Natürlich kann ich nie mehr den Stand einer 30jährigen erreichen, aber elefäntöse Einmannzelt-Trägerin wäre unerträglich für mich. Ich möchte irgendwie "amazing" bleiben. Es ist so schwer. Man kann  noch soviele innere Werte haben, wenn die Hülle nachläßt, interessiert das keinen mehr. Ich interessiere mich für Literatur, Musik und Kunst. Für Philosophie und Theologie-Geschichte. Und? Egal. 


Hey, ich bin's. Eva. Anders als viele. Sehr einzigartig. Und doch so gleich. 


Leben? Schwer. Trotzdem. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Yes, I can. Hoffe ich zumindest.

Kommentare:

  1. Ach Eva, schau doch mal das Bild an, das du mir geschickt hast und das jetzt auf meinem Blog steht. Es zeigt doch eine sehr sympatische, hübsche Frau. Daraus solltest du ganz viel Selbstvertrauen schöpfen.

    Kopf hoch liebe Eva!

    LG Rosine

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  2. Du bist sehr nett! Und ich versuche mein Bestes, wirklich. Aber manchmal ist es einfach schwer. Es ist auch ein komische Lebensphase im Moment finde ich. Es wird bestimmt wieder besser, ganz bestimmt. Ich bin halt ein wenig auf der Suche. So ein blödes Frauenalter. Nicht mehr jung, noch nicht alt. Irgendwie komisch. Aber das wird schon. Hoffe ich sehr.

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  3. Hallo Eva,
    Das ist wohl der Wendepunkt in deinem Leben wo du dich jetzt befindest.
    Wenn es mir sch... geht, lese ich gerne in den Büchern von Rüdiger Dahlke, kennst du den?

    Hier das wäre was für dich:
    http://www.thalia.at/shop/ama_homestartseite/suchartikel/lebenskrisen_als_entwicklungschancen/ruediger_dahlke/ISBN3-442-16502-4/ID2890854.html?jumpId=2850318

    *ganzliebumärml*
    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Nein, den Autor kenne ich noch nicht. Hab bei Amazon mal reingelesen, das hört sich durchaus interessant an. Ich liebe solche "Ratgeber"-Bücher sehr. Habe welche für alle Lebenslagen. Bei der nächsten Bestellung hol ich mir mal eins von diesem Herrn Dahlke. Danke für den Tipp!

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Über nette Kommentare freue ich mich: