Sonntag, 21. August 2011

Großer gemeiner Karton

Gestern war sie also. Die Taufe der Kinder meiner Schwester. Ohne mich. Ich habe das so entschieden. Und auch wenn es sich sehr eigenartig angefühlt hat, daß meine große Tochter anders entschieden hat und hingefahren ist, war es für mich richtig. Natürlich habe ich an die frühere Familie Menschen gedacht, die da irgendwo zwei Babies taufen und feiern und sich freuen. Daran, daß es meine Eltern, meine Schwester, mein Schwager und meine Tante und eben meine Nichten und Neffen sind. 
Aber gleichzeitig auch an das bisher Erlebte und an die ganze Vorgeschichte, die es mir unmöglich gemacht hat, mich dem ganzen auszusetzen. Auch die Tatsache, daß es viele Möglichkeiten gegeben hätte, es anders zu machen, aber eben nichts passiert ist, hat mich in meiner Entscheidung bestätigt. Allein das ganze Theater drumherum,  die "Show" sozusagen, die bei derartigen Gelegenheiten in dieser Familie leider mit einhergeht, hat mich innerlich erschaudern lassen.
Es war mir klar, hätte mir klar sein müssen, daß es dennoch einen Seitenhieb meiner Mutter geben würde. Ich wußte nur nicht, was es dieses Mal sein würde. Irgendwie müßten ihr doch mal die Ideen ausgehen. Weit gefehlt!


Als meine Tochter gestern abend wieder heimkam, hatte sie einen großen Karton dabei, den ihr "die Oma" für mich mitgegeben hatte. Ein großes braunes Paket. Ich wäre im Leben nie drauf gekommen, es ist aber an Gemeinheit nicht zu überbieten. Wollt ihr raten? 
Ich mach es noch ein bißchen spannend. Wißt ihr, daß ich an Blödheit nicht zu überbieten bin? Ein Paket von meiner Mutter, äußerlich neutral, nichts zu erkennen. Den Bruchteil einer Sekunde ein hoffnungsfroher Hüpfer im Herz. Vielleicht schickt sie mir ja was mit? Gar ein Geschenk? Was Nettes? Was Liebes? Was muß noch passieren, daß ich, Eva, die Naive, die Hoffnung endlich aufgebe und mich nicht immer wieder neu verletzen lasse? Meine Kleine schien wohl ähnliche Gedanken zu haben, denn sie ist erwartungsvoll auf den Karton zugelaufen und meinte: Was die Oma da wohl drin hat? Klappe auf und Tadaaaa: Herauskam, Trommelwirbel: Schokolade? Kekse? Bettwäsche? Handtücher? Mitgegebener Kuchen? Nein, es war schlicht und ergreifend und ohne Worte: Mein Brautkleid. -
Ich hatte es vor 23 Jahren (!) nach der Hochzeit bei meinen Eltern gelassen. Sie hatten einfach mehr Platz und mehr Schränke. Ich habe es nie zurückgefordert, wir haben nie über den Verbleib geredet. Gestern habe ich es wortlos zurückbekommen. Grundlos. 
Nein, nicht grundlos. Ein weiteres sehr klares Zeichen,  ein weiterer Hieb, der schmerzt, wie ein Rauswurf. Hier bin ich nun mit meinem schönen Brautkleid.
Unnötig zu ewähnen, wie ich mich dabei gefühlt habe.

Kommentare:

  1. Hey Eva....

    oh man... ich kann nur soooo selten bei dir Kommentieren, weil du anonym nicht freigeschaltet hast und es deshalb von der Arbeit nicht funktioniert.... oft möchte ich etwas zu deinen Posts sagen und habe es dann aber wieder vergessen wenn ich endlich zu hause bin.....

    Diesmal nicht!

    Ich habe diesen Post hier gelesen und mir blieb einfach nur die Kinnlade unten hängen... zwar hatte ich dir als es um die Entscheidung "zur taufe oder nicht" ging geraten einfach nochmal die Gelegenheit zu nutzen und zu reden, aber ich kann auch verstehen, dass du dich dagegen entschieden hast...
    Die "Reaktion" deine Mutter zeigt nur, dass es anscheinend die richtige Entscheidung war...

    Ich weiß wie es ist bei einem Elternteil immer nur zu hoffen und (sorry) doch nur auf die Schnauze zu kriegen... seit mein Vater 2007 ausgezogen ist geht es mir so mit ihm... wir Kinder gehen auf ihn zu und uns wird nur immer wieder vor Augen geführt dass er uns nicht will...

    Zwar bin ich immer dafür "gemeinsam positive Lösungen" zu finden.... aber... manchmal ist es wohl besser einfach allein eine Entscheidung zu treffen und abzuhaken.... die Wunden die damit einhergehen sind manchmal leichter zu heilen als die, die durch ständige Hoffnung entstehen...

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  2. Danke Nicky, so ist es. Ich fühle mich ja auch sehr merkwürdig dabei, aber wenn ich hingehen würde, wäre es noch schlimmer. Kann man halt nix machen.

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