Freitag, 22. Juli 2011

Heute letzter Arbeitstag, dann Urlaub

Naja, "Urlaub" ist vielleicht übertrieben. Wir renovieren. Das hört sich auch nach Arbeit an. Aber muß halt mal sein. Ich träume schon von den Herbstferien, das wird man ja wohl dürfen. Ob das was wird mit Wegfahren steht aber noch in den Sternen.


Heute ist für mich ein komischer Tag. Denn mein Vater hat Geburtstag. Es ist das erste Mal in meinem Leben, daß ich ihm nicht gratulieren werde. Ich hatte bereits eine Karte gekauft, aber ich konnte mich nicht überwinden, sie zu schreiben. Was hätte ich auch schreiben sollen? Seit Oktober keinerlei Kontakt (mir sehr angenehm). Das ganze Leben eher distanzierte Höflichkeit, weil er ja mein Erzeuger ist. Aber Vater? Nur als ganz kleines Mädchen hat er manchmal mit mir Drachen steigen lassen oder ist mit mir spazieren gegangen oder so. Aber er hat sich kein einziges Mal von sich aus irgendwelche Gedanken über mich oder mein Wohlergehen gemacht. Nie von sich als Vater mal ein Geschenk zum Geburtstag oder Weihnachten gemacht. Das tat alles meine Mutter. Oder einfach mal so was mitgebracht. 


Er hat keine Ahnung was ich mag oder nicht. Auch nicht was ich kann oder nicht. Die Tochter, das unbekannte Wesen. Schulbildung, späteres Leben, Enkelkinder, egal. Keinerlei Fürsorge, Nachfrage oder ehrliches Interesse. Er war mir immer eher unangenehm. Leerer Small-Talk, wenn man sich mal sah. Nach außen wurde sozusagen eine Fassade aufrechterhalten, dahinter N I C H T S.   


Daher konnte und wollte ich nicht so weitermachen. Es ist ihm ja auch egal, wie ich mich fühle, wie es mir geht und er hat kein Bedürfnis irgendetwas zu klären. Also, habe ich nicht gratuliert. Egal welche wenigen Worte ich hätte schreiben müssen, sie wären Fake gewesen. Also habe ich es gelassen. Der Geburtstagskontakt der letzten 20 Jahre sah so aus: Eine Postkarte von mir (Wir gratulieren dir zu deinem Geburtstag. Viele Grüße ....). War für mich immer am neutralsten. Dann meistens abends ein Anruf von mir mit dem gleichen Wortlaut. Zwei Sätze übers Wetter und dann: Gibst du mir bitte mal die Mama? Das kann man doch auch bleibenlassen. Er wollte uns auch nie einladen oder so. Immer nur meine Schwester plus Familie. Und das auch nur manchmal. 


Trotzdem weiß ich, daß ich meinen Eltern hiermit einen konkreten Grund liefere, über mich zu schimpfen und herzuziehen. Jetzt können sie überall erzählen, was für eine böse Tochter ich doch bin, daß ich nicht mal dem Papa zum Geburtstag gratuliert habe. Das ist natürlich ein willkommener Anlaß. Und mein Schwesterlein kann sich noch besser plazieren. Egal, ich konnte nicht anders. Und trotzdem bleibt es komisch...

Kommentare:

  1. oje - dein Vater - ein wahrer Mann ...
    keine Emotionen, keine Abhängigkeiten, sich um nichts kümmern müssen ...
    War/ist er mit deiner Mutter genauso?
    Warst du am Ende der Grund, dass er an ihr "hängenblieb" und musstest dann unbewußt alles "ausbaden"? das würde immerhin vieles erklären ...

    Aber: er ist offenbar in sich selbst gefangen, geh nicht zu hart mit ihm ins Gericht, er wird da nicht heraus können, vielleicht auch nicht wollen ...

    Sei lieber gut zu dir selber, spür in dir nach, mir welcher (Re-)Aktion du gut leben kannst und handle, wie es DIR gut tut ...

    ich entschuldige mich vorsorglich mal für die ungefragte "Einmischung", aber du hörst dich an, als ob du ein wenig Unterstützung gebrauchen könntest ..

    Für die anstehende Renovierung viel Power und schöne Gestaltung!

    Liebe Grüße - Anke

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  2. Dankeschön. Das ist keine Einmischung, es interessiert mich sogar sehr, was andere darüber denken. Und Unterstützung brauch ich immer.
    Ja, er war mit meiner Mutter genauso. Sie aber auch mit ihm. Haben mehr oder weniger nebeneinander hergelebt und sie hatte "die Hosen an". Trotzdem ist sie eher an ihm hängengeblieben. Das ist es ja, was ich nicht verstehe. Sie hätte tausend Trennungsgründe gehabt, hat es aber nie getan. Und große Liebe zwischen den beiden gab es wahrhaftig nicht. Naja, egal.

    Die Decke vom Wintergarten ist schon unten. Jetzt muß erstmal Rigips rauf, seufz. Aber das verbraucht Kalorien, man muß immer das Positive sehen.
    Liebe Grüße Eva

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  3. Hallo liebe Eva!
    Ich hab seit 11 Jahren keinen Kontakt zu meinem Vater.
    Angefangen hat es damit, dass er meine Mutter verlassen hat. Dann ging es noch um Erbstreitigkeiten und schließlich das letzte Telefonat indem ich ihm gesagt habe, dass er dort bleiben kann wo der Pfeffer wächst.

    Ich hab mich damals so entschieden.
    Es war am Anfang sehr hart. Ich hab oft geweint, im stillen Kämmerlein, nachts in meinem Polster. Mit den Jahren ist es besser geworden.
    Jetzt fühl ich mich frei.
    Es macht mir nix mehr aus. Seine Familie hat immer schon über mich geschimpft. Das war anfangs auch schmerzhaft. Aber schließlich sind sie mir wirklich vom Herzen egal.

    Ich glaube ich bin da ein Stück erwachsener geworden. Wenn ich mich entschieden habe, beib ich auch dabei.

    Meine Mutter hat mir öfter mal gesagt, ich solle doch wieder Kontakt aufnehmen, wegen meiner Tochter/seiner Enkelin und so.
    Und ich sage NEIN.
    Er hat sich nie um seine Enkelin bemüht. Hatte sie als Baby nur zweimal im Arm (ganz echt!)

    Ich brauch ihn nicht.
    Heute aus der zeitlich langen Distanz geht es mir gut. Ich weiß aber nicht was ich machen werde wenn ich ihm eines Tages zufällig begegne.

    Keine Ahnung ob dir das was hilft.
    Aber ich möchte dir sagen:

    Du bist nicht keine böse Tochter.
    Du bist schwer entäuscht als Tochter.
    Da müssen sich die anderen anstrengen.
    Es ist leichter über jemanden zu schimpfen, als sich um eine Versöhnung zu bemühen.
    Sie wählen den bequemen Weg.

    fühl dich gedrückt!
    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Danke Martina. Ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut nachempfinden. Ich hab schon gar keine Tränen mehr, nur so eine Art Leere. Trotz aller Entschiedenheit habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, so ein bedrücktes Gefühl. Ich möchte mich so gerne davon befreien, aber es ist hartnäckig. Dabei brauche (brauchte) ich ihn nicht und er mich nicht. Er sollte ein schlechtes Gewissen haben, nicht ich. Er war immer nur negativ für mich, ohne ihn wäre mir eine Menge erspart geblieben. Naja, aufs ganze Leben gesehen waren vielleicht 5 % gute (oder neutrale) Erinnerungen dabei.

    Ich hoffe, daß das alles mit der Zeit besser wird.

    Was halt noch dazukommt ist: Er ist ein alter Mann (naja 71), nicht unsterblich. Ich habe Angst vor diesem Tag.... Was mache ich dann? Immerhin bin ich biologisch seine Tochter. Aber vielleicht ist es noch lang bis dahin, wer weiß, vielleicht habe ich bis dahin eine Idee.
    Die blöde Postkarte liegt wie ein Mahnmal noch auf dem Tisch, ich geh sie mal entsorgen.

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Über nette Kommentare freue ich mich: