Mittwoch, 20. Juli 2011

Eigentlich alles gut

Eigentlich ist restriktiv... Genau wie mein Leben. Denn eigentlich habe ich figurmäßig einen Fortschritt gemacht. Ich passe wieder in meine weiße enge 3/4 Jeans, die vor 14 Tagen an der Hüfte nicht vorbei wollte. Sie ist zwar immer noch gut eng, aber sie geht zu. Ohne Atemnot! Und das nur, weil ich wieder regelmäßig Sport betreibe. Soweit so gut.


Arbeitstechnisch geht es mir auch gut. Ohne Einschränkung. Der Job macht mir mega Spaß, der Umgang mit den  Leutchen auch, es sind nette Kollegen und die Füße gewöhnen sich langsam an das viele Stehen. (Gut der Verdienst ist nicht gerade mega, aber darum ging es bei mir ja auch nie).


So. Jetzt kommt das ABER: Wie immer bei mir, läuft es irgendwie nie geradlinig. Momentan machen mir meine beiden Töchterleins mal wieder extrem das Leben schwer. Warum? Keine Ahnung. Weil man einen Sündenbock für alles braucht? Weil man nicht weiß, an wem man sonst die Launen auslasssen sollte? Weil man sich selber besser fühlt, wenn man auf die Mutter herabsieht? Weil man lieber andere verantwortlich macht, statt sich selber an die Nase zu fassen? Weil es bei uns schon immer so war und ihnen einfach Spaß macht, mich so zu behandeln? (Wieviel Zeit habt ihr, die Gründe könnte ich noch ziemlich lange weiterführen).


Was ich momentan wirklich vermute: Es geht und ging ihnen zu gut. Immer. Von Anfang an. Ich habe irgendwie gehofft, daß mit zunehmenden Alter eine Art Verständnisbasis auftaucht, sozusagen eine Reife und menschliche Intelligenz. Aber große Fehlanzeige. Jedenfalls mir gegenüber. Denn intelligent sind sie (fachlich gesehen). Aber menschlich? Ich frage mich das immer wieder. Hätte ich mir schon viel früher viel mehr Freiräume nehmen müssen? Mein und dein abstecken? Mit Strenge und Härte Pflichterfüllung erzwingen? Ihnen erklären, daß man auch mal nett sein kann, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen? Daß jeder Mensch anders ist, anders empfindet und Dinge anders sieht? Deswegen nicht besser oder schlechter ist? Daß man im Leben nichts geschenkt kriegt? (Außer von der Mutter...) Daß Meinungsfreiheit herrscht (auch für Mütter).  Ihnen erklären, daß sie jetzt die Weichen für ihr weiteres Leben stellen und daß sie jetzt jung und voller Energie sind, das auch zu tun? Daß man sich für Ziele einsetzen muß und nicht sagen "ist halt so"? Daß Ordnung absolut dazugehört? 


Klar machen, daß eine Mutter niemals ein Schuhabtreter ist, egal wie toll man sich gerade aus irgendwelchen Gründen fühlt? 


Ich hätte das alles vor ein paar Jahren noch sehr vehement abgelehnt. Heute denke ich, nein, ich hätte alles so durchsetzen müssen. Ich war eher immer so wie eine Art Geist aus der Lampe, der alle Wünsche erfüllt. Sofort, zack zack. Manchmal sogar, bevor der Wunsch da war. Und oft bis zur Selbstaufgabe. Wieso ist das so schief gelaufen? Keine Ahnung. Ich wollte ein gute Mama sein, eine, die liebgehabt wird, heute eine, die wenigste respektiert wird. Und irgendwie eine, wie ich mir eine gewünscht hätte. Tja, Pech gehabt.


Ich gebe die Hoffnung nur teilweise auf. Denn ich weiß, daß man mit zunehmender Lebenserfahrung viele Dinge anders sieht. Daß eben nicht alles so läuft, wie man es sich vorstellt. Daß man derbe Rückschläge hinnehmen muß und daß man irgendwann bemerkt, uups, so eine Familie ist (wäre) eine ganz gute Sache. Weil die nämlich immer zu einem steht. (jedenfalls normalerweise), ne?? Und daß auch so ne Mutter gar keine schlechte Erfindung der Natur ist (Himmel, ich hätte so gerne eine liebe gehabt).


So, jetzt gehe ich arbeiten und wißt ihr was: Ich freu mich drauf!!! Auch wenn es nuuuur "ein Verkäuferjob" ist und auch wenn ich "Niiiiix aus meinem Leben gemacht habe".  


Und wer auch immer aus meinem Umfeld das liest und anderer Meinung ist: 


Es herrscht M E I N U N G S F R E I H E I T !!!!!

Kommentare:

  1. du Liebe !!!

    lese ich da eine Wiederholung in den Mutter - Tochter - Beziehungen, nur jetzt in die andere (Generationen-) Richtung ???

    eine gesunde, stabile, hilfreiche Beziehung lebt vom Geben und (An-)Nehmen, in beide Richtungen ...

    und wenn du da jetzt in Bewegung bist, wird noch VIELES andere auch in Bewegung kommen ...

    und was, bitte, ist an einem "Verkäuferjob" falsch, wenn du Freude daran hast und Freude weitergeben kannst, wenn Kunden sich auf dich freuen ... etc.???
    insbesondere, wenn es eben NICHT ums Geld geht ...
    jede Arbeit, die man mit Liebe tut, ist sowas von BENEIDENSWERT !!!

    liebe Grüße erstmal - Anke

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  2. Wie alt sind deine Mädels?
    Meine Kollegin hat 3 und ist alleinerziehende Mutter, sie hat aber letztlich das gleiche Problem. Sie hat wirklich nicht viel Geld und trotzdem hat sie ihren alles ermöglicht, was irgendwie geht. Es ist schwer, ihnen klar zu machen, dass Hotel Mama nicht gleich zu setzen ist mit "die kann alles machen, wir nichts" schließlich ist das ihre Aufgabe.

    Zum Job habe ich ja schon etwas geschrieben :-)

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  3. Liebe Anke, danke für deine Stellungnahme. Es ist wirklich die erste Arbeit in meinem Leben, die mir Spaß macht. Ich habe in jungen Jahren in der Auslandsabteilung einer großen Bank gearbeitet, dann in einem großen Elektronik Konzern als Chefsekretärin (fand ich ätzend, weil es mich Null interessiert hat), und als Projektmitabeiterin in einem Exportunternehmen. Das war alles vor den Kindern. Dann kam Familie (ziemlich lange) und dann einige "Jobs" zum "Mal rauskommen", aber alles war nicht so das Wahre. Jetzt macht es mir einfach nur Spaß. Aber Vorstandvorsitzende der Deutschen Bank bin ich leider nicht geworden.

    Liebe Moni,
    die MÄdels sind 18 und 15. Die 18jährige fühlt sich super erwachsen und weiß eh alles besser als ich, die mit 15 haut genau auf meine Schwachpunkte, um mir weh zu tun. Warum? Weil ich nicht immer ihrer Meinung bin. Aber genau das wäre doch ein Punkt, um sich weiterzuentwickeln, um mal nachzudenken. Sie kann ja auch ihre Meinung haben, kein Ding. Aber das es dann immer völligen Entwerten und Niedermachen endet, ist traurig. Ich verstehe es halt ganz oft nicht. Kinder (insbesondere Töchter) großziehen, ist so ziemlich das Schwierigste im Leben finde ich.

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  4. da gebe ich dir recht, auch wenn Jungs nicht einfach sind, sie halten sich in dem Alter für King of Kotelett und alles was man sagt, ist falsch.
    Viel Trost ist es nicht, aber die Zeit geht vorbei. Bei meinem war es mit 18, als endlich der Schalter umgelegt wurde. Und ich bin froh, dass es so ist :-) das kannst du mir glauben.

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Über nette Kommentare freue ich mich: