Samstag, 7. Mai 2011

Soll ich oder soll ich nicht?

Ich bin (mal wieder) an dem Punkt angelangt bzw. zu der Erkenntnis gekommen, daß es für mich langweilig und nicht zufriedenstellend ist, den ganzen Tag als Hausfrau allein daheim zu sein (sorry an alle Hausfrauen, ihr seid toll, ich weiß es. Aber ich bin halt unglücklich auf die Dauer). Es ist nicht so, daß ich keine Beschäftigung hätte, denn irgendwas ist immer zu tun. Aber es füllt mich nicht aus. Im Gegenteil, ich verfalle dann in so eine Art "Lähmungszustand" und tue dann gar nichts mehr. (also nur das Nötigste). Wenn diese Phase wieder mal da ist, fange ich an, Bewerbungen zu schreiben, auf irgendwelche stundenweise Jobs, die mir Beschäftigung geben sollen. So geschehen vor ein paar Tagen. 


Ich habe mich in einem Kinderklamottenladen beworben, die suchen Aushilfen auf  400 Euro Basis. Es sind  nur einige Stunden zu arbeiten, es wäre nah an meinem Wohnort und Mode und Kleidung machen ja sowieso Spaß. Ich war gestern beim Probearbeiten und habe den Job.


Aber anstatt mich zu freuen, kommen schon wieder Zweifel auf. Ich bin ja "eigentlich" Fremdsprachen-korrespondentin, allerdings längere Zeit raus aus dem Beruf. Ich habe bereits als Empfangsdame bei einer großen Arztpraxis gearbeitet, als Mitarbeiterin bei dm und jetzt als Verkäuferin??


Nicht, daß ich was gegen diese Jobs hätte, aber irgendwie schäme ich mich dann doch, wenn die Frau XY zu mir an die Kasse kommt und sagt "Ach, sie arbeiten jetzt hiiiiieeeeer". Ich kann mir doch kein Schild um den Hals hängen mit Rechtfertigungen drauf: "Ja, schon, aber nur stundenweise, weil es mir daheim auf Dauer langweilig wird; ich habe eine andere Ausbildung und könnte auch was "Richtiges" machen, aber irgendwie traue ich mich nicht und blabla." Ist wohl nicht die richtige Einstellung von mir, oder? Einerseits möchte ich wirklich nur ein bißchen rauskommen, aber dann ist es mir sehr unangenehm, wenn andere von mir  denken könnten, ich bin "nur" Kassiererin oder so. 


Witzigerweise kriege ich diese Jobs meistens auf Anhieb, andere müssen angeblich zig Bewerbungen schreiben und es hagelt Absagen, bei mir nicht. Es ist allerdings auch immer so eine Art Test von mir, ob ich die Stelle kriege, und wenns dann so ist, kann ich mich auch nicht wirklich freuen.


Blöd, oder? Ich weiß auch nicht, was ich machen soll. Ich denke, ich werde wieder mal eine Weile lang hingehen, denn eigentlich spricht wirklich gar nichts dagegen. Ich stehe mir nur mal wieder selber im Weg. Kein Selbstbewußtsein um zu sagen, hey, ich mache das, weils mir Spaß macht. Ich muß das nicht machen, aber ich tus trotzdem. Egal, was ihr über mich denkt. Egal, ob Frau Unternehmersgattin süffisant lächelt. Oder meine Mutter: Du hattest sooo ein gutes Abitur, und jetzt? Bis du Verkäuferin bei .... Oder ob andere Mütter von Freunden meiner Töchter viel tollere Jobs haben. Die hatten auch einen anderen Lebensweg. Und andere Beweggründe, um zu arbeiten. Und garantiert mehr positive Erfahrungen.


Ich werde noch ein bißchen drüber nachdenken.


Ach so, mein Gewicht ist leider unverändert, obwohl ich täglich entweder 1 Stunde walke oder im Fitness Studio bin. Irgendwie ist da was dran, daß ab einem gewissen Alter die Pfunde einfach nicht mehr weggehen wollen. Aber ich bleibe dran und ich werde berichten.

Kommentare:

  1. also erst mal kann ich sehr gut verstehen, dass dich das "nur" Hausfrauenleben nicht ausfüllt, für mich wäre es auch nichts, liegt aber vielleicht daran, dass ich immer gearbeitet habe.

    außerdem denke ich, dass du viel zu viel Kopf machst, lass es doch auf dich zukommen, wenn es nichts für dich ist, kannst du immer noch aufhören.

    In meinem Hauptberuf sitze ich im Vorzimmer vom Amtsleiter und nebenbei gehe ich putzen und helfe ich der Küche aus.

    Ich habe mir da ehrlich gesagt noch nie gedanken drüber gemacht, was andere denken.
    Also lass es einfach zu und wie schon oben gesagt, wenn du es nicht magst, kannst du ja wieder aufhören.

    lg Moni

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  2. Danke Moni, du hast ja so recht. Ich mache mir wirklich zuviele Gedanken. Keine Ahnung, wieso. Ich kann wieder aufhören, ohne irgendwelche Konsequenzen. Oder ich könnte auch Spaß dranhaben. Auf jeden Fall werde ich positiv gestimmt hingehen, dann werden wir sehen.
    Wieso hast du eigentlich 3 Jobs? Das ist ja ganz schön viel. Arbeitest du Vollzeit deinem Amtsleiter? Hut ab auf jeden Fall.
    Danke für deine Worte, lg Nelly

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  3. Liebe Nellystories,

    dein Post hat mir sehr gut gefallen. Wahrscheinlich, weil er so herrlich ehrlich ist. Ich finde es ganz toll, dass du aktiv bist und etwas ausprobierst. Wenn es dir nach einer Weile nicht gefällt, dann ist das eben so. Das sind Erfahrungen und Lernprozesse.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, warst du die vergangenen Jahre als Hausfrau und Mutter tätig. Und auf einmal kommt der Zeitpunkt, an dem man merkt, dass die Kinder einen nicht mehr so viel brauchen wie früher. Eigentlich ist man ja auch stolz darauf, dass sie sich so entwickeln, aber man wird plötzlich wieder so auf sich selbst zürückgeworfen.
    Mir geht es ganz ähnlich wie dir. Wir leben seit 9 Jahren, bedingt durch den Beruf meines Mannes, im Ausland. Zuerst in USA, dann in Asien und die letzten Jahre in Norwegen. Ich habe es einfach als meine Aufgabe angesehen Stabilität und Normalität in dieses sonst eher bewegte Leben meiner Familie zu bringen. Und das hat auch ganz gut geklappt. Ich habe mich zwar auch außerhalb der Familie in verschiedenen Ehrenämtern betätigt, aber Prio Nr. 1 war immer die Familie. Ich denke, es war gut so, aber zunehmend schleicht sich das Gefühl des Nicht-mehr-ausgefült-Seins, das du oben beschreibst ein. Meine Tage sind eigentlich immer recht busy und nie langweilig und trotzdem ist da ein Raum, der nicht ausgefüllt ist.
    Du wirst bestimmt das Richtige für dich finden. Geh einfach weiter. Und an einem bestimmten Punkt wirst du merken, dass es jetzt passt. Was die anderen Leute sagen, sollte einem eigentlich egal sein, ist es aber leider nicht. Eine gute Freundin hat mir einmal gesagt, dass ich diesen Leuten einfach sagen soll, dass ich gerade daran arbeite das Richtige für mich zu finden und auf der Suche bin.
    Ich wünsche dir für deinen neuen Job auf jeden Fall viel Spaß und gute Erfahrungen.
    Danke nochmals für deinen Post. Ist manchmal tröstlich zu lesen, dass andere durch die gleichen Phasen gehen wie man selbst.

    LG, Britta

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  4. Liebe Britta,
    danke für deine lieben Worte. Ja, ich habe seit meine Töchter auf der Welt sind, mich ausschließlich um die Familie gekümmert. Mit 150 % Einsatz. Wir sind mehrmals durch Deutschland hin und hergezogen wegen dem Beruf meines Mannes (er ist promovierter Biologe) und ich mußte immer wieder neue Freunde finden, neue Kinderärzte, neue Einkaufsmöglichkeiten usw. Solange die Mädels klein waren, hatte ich wenig Zeit zum Nachdenken. Vor 1 Woche ist meine Große 18 geworden, die Kleine wird bald 15. Und plötzlich ist da ein ganz großer Raum, der gefüllt werden will, denn die 24 Stunden Rundumversorgung der Mama ist nicht mehr gefragt. Ich bin anders gefragt und das Loslassen fällt mir extrem schwer. Selber wird man älter und hinterfragt sein Dasein anders und ich merke, daß die Zeit eines Lebens doch sehr begrenzt ist und man eben nicht immer wieder von vorne anfangen und alles anders machen kann. Das macht schon ein bißchen Angst. Aber ich bemühe mich und freue mich sehr, daß es eben doch Menschen wie dich gibt, die meine Gedanken durchaus nachvollziehen können. Ich habe leider noch nicht so sehr viele kennengelernt. Die meisten meinen, ich soll mich nicht so anstellen. Haha, dankeschön!
    Respekt für deine Auslandsaufenthalte! Die habe ich bisher erfolgreich abwehren können (mein Mann könnte morgen nach Singapur, wenn er wollte, oder nach Amerika oder sogar nach China). Wer sowas genießen kann ist glücklich, es ist sicher eine tolle Erfahrung, aber ich hätte nur Angst davor. Wie alt sind deine Kinder? Würde mich freuen, wieder von dir zu hören.
    Ganz liebe Grüße nach Norwegen!!

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  5. Liebe Nellystories,
    Danke für deine ehrlichen Worte. Wie schon gesagt, vieles von dem, was dich umtreibt, kann ich so gut nachvollziehen. Meine beiden Töchter sind 14 und 16. So merke auch ich, dass ich in einer anderen Art und Weise gebraucht werde als zuvor.

    Trotzdem versuche ich, dieser Veränderung etwas Gutes abzugewinnen und die positiven Aspekte zu sehen. Ich habe mehr Freiraum für mich, aber damit muss man natürlich zuerst einmal lernen wieder umzugehen. Und irgendwie braucht das auch Zeit. Und die sollte man sich lassen. Ist nicht immer so leicht vom Versorger- und Betreuermodus plötzlich auf "du hast wieder mehr Freiheit zu tun, was du willst" umzuschalten. Mit dieser Freiheit ist man zuerst fast überfordert. Und man ist so auf sich zurückgeworfen. Vorher ist vieles einfach auf einen zugekommen und man hat entsprechend regiert. Jetzt ist wieder Eigeninitiative gefragt.

    Irgendwie trifft man durch sein ganzes Leben hindurch Entscheidungen, die zudem auch oft zu dem Zeitpunkt, an dem sie getroffen werden, genau richtig sind und das auch recht lange bleiben. Und dann geht das Leben weiter, man sieht sich vor neue Situationen gestellt und muss die Weichen neu stellen. Egal, ob man im Ausland lebt oder im Heimatland, diese Zeiten kommen und man ist gefordert wieder mal innezuhalten und vielleicht auch eine Weile auf die Suche zu gehen. Das kann auch eine große Chance sein.

    Ich finde, du machst es genau richtig. Du gehst raus, tust etwas, probierst etwas aus. Du bleibst nicht stehen und versinkst nicht in Selbstmitleid. Und wenn dann mal ein Tag dazwischen ist, wo irgendwie gar nichts passt, na und ... die hat doch jede(r). Wichtig ist, dass man die Kurve wieder kriegt, weitergeht und den Blick auf das Schöne und Positive, das einem widerfährt, gerichtet hält.

    Ganz herzliche Grüße von Britta

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